«Platini ist kein valabler Nachfolger»

Was steckt hinter dem Rücktritt Blatters? Sind es die angeblichen Ermittlungen gegen den Fifa-Chef in den USA? Wer folgt auf Blatter als Fifa-Präsident? SRF-Sportredaktor Ueli Reist mit möglichen Antworten.

Platini gibt Blatter die Hand, beide lachen.

Bildlegende: Platini (links) gratuliert Blatter nach dessen Wiederwahl – kurz zuvor hatte er sich noch gegen den Walliser gestellt. Keystone

SRF News: Was hat sich in den wenigen Tagen seit Joseph Blatters Wiederwahl getan, dass er nun seinen Rücktritt bekannt gegeben hat?

Ueli Reist: Sicher ist: Es hat sich etwas getan. Was genau, bleibt aber reine Spekulation. Die «New York Times» und der TV-Sender ABC melden, dass das FBI nun auch gegen Blatter ermittle, bestätigt ist dies allerdings nicht.

Sind bereits Nachfolger für Blatter als Fifa Präsident auszumachen?

Ein direkter Nachfolger ist nicht in Sicht. Blatter hat auch keinen aufgebaut – wohl, weil er nie jemanden neben sich haben wollte, der ihm dann gefährlich hätte werden können. Auch Blatters Gegnerin, also die Uefa, hat keinen valablen Kandidaten. Das hat die Präsidentenwahl am Fifa-Kongress letzte Woche in Zürich gezeigt.

Blatter will nun einen Nachfolger bis zum angekündigten ausserordentlichen Fifa-Kongress aufbauen?

Das hat er auf jeden Fall angekündigt. Wie glaubwürdig allerdings ein Kandidat ist, der von Blatter aufgebaut wird, bleibe dahin gestellt. Schliesslich musste Blatter ja nach sehr schweren Vorwürfen den Hut nehmen.

Ist denn Uefa-Präsident Michel Platini keine Option für den Nachfolger von Blatter?

Platini war früher einmal eine Option. Er war Blatters Ziehsohn – bis sich die beiden verkrachten. Ausserdem hat Platini ein Image-Problem: So hat er für die Vergabe der WM 2022 an Katar gestimmt. Auch hat die Uefa unter Platini gegen wichtige Fifa-Reformprojekte wie eine Alterslimite oder eine Amtszeitbeschränkung votiert. Wie der Fifa-Kongress am letzten Freitag gezeigt hat, geht Platini ausserdem jedes Charisma ab.

Wer auch immer Blatters Nachfolger wird: Für wie gross halten Sie die Chance, dass er die Fifa grundlegend reformieren kann?

Das wird auf jeden Fall enorm schwierig und braucht viel Zeit. In der Fifa sind derzeit 209 nationale Fussballverbände organisiert – auch solche von Klein- und Kleinststaaten. Allein schon wenn diese ihre Funktionäre wählen, kann man davon ausgehen, dass es nicht bei jeder Wahl rundum sauber zu und her geht. Andererseits ist ein kleiner Schritt bereits getan: Die nächste WM 2026 wird vom Fifa-Kongress selber vergeben. Alle 209 Fifa-Mitglieder stimmen also ab, nicht mehr bloss die 24 Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees. Da sind mögliche Bestechung und Korruption zumindest schon einmal etwas eingeschränkt.

Ueli Reist

Ueli Reist

Ueli Reist ist Sportredaktor bei Radio SRF und dort unter anderem zuständig für die Fifa.

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