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International Eine Völkerwanderung auf dem Weg durch Serbien

Für Hunderttausende von Menschen ist es der Albtraum schlechthin. Die Flucht aus der eigenen Heimat. Nun werden die nicht abreissenden Flüchtlingsströme aus Afrika, Asien und dem Nahen Osten langsam zu einem Fiasko für Europa. Allein am Wochenende strandeten 7000 Flüchtlinge in Serbien.

Legende: Video Serbien bittet Brüssel um Flüchtlingshilfe abspielen. Laufzeit 5:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.08.2015.

Auch zum Wochenbeginn reisst der Flüchtlingsstrom an Europas Südgrenzen nicht ab. Tausende Flüchtlinge sind nach wie vor auf der «Balkan-Route» nach Mittel- und Nordeuropa unterwegs. Nach Schätzungen des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) hatten am Wochenende mehr als 7000 Menschen Serbien erreicht, wo sie versuchten, mit Bussen und Zügen weiter nach Ungarn zu fahren.

Eine Menschenmenge von Flüchtenden an der Grenze zwischen Mazedonien und Serbien. Ein kleines Mädchen sitzt auf den Schultern eines zerknirscht dreinschauenden Mannes und weint.
Legende: Wie sich diese flüchtenden Menschen gerade fühlen, geht in der allgemeinen Überforderung wohl unter. Reuters

Grösster Flüchtlingsstrom im Balkan

Entsprechend gedrängt blieb die Situation auch am serbisch-mazedonischen Grenzübergang Miratovac. Hunderte von Flüchtlingen waren unterwegs, die zu Fuss in die serbische Stadt Presevo zogen, wo sie medizinisch versorgt und mit Papieren für die Weiterreise ausgestattet wurden.

Männer trugen Kinder auf den Schultern, die meisten Menschen hatten nur Rucksäcke dabei. Der Flüchtlingstreck auf dem Balkan ist der grösste seit dem Zusammenbruch Jugoslawiens in den 90er-Jahren.

Legende: Video SRF-Sonderkorrespondent Rathgeb zur aktuellen Lage in Mazedonien abspielen. Laufzeit 2:32 Minuten.
Aus News-Clip vom 24.08.2015.

Allerdings habe sich die Lage in Miratovac bedeutend entschärft, berichtet SRF-Sonderkorrespondent Stephan Rathgeb. Noch am Wochenende waren an gleicher Stelle menschen-unwürdige Szenen zu beobachten. «Heute konnten etwa 600 Flüchtlinge jeweils in Gruppen an 50 Leuten überqueren.»

Der österreichische Aussenminister Sebastian Kurz war heute vor Ort und hat Kooperationen angeboten. Mazedonien wünsche sich aber eine endgültige Lösung – auch wenn das Land nicht EU-Mitglied ist, so Rathgeb. Mazedonien habe die Lage in den letzten Tagen auch darum eskalieren lassen, weil es gegenüber Brüssel ein Zeichen setzen wollte.

Mazedonien hat als kleines Land den Finger auf einen wunden Punkt der EU-Flüchtlingspolitik gelegt.
Autor: Stephan RathgebSRF-Sonderkorrespondent

Hier gebe es kein Verständnis, warum ein so kleines Land täglich tausende Menschen durchschleusen soll. Es könne nicht sein, dass mit Griechenland ein EU-Staat das kleine Mazedonien benutze, die Flüchtlinge in anderen EU-Ländern unterzubringen – so die Sicht Mazedoniens laut Rathgeb. «Damit hat ein kleines Land natürlich auch den Finger auf einen wunden Punkt der EU-Flüchtlingspolitik gelegt.»

Die einen schieben ab, die anderen bauen Zäune

An der Grenze des EU-Mitgliedlandes Ungarn könnte sich die Lage zuspitzen. Dort arbeiten die Behörden an der Fertigstellung eines Stacheldrahtzauns zu Serbien von 175 Kilometer Länge. «Die Westbalkan-Länder werden überrannt und sich selbst überlassen», kritisierte der österreichische Aussenminister Sebastian Kurz im Gespräch mit der österreichischen Nachrichtenagentur APA: «Wir müssen ihnen helfen.»

Allein im Juli waren etwa 50'000 Flüchtlinge aus der Türkei per Boot nach Griechenland gelangt. In den vergangenen zwei Wochen schafften es 23'000 bis nach Serbien.

Die Behörden sind mit dem Ansturm völlig überfordert. Das UNHCR fordert nun Mazedonien und Griechenland auf, mehr zur Bewältigung der Krise an der gemeinsamen Grenze zu tun.

