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International Hilfsgüter erreichen den Jemen nur stockend

Das Internationale Rote Kreuz hat Schwierigkeiten, Medikamente in die umkämpften Gebiete im Jemen zu bringen. Nach langer Blockade konnte eine erste Hilfslieferung nach Aden gebracht werden. Derweil geht das Blutvergiessen weiter. Erneut sind über 50 Menschen getötet worden.

Menschen halten Maschinengewehre in die Höhe
Legende: Die aufgeheizte Stimmung zwischen den Konfliktparteien erschwert dem IKRK die Lieferung von Hilfsgütern in den Jemen. Reuters

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) klagt über «logistische Probleme» bei der Lieferung von Hilfsgütern für die notleidende Bevölkerung im Jemen.

Legende: Video Bürgerkrieg tobt im Jemen abspielen. Laufzeit 1:35 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.04.2015.

Es gebe zwar die erforderlichen Genehmigungen, um per Frachtflugzeug medizinische Hilfe einzufliegen, doch hätten Flugzeuge zunehmend Schwierigkeiten, auf dem Flughafen der Hauptstadt Sanaa zu landen, sagte die IKRK-Sprecherin Sitara Jabeen in Genf. Sie bemühten sich, diese logistischen Probleme schnellstmöglich zu lösen, versicherte sie.

Hilfsgüter nach Aden geliefert

Derweil ist es dem IKRK in der südjemenitischen Stadt Aden erstmals seit Ausbruch der Kämpfe gelungen, dringend benötigte medizinische Hilfsgüter in örtliche Spitäler zu bringen. Die Lieferung war bisher von den Kampfparteien blockiert worden.

Das teilte der Leiter der IKRK-Operationen in Nahost, Robert Mardini, mit. «Aden ist eine Geisterstadt», schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter. «Die Einwohner sind nirgendwo zu sehen und das Ausmass der Zerstörung der Stadt wird immer offensichtlicher.»

Präsident floh nach Saudi-Arabien

Im Jemen gibt es seit Wochen heftige Kämpfe zwischen den schiitischen Huthi-Rebellen und verbündeten Armeeeinheiten sowie den Truppen und Milizen von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi, der im Februar aus der Hauptstadt Sanaa nach Aden fliehen musste.

Als die Huthi-Rebellen Mitte März auf die südliche Hafenstadt vorrückten, floh Hadi weiter nach Saudi-Arabien und bat Saudi-Arabien um militärische Unterstützung. Das Königreich und verbündete arabische Staaten begannen daraufhin, Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen zu fliegen. Dabei werden auch immer wieder Zivilisten getötet. Insgesamt bezahlten über 500 Menschen die jüngste Offensive mit ihrem Leben.

Landkarte vom Jemen
Legende: Aktuell konzentrieren sich die Kämpfe auf die Hafenstadt Aden. SRF

Aden als Zentrum der Gefechte

Zentrum der Kämpfe ist die Hafenstadt Aden, wo es erneut zu Gefechten zwischen den Huthi-Rebellen und Unterstützern des geflohenen Präsidenten Hadi gekommen ist.

In den Vororten seien Explosionen zu hören, berichteten Einwohner. Ein ausländisches Kriegsschiff habe Huthi-Positionen beschossen. Seit mehreren Tagen toben Strassenkämpfe in der letzten Machtbastion Hadis. Bei den jüngsten Kämpfen sind nach Angaben von Ärzten und Militärs mindestens 53 Personen ums Leben gekommen. Darunter auch 17 Zivilisten.

Auch die seit zwölf Tagen andauernden Luftangriffe der Koalition sunnitischer Staaten hat das Vorrücken der vom Iran unterstützten Schiiten-Miliz nicht stoppen können.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Wenn es nach dem militärischen Eingreifen durch KSA keine Lösung am Verhandlungstisch gibt, wird sich, ausser dem Rollentausch von Unterdrückten und Unterdrückern, nichts ändern. Dass KSA aus einer Position militärischer Überlegenheit den besonnenen Weg der Diplomatie geht, um die Region zu stabilisieren, ist unwahrscheinlich. Man wird jetzt an den Huthi ein Exempel statuieren, als Zeichen der Warnung an den Iran.
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Bei den Herrschern im arabischen Raum gelten die gleichen Gesetze wie überall bei Eliten und Mächtigen: 1. kommen die eigenen "Familien"; 2. die wichtigen Geschäftspartner (national und international); 3. mit grossem Abstand das eigene Volk; 4. weit hinten fremde Völker (Sklaven). Der Westen kann das nur eleganter verpacken, so das die Völker freiwillig helfen, ihren Reichtum vermehren. Da "können" die Araber noch dazulernen. Marketing ist alles, hat aber nichts mit Güte oder Fürsorge zu tun.
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  • Kommentar von Christa wüstnet, Reinach
    Die Ratsmitgliedern brauchen noch Zeit, den russischen Vorschlag zu bedenken. Dabei wussten Sie, dass das Rote Kreuz heute Montag zwei Hilfsflüge durchführen konnte. Jetzt scheitert die sofortige Hilfe daran. Langsam fehlen die Worte, man ist nur noch entsetzt.
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    1. Antwort von Christa Wüstner, Reinach
      Und heute haben lt. Medien die Hilfskonvois Aden erreicht. Auch ohne Unterstützung des UNO-Sicherheitsrates.
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