MSF: Ebola-Epidemie dauert noch mindestens sechs Monate

Die Ebola-Epidemie in Westafrika wird nach Ansicht der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) noch mindestens sechs Monate grassieren. Die Helfer könnten nicht mit der sich stetig verschlechternden Lage mithalten.

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WHO: Ebola-Ausmass dramatischer als angenommen

1:08 min, aus Tagesschau am Vorabend vom 15.8.2014

Die Ebola-Epidemie wird laut der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) noch mindestens sechs Monate andauern. «So etwas haben wir noch nie erlebt», sagte MSF-Präsidentin Joanne Liu nach einer zehntägigen Reise durch die Region.

Es brauche eine neue Strategie, denn die Ausbreitung der Krankheit beschränke sich nicht mehr nur auf einige Dörfer, sondern habe jetzt auch Liberias Hauptstadt Monrovia erfasst, eine Stadt mit 1,3 Millionen Einwohnern.

In der betroffenen Region – von Guinea, Sierra Leone bis Liberia – herrsche ein allgemeines Klima der Angst, vergleichbar mit der Atmosphäre während eines Krieges. Und Angst sei kein guter Ratgeber, sagte Liu vor den Medien.

«Infrastruktur versagt»

Die Leute misstrauten sogar den Gesundheitszentren, und MSF fehle es an Personal, um diejenigen Leute aufzuspüren, die mit den Infizierten Kontakt hatten. In Kailahun, einer Grenzstadt im Osten von Sierra Leone, zum Beipsiel müssten sie 2'000 Personen finden, aber ihnen stünden nur Mitarbeiter für die Suche von 250 zur
Verfügung.

«Die Infrastruktur versagt völlig», sagte Liu. Sie appellierte an die internationale Gemeinschaft, alle Mittel zur Bekämpfung der Epidemie zu mobilisieren. «Das muss sofort passieren, wenn wir die Epidemie eindämmen wollen. Und das Engagement muss auf mindestens sechs Monate ausgerichtet sein.»

WHO warnt

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht Anzeichen dafür, dass das Ausmass der Ebola-Epidemie in Westafrika «deutlich unterschätzt» wird. Mitarbeiter vor Ort hätten Hinweise darauf, dass die Zahl der gemeldeten Todesfälle und Erkrankten nicht die tatsächlichen Verhältnisse widerspiegle, hiess es in Genf.

Die WHO rechnet damit, dass sich die Epidemie in den kommenden Wochen weiter ausbreitet. Die Ebola-Seuche war vor einer Woche zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt worden.

Menschen mit Lebensmittel versorgen

WHO-Chefin Margaret Chan traf sich am Donnerstag mit mehreren UNO-Botschaftern, um über ein Nothilfeprogramm für die betroffenen Länder zu beraten. Zudem prüfen Hilfsorganisationen Möglichkeiten, die Menschen in den Krisengebieten besser mit Lebensmitteln zu versorgen, wie die Weltbank erklärte.

So könnten etwa die Hunger leidende Bevölkerung in Teilen Liberias und Sierra Leones, die zum Schutz vor einer Ausbreitung der Seuche abgesperrt wurden, mit Lebensmittel aus der Luft versorgt werden.

Bislang starben laut der Weltgesundheitsorganisation 1'069 Menschen an Ebola, die meisten davon in Sierra Leone, Liberia und Guinea. 1'975 weitere haben sich demnach mit dem Virus infiziert. Nigeria meldete am Donnerstag einen vierten Ebola-Toten.

Für Spiele gesperrt

Athleten aus Sierra Leone und Nigeria sind wegen der Ebola-Epidemie von einigen Wettbewerben der Olympischen Jugendspiele in Nanjing (China) ausgeschlossen worden. Die Spiele beginnen am Samstag. Von der Massnahme betroffen sind ein Schwimmer und zwei Kampfsportler. Liberia schickt keine Athleten nach China.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Warnung vor Ebola in Liberias Hauptstadt Monrovia. Gemäss WHO darf nun ein noch nicht an Menschen getestetes Medikament gegen die tödliche Viruserkrankung eingesetzt werden.

    Ethisch vertretbar - experimentelle Medikamente gegen Ebola

    Aus Echo der Zeit vom 12.8.2014

    In Westafrika sind bisher mehr als 1000 Menschen am tödlichen Ebola-Virus gestorben. Für die Weltgesundheitsorganisation WHO ist das Grund genug, den Einsatz von experimentellen, nicht getesteten Medikamenten zuzulassen. Das Ja der WHO ist allerdings eher eine Verzweiflungstat als eine Lösung.

    Veronika Meier und Thomas Häusler