Zum Inhalt springen

International Griechenland holt Tausende Ex-Beamte zurück in den Dienst

Griechenlands neuer Regierungschef Alexis Tsipras kündigt einen tiefgreifenden Wandel an. Seine Regierung werde die Klientel-Wirtschaft beenden. Einen «zerstörerischen Zusammenstoss» mit den internationalen Geldgebern indes werde es nicht geben.

Legende: Video Keine «Politik der Unterwerfung» abspielen. Laufzeit 1:12 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 28.01.2015.

Griechenlands neue Regierung sitzt erstmals nach den Wahlen vom Sonntag zusammen. Regierungschef Alexis Tsipras kündigt dabei einen tiefgehenden Wandel in seinem Land an. Folgende Massnahmen sind vorgesehen:

  • Wiedereinstellung tausender Staatsbediensteter
  • Mindestlohn in der Privatwirtschaft wird angehoben
  • Ruheständler mit weniger als 700 Euro im Monat erhalten eine 13. Monatsrente
  • Privatisierungen werden rückgängig gemacht
  • Mit der EU wird eine Schulden-Erleichterung ausgehandelt
  • Die Vetternwirtschaft soll verschwinden

Das neue Kabinett unter dem linken Alexis Tsipras plant, tausende entlassene Staatsbedienstete wieder einzustellen. Allein im Jahr 2014 waren 9500 im Zuge der Sparmassnahmen entlassen worden.

Zudem werden mehrere Sparmassnahmen der Vorgänger-Regierung aufgehoben. Der Mindestlohn in der Privatwirtschaft wird von 586 auf 751 Euro angehobe. Ruheständler mit weniger als 700 Euro im Monat erhalten wieder eine 13. Monatsrente, das so genannte Weihnachtsgeld.

Zwischen Patriotismus und Verhandlungstisch

«Wir sind eine Regierung der nationalen Rettung», sagte Tsipras. Und bekräftigte sein Ziel, mit den internationalen Geldgebern eine Schuldenerleichterung auszuhandeln. Tsipras betonte dabei, dass es nicht zu einem «zerstörerischen Zusammenstoss» kommen werde. Aber gleichzeitig mahnte er: «Wir werden die Politik der Unterwerfung nicht fortsetzen.»

Bereits für Freitag ist ein Gespräch mit dem Eurogruppen Chef Jeroen Dijsselbloem geplant. Dieses werde «produktiv» sein, versprach Tsipras.

Als eine ihrer ersten Amtshandlungen hatte die neue griechische Regierung angekündigt, Privatisierungen zu stoppen. Dies obwohl der Verkauf von Unternehmen an Private Teil der Reform-Vereinbarungen mit den internationalen Geldgebern ist.

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck abspielen. Laufzeit 1:12 Minuten.
Aus News-Clip vom 28.01.2015.

«Tsipras verscherzt Sympathien»

Tsipras drohe mit dem harten Kurs gegenüber der EU die politische Isolation in Brüssel, sagt SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck. Zwar werde die Kritik noch nicht offiziell geäussert, hinter den Kulissen brodle es aber. «Damit verscherzt er sich die Sympathien der anderen linken Regierungschefs in der EU, die eigentlich seine Verbündeten sein sollten.»

Doch auch der neue Regierungschef Griechenlands könne durch eine konsequente Verweigerungshaltung in der konsensbasierten EU einiges blockieren. «Sie können sich also gegenseitig das Leben sehr schwer machen», sagt Ramspeck.

Die Finanzmärkte des Landes sind angesichts der Ankündigungen der neuen Regierung regelrecht abgestürzt. Sowohl Aktien als auch Kurse von Staatsanleihen erlitten starke Verluste. Der Börsen-Leitindex ASE brach zeitweise um 7,42 Prozent auf 725,20 Punkte ein. Der griechische Bankenindex ist sogar um knapp 25 Prozent abgestürzt.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

25 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Nun, eigenartig ist, dass Studien div. Uni aussagen, dass das Schuldenmachen unsere Systeme zusammenhält bis eines Tages diese Schulden nicht mehr anerkannt werden und zu Insolvenzen führt, dann fällt das System in sich zusammen, weil der eine mit dem Anderen verbunden ist. Griecheland könnrte ein solchert Auslöser sein, der die Schulden mit einerm Staatsbankrott negiert und sich so eine neue Perspektive schafft. Aber auch da ist sicher Putin schuld.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Tsipras nimmt viel Risiko, wenn er die Arbeitslosen wieder einstellt bekommt aber eine Leistug gegen Lohn was sonst nicht der Fall ist, aber noch wichtiger ist die Motivation der Leute und die Aufbruchstimmung imn GR. Verweigert die EU den Schuldenschnitt, so kann er mit einem geordneten Staaatsbankrott und einer eigenen Währung das Land voranbringen, der Leidtragende ist die EU und die Banken die in GR wahrscheinlich pleite gehen würden. Das Modell ist Zypern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Pankraz Mai, SG
    Ausgerechnet den Beamtenstaat aufblähen; der griechische Schlamassel beginnt neu.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Ursula Schüpbach, Biel/Bienne
      "...Beamtenstaat aufblähen..." Willkommen ich China, was der Hafen Piräus betrifft.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen