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Gesellschaft & Religion Sie nennt sich Golondrina

Golondrina ist Sans Papier, ihr droht das Risiko der Ausschaffung. Täglich. Dennoch hat sie ihre Identität offengelegt. Gemeinsam mit sieben anderen Sans Papiers hat sie im Frühjahr in Basel ein Gesuch um Aufenthalt eingereicht, im eigenen Namen.

Sie ist mit zurückhaltender Eleganz gekleidet, trägt diskreten Schmuck. Wenn sie einen Ort betritt, ist sie präsent, und doch möchte sie übersehen werden.

Die Frau, die sich Golondrina nennt, lebt seit 20 Jahren ohne legale Papiere in der Schweiz. Sie hat gelernt, nicht aufzufallen, sich anzupassen, bestimmte Orte zu meiden, ganz normal auszusehen.

Golondrina riskiert die Ausschaffung

Aber wenn sie spricht, Golondrina, ist eine kluge, feine Beobachterin zu hören, eine Frau, die viel weiss, die auch kämpferisch sein kann. Dann, wenn es um ihre Aufenthaltsbewilligung geht, dann, wenn es um die Anerkennung ihrer Existenz hier in der Schweiz geht.

Im April dieses Jahres hat sie gemeinsam mit sieben anderen Sans Papiers in Basel ein so genanntes Härtefallgesuch eingereicht – unter ihrem eigenen Namen. Sie hat ihre Identität aufgedeckt, ist das Risiko eingegangen, dass sie im Falle einer Ablehnung ausgewiesen wird.

Bürgerin dieser Stadt

Im Gespräch strahlt Golondrina einen ungebrochenen Optimismus aus. Sie ist überzeugt, dass die Behörden – in Basel: das Migrationsamt, die Härtefallkommission, die Regierung – ihr Gesuch gutheissen werden.

Sie gründet ihre Hoffnung auf all das, was sie in der Schweiz erlebt hat, was ihr in ihrem Ursprungsland Bolivien fehlt. Sie spricht von der Stabilität in der Schweiz, von der Rechtsicherheit, und sie erwähnt die Freundlichkeit der Menschen hier.

Golondrina, die nie lange eine Schule besucht hat, sagt, sie sei Bürgerin dieser Stadt. Sie begründet dies mit dem, was in ihren Augen Bürgerschaft ausmacht: Dass man arbeitet, für sich sorgt, dass man sich kümmert um die Allgemeinheit.

Sie zeigt, dass sie viel weiss über das, was sich in ihrer Stadt ereignet. Plaudert über Abstimmungen, redet über die bevorstehenden Wahlen, erzählt von historischen Ereignissen.

Nur eins fehlt ihr: die Anerkennung.

Die tägliche Arbeit

Golondrina arbeitet als Putzfrau, unter anderem in Haushalten gut situierter Bürger der Stadt. Sie hat mit ihrer Arbeit ihre drei Töchter unterstützt. Zwei leben in Bolivien, eine lebt in Paris. Alle drei haben eine gute, eine akademische Ausbildung erhalten.

Aber sie hat dafür einen hohen Preis bezahlt, hat ihre Töchter nie mehr gesehen. Nun, wenn sie die Anerkennung in Form von Papieren kriegen würde, könnte auch dieser Wunsch in Erfüllung gehen: dass sie reisen könnte, ihre Kinder, von denen sie sich entfremdet hat, wiedersehen.

Das Recht auf Reisen, das für alle gilt – sie möchte, dass dieses Grundrecht auch für sie gilt: Für Golondrina, auf Spanisch die Schwalbe. Sie kann sich nicht vorstellen, dass man ihr dieses Recht verweigern könnte, in diesem Land des Rechts und des Wohlstands.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Respekt vor den Frauen, die nicht nur sich selbst erhalten, sondern ihren Kindern gar Studien finanzieren. Schade dass eine Mutter zehn Kinder, aber 10 Kinder nicht eine Mutter ernaehren koennen. Vor der PFZ konnten fast alle Einheimischen und Legalen im ersten Arbeitsmarkt arbeiten. Da stoerten diese Frauen und ihre Ausbeuter kaum. UdU muss jetzt bei den Ausbeutern angesetzt und diese hart bestraft werden. Es wuerde auch die sklavenaehnliche Abhaengigkeit mildern, wenn nicht nur die Opfer Angs
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  • Kommentar von Christoph Keller(SRF)
    @Frank Maurer. Die Frage ist: welche Gesetze Golondrina denn gebrochen hat. Sie ist in 22 Jahren nicht einmal schwarz Tram oder Bus gefahren, hat nie jemanden beleidigt und hat nie gestohlen. Sie ist nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen - hat also auch keine Gesetze gebrochen. Niemand hält sich mehr ans Gesetz als Sans Papier, denn sie haben zu befürchten, was weder Ihnen noch mir passieren könnte: wegen einer Parkbusse ausser Landes gewiesen zu werden.
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    1. Antwort von Frank Maurer (Frank Maurer)
      Sie lebt ilegal in der Schweiz, ohne Aufenthaltsbewilligung. Ohne Bewilligung wohl auch keine Steuerabgaben auf dem Verdienst usw. usw.
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  • Kommentar von Frank Maurer (Frank Maurer)
    Frau Golondrina lobt Stabilität und Rechtsicherheit in der Schweiz, bricht aber selber die Gesetze für ihren Vorteil. Geht in meinen Augen nicht auf. Wenn sie zu ihren Töchtern reisen möchte, kann sie dies als bolivianische Staatsbürgerin tun, halt ohne Rückkehrmöglichkeit in die Schweiz. Bolivien ist sicher, aber halt arm. Andere Länder in der Welt auch. Wenn alle wie Frau Golondrina handeln würde, wäre die Bevölkerungszahl in der Schweiz geschätze 200 Mio. Ob es dann allen besser gehen würde?
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    1. Antwort von Maggy Ritz (Maggy Ritz)
      Gefahr für Leib und Leben ist auch Armut. Solange wir Lebensmittel wegwerfen, müssen wir teilen. Mindestens! (S. 14: https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19995395/201506140000/101.pdf) https://www.amnesty.ch/de/themen/menschenrechte/wirtschaftliche-soziale-und-kulturelle-rechte/wsk
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    2. Antwort von Frank Maurer (Frank Maurer)
      @ Maggy Ritz, klar bedeutet Armut im Extremfall Gefahr für Leib und Leben – und dort soll die Weltgemeinschaft auch Hilfe leisten. Trifft dies auf Bolivien zu? Warum denken einige Leute immer, alle Länder ausserhalb Europas oder Nordamerikas leben in bitterer Armut?
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