Die UNO-Organisation rät der Regierung in Athen, ein Sondergremium zu schaffen, das alle Aktivitäten zur Aufnahme und Unterstützung der Flüchtlinge koordiniert. «Europäische Staaten sollten Griechenland dabei unterstützen», fordert das UNHCR. Derweil gibt der serbische Präsident den Ball an die europäischen Partner zurück.

Keine wirkliche Solidarität

Regierungschef Aleksandar Vucic kritisiert die EU und fordert mehr Unterstützung für Serbien als Transitland. Gleichzeitig will die serbische Regierung unbedingt vermeiden, dass die Menschen in grösseren Unterkünften in Serbien bleiben und lässt die Menschen mehr oder weniger unbehelligt durchziehen.

Aufnahmezentren ausserhalb der EU lehnen die serbische Regierung sowie viele Bürgermeister strikt ab. Dessen ungeachtet nimmt die Tragödie auch an den Schauplätzen im Mittelmeerraum ungebremst ihren Lauf.

Auf dem Mittelmeer geht das Sterben weiter

Allein an diesem Wochenende sind im Mittelmeerraum erneut Dutzende Flüchtlinge ums Leben kommen. Die italienische Küstenwache erhöhte am Sonntag die Zahl der Toten, die am Vortag auf einem überfüllten Fischerboot geborgen wurden, auf 49.

Die Menschen erstickten vermutlich unter Deck, als Wasser in den Laderaum eindrang und giftige Dämpfe aufstiegen.

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116 Kommentare

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  • Kommentar von jc heusser, erstfeld
    Da wird wieder einmal deutlich was "Glaube und Irrglaube" so alles anrichten kann! Religion ist eine "Geissel der Menschheit"!
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    1. Antwort von G. Niedermann, Zürich
      Da muss man sich doch fragen, warum kämpfen die jungen Syrer nicht gegen die IS und verteidigen so ihr Land gegenüber diesem Aggressor?
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Habe ich mich auch schon gefragt. Weshalb tun sich alle diese Männer nicht zusammen & kämpfen gemeinsam gegen den Terror in ihrer Heimat? Unterstützung würden sie ja sicher erhalten, denn der IS ist ja nicht nur eine Bedrohung in ihrem Land.
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  • Kommentar von Werner Christmann, Stein am Rhein
    Ich mag sie nicht mehr hören, all die geistigen Landesverräter, die jedem illegalen Einwanderer unter dem Status "Flüchtling" ein Leben in Saus und Braus (gemessen an den Verhältnissen seines Herkunftslandes) ermöglichen wollen, derweil die Anzahl der working-poor Schweizer infolge dessen und der Masseneinwanderung aus der EU stetig am Steigen ist.
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    1. Antwort von A Zuckermann, Bern
      Und ich mag sie nicht mehr hören Hr. Christmann. Die Workingpoors steigen weil die Wirtschaft gegen denn Lohnschutz kämpft. Die Mieten steigen durch spekulationen. Aber in ihrem Kopf sind immer die Asylsuchenden schuld...sie machen es sich sehr einfach.
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    2. Antwort von Linda Widmer, Bern
      @Werner Christmann: Wenn sich die Flüchtlinge nur halb so egoistisch verhalten würden wie Sie, Herr Christmann, dann sähe Europa schon seit Jahren anders aus. Man kann nicht erwarten, dass sich ein Teil der Weltbevölkerung konstant ausnehmen lässt und zuschaut, wie andere in Saus uns Braus (natürlich "gemessen an den Verhältnissen seines Herkunftslandes") leben.
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  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen, Amlapura
    Was wir hier sehen - Gaddafi hat es vorausgesagt! - ist das Resultat der jahrelang geführten perversen Aussenpolitik der USA, welcher die EU getreu und selbstlos hinterher zottelt. Bravo, Amerika! Soll gemäss Masterplan erfüllt! Bald darfst du uns von Bürgerkriegen befreien, die Herrschaft übernehmen und hernach von Europa aus gegen Russland in die Schlacht ziehen. Wir sollten uns solidarisieren mit den Vertriebenen und uns gemeinsam gegen diesen teuflischen Plan erheben!
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    1. Antwort von Maria Fechter, Zürich
      Ach, das ganze Syriendesaster war alles von den USA inszeniert und geplant? Da können sich die USA aber sehr glücklich schätzen, dass die Russen mit ihren im UN-Sicherheitsrat eingelegten Vetos mal für mal den USA in die Hände spielten. Ich habe bislang immer gedacht, dieser Bürgerkrieg hätte etwas mit der religiösen und ethnischen Heterogenität der Syrer zu tun und dem verständlichen Bestreben, sich aus der Position jahrelanger Unterdrückung durch das Assad-Regime befreien zu wollen...
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