In Nigeria liegt der Herausforderer vorn

Nach einer Teilauszählung in Nigeria liegt der amtierende Präsident Goodluck Jonathan hinter seinem Herausforderer Muhammadu Buhari zurück. Noch sind allerdings mehrere Bundesstaaten nicht ausgezählt.

Wahlhelfer befinden sich in einem Gebäude. Auf einem grossen Bildschirm werden die Wahlergebnisse aktualisiert.

Bildlegende: Wahlhelfer warten auf die Ergebnisse: Die Hochrechnungen lassen einen knappen Wahlausgang vermuten. Keystone

Nach der Präsidentenwahl in Nigeria liegt der muslimische Oppositionskandidat Muhammadu Buhari bei der Stimmenauszählung in Führung.

Der frühere Militärdiktator gewann ersten Ergebnissen zufolge bei der Wahl in Afrikas bevölkerungsreichstem Land rund zwei Millionen Stimmen mehr als der christliche Amtsinhaber Goodluck Jonathan.

Buhari sicherte sich 8,5 Millionen Stimmen und gewann zehn der 36 Bundesstaaten des ölreichen Landes, Jonathan hingegen kam nur auf acht Bundesstaaten und 6,5 Millionen Stimmen, wie die staatliche Wahlkommission mitteilte. Buhari gewann demnach zehn der ausgezählten Bundesstaaten, Jonathan nur sechs, wie die staatliche Wahlkommission mitteilte.

Vor allem im wichtigen nördlichen Bundesstaat Kano erzielte Buhari eine deutliche Mehrheit. Sein Triumph im muslimisch geprägten Bundesstaat war erwartet worden.

Video «Gewalt am Wahltag» abspielen

Gewalt am Wahltag

2:40 min, aus Tagesschau vom 28.3.2015

Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet

Kano leidet besonders stark unter den Angriffen der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. Kritiker von Jonathan hatten dem Präsidenten immer wieder vorgeworfen, den Aufstand der Gruppierung nicht in den Griff zu bekommen.

Beobachter rechnen mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Sollte der 72 Jahre alte frühere Militärdiktator Buhari den 57 Jahre alten Jonathan ablösen, wäre es der erste Wahlsieg der Opposition seit der Rückkehr des westafrikanischen Landes zur Demokratie im Jahr 1999.

Rund 70 Millionen Wahlberechtigte waren am Samstag zur Abstimmung aufgerufen. Die Wahl verlief nach Ansicht von Beobachtern im Grossen und Ganzen ordnungsgemäss, es wurde jedoch vor möglichen Manipulationen bei der Auszählung gewarnt. Der Gewinner muss neben einer absoluten Stimmenmehrheit auch mindestens 25 Prozent der Stimmen in zwei Dritteln der Bundesstaaten gewinnen.

Nigeria - die wichtigsten Informationen

Nigeria - die wichtigsten Informationen
Menschen
Mehr als 170 Millionen Einwohner, rund 250 ethnische Gruppen: Der Süden ist mehrheitlich christlich, der Norden mehrheitlich muslimisch. Daneben gibt es verschiedene Naturreligionen.
SpracheEnglisch ist die offizielle Hauptsprache. Es werden mehr als 500 lokale Sprachen und Dialekte gesprochen. Die verbreitetsten Sprachgruppen sind Yoruba, Hausa und Igbo.
WirtschaftNigeria ist Afrikas grösste Wirtschaft. Erdöl ist die Haupteinnahmequelle des Landes und trägt zu rund 80 Prozent des Staatsbudgets bei. Korruption ist weit verbreitet: Deswegen leben geschätzte 70 Prozent der Bevölkerung von weniger als zwei US-Dollar pro Tag. Das Land ist beliebt für ausländische Investitionen.
GeschichteNigeria erlangte 1960 seine Unabhängigkeit von Grossbritannien. 1967 versuchte sich der ölreiche Osten des Landes in einem 30-monatigen Bürgerkrieg vom Rest des Landes abzuspalten; der Krieg forderte rund eine Million Menschenleben. Der Friede und ein Ölboom brachte in den 70ern Milliarden ein, doch die Korruption hat den Wohlstand und die Entwicklung untergraben. Nach Jahrzehnten voller Putsche, Coups und Militärdiktaturen wurde Nigeria 1999 eine Demokratie – aufgebaut als föderale Republik nach US-Vorbild. 

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Nigerias Präsident Goodluck Jonathan (L) und der ehemalige Militärmachthaber Muhammadu Buhari kandidieren für das Präsidialamt.

    Erstmals echte Präsidentschafts-Wahl in Nigeria

    Aus Echo der Zeit vom 26.3.2015

    In Nigeria wird am Samstag entschieden, wer künftig das Land regiert. Es ist der zweite Anlauf, denn aus Furcht vor Anschlägen der Terrormiliz Boko Haram wurde die Wahl zuletzt verschoben. Seither scheint sich die Lage verbessert zu haben.

    Patrik Wülser