Nigerianische Millionenstadt unter Beschuss von Boko Haram

Hunderte Kämpfer der radikal-islamischen Boko Haram haben die nigerianische Grossstadt Maiduguri angegriffen. Während für die 1,2 Millionen Einwohner die Ausgangssperre gilt, kämpft das Militär gegen das Vorrücken der Terroristen.

Karte von Nigeria

Bildlegende: In Maiduguri, der Hauptstadt des Bundesstaats Borno, gilt nach einem Angriff von Boko Haram die Ausgangssperre. SRF

Die islamistische Terrororganisation Boko Haram hat einen Angriff auf die Millionenstadt Maiduguri im Nordosten Nigerias gestartet.

Armee und Luftwaffe seien dabei, die Terroristen zurückzuschlagen, teilte das nigerianische Verteidigungsministerium via Twitter mit. Über Maiduguri, wo rund 1,2 Millionen Menschen leben, wurde «bis auf weiteres» eine Ausgangssperre verhängt.

Bewohner überlassen Strassen den Soldaten

Die nigerianische Zeitung «Premium Times» berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass die Grossstadt bereits seit Samstagabend von Hunderten Boko-Haram-Kämpfern unter Feuer genommen werde. Über der Stadt seien am Morgen Kampfflugzeuge und Helikopter des Militärs zu hören gewesen.

Nigerianische Soldaten

Bildlegende: Die Soldaten versuchen, die Stadt Maiduguri gegen die vorrückenden Terroristen zu verteidigen. Keystone/Archivbild

Ein Bewohner Maiduguris sagte, die Menschen blieben seit dem Morgengebet, als die Nachricht von dem Angriff bekannt wurde, alle in ihren Häusern. «Wir haben uns alle entschieden, drin zu bleiben», sagte er. «Das heisst, wir überlassen die Strassen den Soldaten.» Die meisten Geschäfte der Stadt blieben Medienberichten zufolge geschlossen. Über mögliche Opferzahlen gab es zunächst keinerlei Informationen.

«Monguno ist gefallen»

Gleichzeitig griffen die Islamisten Monguno an, das rund 65 Kilometer von der Fischerstadt Baga entfernt liegt, welche die Terroristen vor wenigen Wochen eingenommen haben. In Monguno herrschten Panik und Chaos. Zahlreiche Einwohner seien in Richtung Maiduguri geflohen und müssten nun unter Aufsicht der Armee vor den Toren der Stadt ausharren, berichtete Augenzeuge Benaye Ari.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen übernahmen die Extremisten schliesslich nach mehrstündigen Gefechten die Kontrolle über Monguno. «Monguno ist gefallen», sagte ein Sicherheitsbeamter. Boko Haram habe auch die Militärkasernen der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht.

Dorf vollständig niedergebrannt

Bei einem Boko-Haram-Angriff auf das Dorf Kambari nahe Maiduguri waren am Samstag mindestens 15 Menschen getötet worden. Laut Sicherheitskräften und Augenzeugen waren unter den Toten der Dorfvorsteher und mehrere Kinder. Der Ort ging demnach vollständig in Flammen auf.

Eine Einnahme Maiduguris, der wichtigsten Stadt im Nordosten des Landes, wäre ein Erfolg mit grosser Symbolkraft für die Terrorgruppe, die in der Region einen sogenannten Gottesstaat mit strenger Auslegung des islamischen Rechts gründen will. Im vergangenen Jahr war ein Angriff der Boko Haram auf Maiduguri gescheitert.

Jahrelanger Terror

Kämpfer der Boko Haram hatten vor wenigen Wochen die Kleinstadt Baga angegriffen und im Rahmen einer Grossoffensive in der Region hunderte Menschen getötet und zehntausende in die Flucht getrieben. Boko Haram, was sich sinngemäss mit «westliche Bildung ist Sünde» übersetzen lässt, terrorisiert seit Jahren den Nordosten Nigerias und angrenzende Gebiete.

Schätzungen zufolge sind dabei seit 2009 mehr als 15'000 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als eine Million Menschen sind vor den Kämpfen in andere Landesteile oder Nachbarländer geflohen.

Wahlen am 14. Februar

Für Sonntagabend ist in Lagos ein Treffen zwischen US-Aussenminister John Kerry und dem nigerianischen Präsident Goodluck Jonathan geplant. Dabei will Kerry auf eine möglichst gewaltfreie Präsidentenwahl am 14. Februar drängen. Ebenfalls treffen will Kerry Jonathans Herausforderer, den Ex-Militärmachthaber Muhammadu Buhari.