Ebola-Virus: Keine Tröpfcheninfektion wie bei der Grippe

In den letzten Tagen wurden einige Verdachtsfälle aus Europa gemeldet, aus Spanien und Deutschland. Die Furcht ist gross, dass sich die Krankheit weiter verbreiten und zur weltweiten Pandemie werden könnte, etwa durch eine Mutation des Virus. Sind diese Befürchtungen berechtigt?

Blaue Schutzanzüge gegen Ebola

Bildlegende: Arbeitskleider für die Ebola-Quarantäne-Station in einem Spital in Berlin. Reuters/Archiv

Ebola ist eine grausame Krankheit. Sie löst hohes Fieber aus, Durchfall, innere und äussere Blutungen und das Risiko zu sterben, ist hoch. Dazu kommt, dass es keine getesteten Medikamente und Impfungen gegen Ebola gibt.

Das Ebola-Virus ist hochgefährlich. Doch es ist bei weitem nicht so ansteckend wie viele andere Viren. Jonas Schmidt-Chanasit, der Leiter Virusdiagnostik vom Hamburger Bernhard Nocht-Institut für Tropenmedizin: «Zu Ebola-Infektionen kommt es bei engem Kontakt, bei Kontakt mit den Ausscheidungen.»

Nur wer mit den Ausscheidungen von Ebola-Kranken in Berührung kommt, mit Speichel, Blut, Sperma und Exkrementen, kann sich anstecken, sagen Fachleute.

Schweine steckten Affen an – ohne Berührung

Allerdings haben Forscher in letzter Zeit auch schon anderes gezeigt. So hat ein kanadisches Team nachgewiesen, dass mit Ebola infizierte Schweine gesunde Affen erfolgreich anstecken können, und zwar ganz ohne Berührung.

Die Affen und Schweine waren in Gehegen, getrennt durch einen Abstand von 15 Zentimeter. Trotz dieses Abstands steckten sich alle Affen mit Ebola an, offensichtlich über Tröpfchen in der Luft.

Könnte Ebola also doch die Fähigkeit haben, sich wie zum Beispiel Grippeviren über die Luft zu verbreiten? Nein, findet Virologe Jonas Schmidt-Schanasit. Der Luftweg zur Übertragung sei ausgeschlossen: «Wenn es ein Hauptübertragungsweg wäre, hätten wir eine ganz andere Epidemiologie in Westafrika.»

Dann nämlich müsste sich Ebola viel schneller ausbreiten, so leicht wie das beispielsweise Grippe-Viren können. Viel mehr als gut 2000 Menschen wären in diesem Fall infiziert worden, zumal von Ebola dieses Jahr auch Millionenstädte betroffen sind.

Ganz abgesehen davon sei in der kanadischen Studie der Abstand zwischen den Käfigen in der viel zu klein, um von Ansteckung über die Luft zu reden, sagt Schmidt-Schanasit. «15 Zentimeter Abstand, da kann man sich auch anspucken. Das ist für mich noch keine Übertragung über die Luft im klassischen Sinne wie bei der Grippe.» Bei der Grippe können die Erreger längere Zeit in der Luft umherfliegen.

Ebola-Viren können nicht schweben

Die hochansteckenden Grippeviren schaffen es, in ganz kleinen Tröpfchen in der Luft zu schweben und so viele Personen in einem Raum anzustecken. Ebola-Viren aber müssen durch Niesen oder Husten etwa transportiert werden. Schweben können sie nicht.

Das dürfte sich so schnell auch nicht ändern. Das Ebola-Virus kann seine Eigenschaften nämlich nicht so leicht durch Mutationen verändern wie das etwa ein Grippe-Virus kann. Der Hamburger Ebola-Experte sagt zwar: «Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass auch das Ebola-Virus als Mutation auftreten könnte.» Aber auf eine solche Mutation zu einer verbreitungsfreudigeren Form gebe es bei Ebola derzeit keine Hinweise. Es sieht demnach nicht danach aus, dass Ebola sich plötzlich zu einer weltweiten Pandemie ausbreiten könnte.

Die grosse Herausforderung ist und bleibt eine andere: Um die Krankheit in Griff zu bekommen, muss man die Kranken identifizieren und Direktkontakte zwischen Angesteckten und Gesunden vermeiden. Und man muss solche Massnahmen der Bevölkerung in den betroffenen Ländern überzeugend vermitteln können.