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5 Jahre «Elphi»: Hat sie das künstlerische Renommee, das man sich von ihr erhoffte?
Aus Kultur-Aktualität vom 14.01.2022.
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5 Jahre Elbphilharmonie Wahrzeichen, Prunkbau – und Top-Adresse in der Klassikszene

Bauverzögerung, Kostenexplosionen, schlechte Akustik – die Hamburger Elbphilharmonie kam anfangs aus den Negativschlagzeilen gar nicht mehr raus. Seit fünf Jahren steht sie nun, jährlich 380 Konzerte finden allein im grossen Saal statt. Die Elphi, wie sie die Hamburger liebevoll nennen, ist ein Besuchermagnet.

Hat sie aber auch das künstlerische Renommee, das man sich von ihr erhofft hat? Der Hamburger Musikredaktor Joachim Mischke meint: Die Elbphilharmonie gehöre heute zu den Besten der Besten.

Joachim Mischke

Joachim Mischke

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Joachim Mischke ist Musikredaktor beim Hamburger Abendblatt und von ihm ist gerade das Buch «Geschichten und Geheimnisse der Elbphilharmonie» im Verlag Hoffmann&Campe erschienen.

SRF: Was ist Ihre Assoziation mit der Elbphilharmonie: «Prunkbau», «klassisches Konzerthaus» oder «Wahrzeichen der Stadt»?

Joachim Mischke: Prunkbau womöglich, weil sie – vorsichtig ausgedrückt – nicht ganz günstig war. Ein klassisches Konzerthaus ist sie nicht, eher ein Konzerthaus für Klassik und viele andere Dinge. Es ist eine Mischung aus Konzerthaus auf dem neuesten Stand und einem Wahrzeichen.

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Ein Rundgang durch die Elbphilharmonie (unkommentiert)
Aus Kultur Extras vom 09.01.2017.
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Viele schwärmten von der einmaligen Akustik. Dann passierte das scheinbar Unmögliche: Der Solist Jonas Kaufmann trat auf, doch das Publikum im Saal hörte ihn nicht. Was ist passiert?

Das war ein Abend, an dem vieles schief lief, wofür der Saal an sich aber relativ wenig kann. Kaufmann sang Mahlers «Lied von der Erde» und stand dafür an der falschen Stelle im Saal. Man hätte das wissen und auch ändern können – er wollte aber nicht. Zudem hat sich das Basler Orchester auch nicht ideal mit diesem Saal auseinandergesetzt.

Das Publikum war entsprechend sauer, da sie viel Orchester und wenig Jonas Kaufmann hörten. Nur elf Tage später traten die Münchner Philharmoniker mit Valery Gergiev auf: Er stand an der richtigen Stelle, das Orchester kannte sich mit Toyota-Akustik gut aus – und alles war wunderbar.

Hat dieses Ereignis dem Renommee der Elbphilharmonie geschadet?

Das glaube ich nicht. Es hat kurzfristig eine grosse Aufregung gegeben. Das Konzert wird immer wieder erwähnt, weil vieles so spektakulär schief ging. Aber es sind inzwischen 2600 Konzerte gelaufen, die allermeisten waren in der Hinsicht unfallfrei.

Elbphilharmonie: die wichtigsten Stationen

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  • 2001: Die Idee einer neuen Konzerthalle ist lanciert
  • 2003: Herzog & de Meuron präsentieren den ersten Entwurf für eine «Philharmonie Hamburg»
  • 2010: Erste Misstöne und Proteste
  • 2011: Der angestrebte Triumph moderner Architektur droht zum Fiasko zu werden
  • 2017: Hamburg eröffnet mit 7-jähriger Verzögerung die Elbphilharmonie

Welches Konzerterlebnis ist Ihnen ganz besonders in Erinnerung geblieben?

Da dieser Saal gut ist für grosse Orchester-Repertoirewerke, würde ich sagen Schostakowitschs 7. Sinfonie mit Teodor Currentzis. Die Liste von tollen Konzerten – Yo-Yo Ma, die Berliner Philharmoniker mit Kirill Petrenko, Concertgebouw mit Klaus Mäkelä – reicht von einer kleiner Besetzung bis hin zur grossen Sinfonie.

Legende: Klangdesign der Extraklasse: Dank der Akustik von Yasuhisa Toyota gehört die Hamburger Elbphilharmonie zu einer der besten Konzerthallen der Welt. IMAGO / epd

Rund drei Millionen Menschen besuchten bislang die Elbphilharmonie. Viele kommen wegen des Erlebnisses und wollen die Architektur bestaunen. Nimmt man die sogenannten «Saal-Touristen» billigend in Kauf?

Auch das ist so ein urbaner Mythos, denn es sind gar nicht so viele. Es gibt zwar Tourismus-Pakete: Reiseveranstalter, die ihre Busladung in den Saal setzen. Aber das sind alles in allem ungefähr fünf Prozent der Besucher.

Der allergrösste Teil der Besucherinnen und Besucher kommt aus Hamburg und aus der Region, andere kommen aus aller Welt.

Ist die Elbphilharmonie nun die Top-Adresse in der Klassikszene?

Sie ist schon ganz weit oben. Sie spielt in einer Liga mit der Berliner Philharmonie, mit dem Concertgebouw, mit dem Musikverein in Wien, mit dem KKL in Luzern. Also der Plan ist aufgegangen.

Das Gespräch führte Katrin Becker.

Buchhinweis

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Joachim Mischke: «Geschichten und Geheimnisse der Elbphilharmonie». Hoffmann & Campe, 2021.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 14.1.2022, 7:06 Uhr;

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