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International Ägyptens Langzeit-Herrscher steigt aus dem Rollstuhl

Hosni Mubarak schöpft neuen Lebensmut. Viele Ägypter sind empört: Mubarak wurde gestern per Helikopter aus seiner Haft entlassen. Doch sie haben noch ganz andere Sorgen.

Helikopter mit Mubarak in der Luft. Ein Soldat am Boden beobachtet den Flug.
Legende: Mit dem Helikopter wurde Mubarak gestern ins Militär-Spital geflogen. Für viele Ägypter ein Affront. Keystone

Mubaraks noch inhaftierte Söhne haben dem Vater zu seiner Entlassung aus dem Gefängnis gratuliert. Mubarak (85) habe daraufhin gesagt, er freue sich. Seine Freude werde aber erst nach einem Freispruch komplett sein. Dies berichtete eine Kairoer Zeitung.

Weiter schrieb das Blatt: Mubarak macht gesundheitlich einen guten Eindruck. Er bewegt sich wieder ohne Rollstuhl fort.

Der frühere Staatschef durfte am Donnerstag das Gefängnis verlassen. Er wurde in ein Militärkrankenhaus gebracht, wo er nun unter Arrest steht. Mubarak muss sich vor Gericht wegen der Tötung von mehr als 800 Demonstranten verantworten.

Muslimbrüder verfolgt

Die Entlassung des Langzeitmachthabers stösst international auf Kritik. Und scheinbar unbeeindruckt von den Stimmen aus dem Ausland handelt die ägyptische Führung auch in Bezug auf die Muslimbrüder: Sie steckt immer mehr Mitglieder der Muslimbruderschaft ins Gefängnis.

In der Nacht zum Freitag wurden vier lokale Führungskader der Islamisten-Organisation festgenommen. Dies berichtete die Website «Al-Shorouk».

Proteste angekündigt

Die Muslimbrüder wollten am Freitagnachmittag in mehreren Provinzen gegen Polizeigewalt und für die Wiedereinsetzung von Präsident Mohammed Mursi demonstrieren.

Unabhängig von den Muslimbrüdern hatten verschiedene Revolutionsgruppen zu Protesten gegen Mubaraks Entlassung aus der Haft aufgerufen.

Die Jugendbewegung 6. April sagte die geplanten Anti-Mubarak-Kundgebungen wieder ab. Die Gruppe erklärte, dadurch sollten gewaltsame Zusammenstösse vermieden werden. Ausserdem wolle man den Mursi-Anhängern nicht die Gelegenheit geben, den Anschein zu erwecken, die Revolutionäre stünden auf ihrer Seite.

Friedensgespräche im Gang

In der südlichen Stadt Luxor versucht derweil ein lokales Bündnis aus verschiedenen Parteien zwischen der Staatsmacht und den Muslimbrüdern zu vermitteln. Einige Muslimbrüder sollen schriftlich zugesichert haben, nicht mehr an Protesten teilzunehmen und sich aus der Politik zurückzuziehen. Im Gegenzug werde man versuchen, die Sicherheitskräfte dazu zu bringen, die Islamisten in Ruhe zu lassen.

Geld-Blockade neu beurteilt

Nach der Haft-Entlassung des früheren ägyptischen Machthabers Mubarak will die Schweiz neu prüfen, was mit dessen Vermögen auf Schweizer Bank-Konten geschehen soll. Dies sagte eine Sprecherin des Bundesamtes für Justiz. In der Schweiz sind etwa 700 Millionen Franken von Mubarak und seinen Angehörigen blockiert.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    Ob Libyen, Syrien oder Ägypten ist die Berichterstattung mit viel Vorsicht zu geniessen, da es selten so ist, wie es scheint. Wie jetzt von einigen Reporter bestätigt worden ist, war/ist es vor allem die Armee welche mit grausamen Methoden gegen die Muslimbrüder vorgeht. Wer diese Armee mitfinanziert, wissen wir ja alle. Da will man diese Brüder wohl loswerden. Das Wörtchen noch inhaftierte Söhne lässt einem aufhorchen - die werden wohl auch bald frei kommen - ev. auch an die Macht!?
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  • Kommentar von Hagou Hans, Bienne
    "Ärzte kämpfen um das Leben von Husni Mubarak: Der frühere ägyptische Machthaber liegt offenbar im Koma und wird künstlich am Leben erhalten. Zuvor hatte die amtliche Nachrichtenagentur Mena berichtet, dass Mubarak bereits für klinisch tot erklärt worden sei." SCHLAGZEILEN im Juni 2012...! - Wir sind gespannt auf die Bilder der Freilassung...
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  • Kommentar von Walter Staub, Schwerzenbach
    Welch mitleidenwerten Muslimbrüder, die gerne Kirchen abfackeln und Andersgläubige drangsalieren und terrorisieren. Mein Mitleid mit diesen Brüdern hält sich allerdings, ganz ehrlich gesagt, in engsten Grenzen.
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    1. Antwort von john janoough, 6340 baar
      Kein mitleid mit diesen Brüdern. Die haben längst versagt, andersgläubige zu akzeptieren. Ich bin zwar Atheist, aber toleriere ich andere nach dem Motto von Gandhi: tolerance for other faith imparts us a truer anderstanding of our own. Religion is a tree of many branches you may say, but as tree Religion is only one.
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    2. Antwort von Tamer Aboalenin, Bern
      @Straub, Die MB haben nichts mit Angriffe auf Kirchen zu tun, das hat HRW in ihrem jüngsten Bericht bestätigt @Janoough: unter die MB haben Juden und Christen zum 1. Mal in der Geschichte Ägyptens einen Verfassung Artikel, die Ihre Recht ganz und umfassend respektiert ohne Einmischung vom Staat (Art.4).
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    3. Antwort von Munir Sulejmani, Grenchen
      Herr Tamer, Von welchen Juden in Ägypten sprechen Sie? Wikipedia: "1968 mussten fast alle ägyptische Juden auswandern oder ins Ausland flüchten." Dass der Islam Judenfeindlich ist und das die MB eine islamische Partei sind verträgt sich schlecht mit der von Ihnen suggerierten Judenfreundlichkeit. Haben Sie schon vergessen, dass Morsi die Juden als Nachkommen von "Affen und Schweinen" bezeichnet hat? Er ist ein Antisemit.
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    4. Antwort von christian strahm, aarau
      Herr Sulejmani Ich hab es nicht vergessen, ich höre es zum ersten Mal. Schon Sayyid Qutb soll sich antisemitisch geäussert haben (ohne Affen und Schweine), wie Wikipedia schreibt. Allerdings hat die Autorin oder der Autor jenes Artikels es unterlassen, die Quelle ihrer oder seiner Behauptung nachprüfbar zu belegen, wie Sie auch. Seien Sie so freundlich und vergessen Sie es das nächste Mal nicht. Mit Anstand gegen eine Besatzungsmacht anzuschreiben ist noch kein Antisemitismus.
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