Jemen, ein Staat am Abgrund?

Der Konflikt im Jemen hat sich durch die von Saudi Arabien angeführten Luftangriffe stark ausgeweitet. An der militärischen Intervention auf die schiitischen Huthi-Rebellen ist eine Nahost-weite Allianz beteiligt. Der Präsident Jemens ist untergetaucht.

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«Jemen hat strategische Bedeutung»

2:28 min, aus Tagesschau vom 26.3.2015

Das Wichtigste in Kürze:

  • Jemens Präsident ist untergetaucht
  • Jemens Regierung forderte Hilfe aus dem Ausland an
  • Saudi-Arabien bombardiert Huthi-Stellungen
  • Huthi-Rebellen bezeichnen Luftangriffe als Kriegserklärung

Die schiitschen Huthi-Rebellen sind am Mittwoch bis in die südliche Hafenstadt Aden vorgedrungen. Aden war der letzte Fluchtort von Präsident Abed Rabbo Manur Hadi. Dieser ist seit Mittwochabend untergetaucht. Zuvor forderte er dringende Unterstützung durch eine internationale Militärintervention an. Dieser Bitte kamen mehrere Staaten des Nahen Ostens unter Anführung Saudi-Arabiens nach. In der Nacht auf Donnerstag bombardierten Kampfjets Huthi-Stellungen in der Hauptstadt Sanaa und an anderen Orten.

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Angriff Saudi-Arabiens auf Huthi-Rebellen

1:41 min, aus Tagesschau am Mittag vom 26.3.2015

Der «Sturm der Entschlossenheit»

«Wir wollen mit allen Mitteln die rechtmässige Regierung des Jemen schützen und verteidigen», teilte Saudi-Arabiens Führung als Grund für die Militäroperation «Sturm der Entschlossenheit» mit. Laut dem arabischen Fernsehsender Al-Arabija sollen die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Katar, Bahrain sowie Jordanien, Marokko und der Sudan weitere Kampfjets entsandt haben. Auch Ägypten erklärte sich bereit, sich am Angriff auf die Huthi-Rebellen zu beteiligen.

Sorge der EU, Appell durchs IKRK

Die Aussenbeauftrage der Europäischen Union, Federica Mogherini, äusserte ihr Besorgnis über die Luftangriffe. Die Angriffe hätten die ohnehin fragile Situation im Jemen massiv verschlechtert. Das Internationale Komitee des Roten Kreuz (IKRK) richtete einen Appell an die von Saudi-Arabien angeführte Koalition: Die zivile Bevölkerung und medizinische Versorgung seien unbedingt zu schützen.

 Autowracks in einem Quartier der Hautpstadt Sanaa, Zuschauer im Hintergrund.

Bildlegende: Nach den Angriffen wird das Ausmass der Zerstörung sichtbar. Im Bild: Autowracks in einem Quartier der Hauptstadt Sanaa. Reuters

Mehrere Tote und Verletze

Das von den Huthis kontrollierte Gesundheitsministerium in Sanaa teilte mit, bei den Bombardierungen seien in der Hauptstadt 25 Zivilisten getötet und 40 verletzt worden.

Die Angriffe hätten Wohngebiete in der Nähe des Flughafens getroffen. Ein Journalist der «Jemen Post» sagte dem Sender Al-Dschasira, Bomben seien überall in Sanaa gefallen. Die Menschen hätten panisch reagiert.

Unmut in Teheran

Ein Sprecher der Huthis bezeichnete die Luftschläge als Kriegserklärung. Damit könne sich der Konflikt im Jemen zu einem Regionalkrieg auswachsen, warnte er laut Al-Dschasira. Die Partei von Ex-Präsident Salih sprach von einer «Aggression gegen den Jemen».

Auch der Iran verurteilte das militärische Eingreifen. «Diese Angriffe sind nicht nur eine Verletzung der territorialen Integrität des Jemens, sondern auch eine sehr gefährliche Entwicklung», erklärte eine Sprecherin des iranischen Aussenministeriums.

Der schiitische Iran hat sich in dem Konflikt bisher offiziell neutral gezeigt, soll aber die schiitischen Huthis unterstützen. Das Verhältnis zwischen Teheran und Saudi-Arabien ist angespannt. Riad will einen grösseren Einfluss Teherans auf die Region verhindern.

Die Koalition

Laut Al-Arabija beteiligen sich die Vereinigten Arabischen Emirate mit 30
Flugzeugen, Kuwait und Bahrain mit jeweils 15 und Katar mit zehn Maschinen an
dem Einsatz. Saud-Arabien hat nach eigenen Angaben 150'000 Soldaten mobilisiert. Jordanien, Marokko und der Sudan hätten jeweils sechs Kampfjets
entsandt. Laut Aussagen des ägyptischen Aussenministers, Samih Schukri, unterstützt auch Ägypten den Einsatz im Jemen politisch und militärisch.

Die USA gewähren Saudi-Arabien und seinen Verbündeten logistische und
geheimdienstliche Unterstützung. US-Truppen seien aber nicht direkt in die
Militäroperation involviert, sagte eine Sprecherin des Nationalen
Sicherheitsrates in Washington.