McCain: «Bald wird der IS direkt die USA bedrohen»

Präsident Barack Obama hat letzte Woche mit der Aussage überrascht, dass er noch keine Strategie habe, wie die USA die Terror-Organisation IS bekämpfen wollten. Über die Parteigrenzen hinweg wächst die Sorge, dass Obama möglicherweise zu zögerlich vorgeht.

Da sind die Säbelrassler wie John McCain, der republikanische Senator aus Arizona. Er kann nicht verstehen, warum Präsident Barack Obama überhaupt noch zögert: «Die Terrororganisation Islamischer Staat muss vernichtet, nicht nur zurückgedrängt werden. Bald wird sie direkt die Vereinigten Staaten bedrohen», erklärte McCain gegenüber dem Fernsehsender CBS.


US-Präsident Obama in der Kritik

4:08 min, aus Echo der Zeit vom 01.09.2014

Militärisches Eingreifen sei auch in Syrien nötig, schreibt er zusammen mit Senator Lindsey Graham in der «New York Times». Nicht mit Fusssoldaten, aber – ähnlich wie im Irak – mit Luftangriffen und Spezialeinheiten und Beratern. Syriens Präsident Bashar al Assad müsse zudem weg, er sei kein verlässlicher Partner.

Auch Demokraten fordern schnelles Eingreifen

Andere Republikaner sehen das ähnlich. Auch sie fordern eine härtere Gangart gegen dem IS. Der Abgeordnete Peter King aus New York etwa meint: «Wie lange dauert das noch? Je länger wir warten, desto gefährlicher wird der IS für uns.»

Bild eines afroamerikanischen Mannes mit Bart

Bildlegende: Der Amerikaner Douglas McCain soll für den Islamischen Staat gekämpft haben. Er wurde in Syrien tot aufgefunden. Reuters

Gefährlich seien vor allem Terroristen mit amerikanischen Pässen, die ungehindert in die USA einreisen und dort Anschläge verüben könnten, sagt er. Demokraten befürchten ebenfalls, dass es zu neuen Terror-Anschlägen in den USA kommen könnte.

Senatorin Dianne Feinstein aus Kalifornien sagte gegenüber NBC: «Ich war schon im Geheimdienstausschuss des Senats vor 9/11. Noch nie gab es eine Terrorgruppe, die über so viel Geld, so elaborierte Waffen und eine derartige schnelle Handlungsgeschwindigkeit verfügt wie der IS.»

Genauso schnell, sehr schnell müssten die USA handeln. Sie habe gelernt, dass Präsident Obama sehr vorsichtig agiere, im Fall der IS vielleicht zu vorsichtig, sagte sie. Andere Demokraten scheuen derzeit ebenfalls davor zurück, Obama offen zu kritisieren. Doch es ist klar: Auch sie erwarten vom Präsidenten nun Taten.

Hilfe von moderaten Sunniten

Der Abgeordnete Adam Smith aus Washington formulierte es so: «Wir können nicht einfach losballern und erst danach die wichtigen Fragen stellen. Wir müssen die richtigen Ziele haben und die richtigen Partner, wenn wir den IS erfolgreich bekämpfen wollen», sagte er. Dazu gehöre, vor allem moderate Sunniten dazu zu bringen, gegen die brutalen Extremisten aufzustehen.

Diese Woche versuchen Aussenminister John Kerry und Verteidigungsminister Chuck Hagel genau das. Sie reisen nach Europa und in den Nahen Osten. Nur wenige Politiker in den USA sind so optimistisch wie der demokratische Abgeordnete Dutch Ruppersberger aus Maryland. Er rechnet bereits in einer Woche mit einem pfannenfertigen Anti-IS-Plan der Obama-Regierung.

Viele Informationen sind geheim, sagte er auf CNN. «Vergessen wir nicht: Man sagt dem Feind nicht im Vorfeld, dass man ihn angreift, und man richtet sich auch nicht nach den Medien, entscheidend ist allein das Ergebnis.»

Von ISIS zu IS

Dereinst nannte sich die Gruppe der selbst ernannten Gotteskrieger «Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS)». Mit einem zunehmend totalitäreren Anspruch änderte die Terrormiliz den Namen in «Islamischer Staat (IS)».