Scala: Vom Pharma-Manager zum Aufräumer bei der Fifa

Die Weichen für einen Neubeginn bei der Fifa stellt ab sofort Domenico Scala. Der Chef der Kommission für Audit und Compliance war schon bisher bei der Fifa für die Bekämpfung der Korruption zuständig. Nun tritt der 50 Jahre alte Italiener aus der Schweiz ins Rampenlicht.

Scala steht vor einem Fifa-Emblem.

Bildlegende: Domenico Scala ist der Mann der Stunde bei der Fifa. Keystone

Domenico Scala verdankt sein Mandat bei der Fifa dem Basler Strafrechtsprofessor und Korruptions-Experten Mark Pieth. Pieth hatte Scala 2012 dem Weltfussballverband als Vorsitzender für die neue Audit- und Compliance-Kommission vermittelt. Er wurde oberster Kontrolleur der Fifa-Buchhaltung.

Fussball war aber schon vorher eine Leidenschaft des heute 50-jährigen Baselbieters mit italienischen Wurzeln. Der Zwei-Meter-Hüne spielte aber nicht in einem Verein, sondern kickte lieber ungezwungen am Samstagnachmittag mit Kollegen.

Früher Chef von Nobel Biocare

Scala ist ein erfahrener Finanz- und Pharma-Manager. Bekannt wurde er von 2007 bis 2011 als Chef des Zahnimplantate-Herstellers Nobel Biocare. Er führte das Unternehmen durch schwierige Zeiten. Von 2003 bis 2007 war er Finanzchef des Agrochemie-Konzerns Syngenta. Als dort der Chefposten neu zu besetzen war, wurde Scala nicht berücksichtigt. Scala, der als ehrgeizig beschrieben wird, zog weiter.

Scala ist ein ausgeprägter Zahlen-Mensch. Seine Karriere begann nach dem Wirtschaftsstudium 1990 in der internen Revision des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé. Dann wechselte er in die Finanzabteilungen des Logistik-Konzerns Panalpina und des Pharma-Riesen Roche.

Beim Milliarden-Verein Fifa nahm Scala auch im dreiköpfigen Vergütungsausschuss Platz. Dort setzte er als erstes durch, dass die Exekutiv-Mitglieder keine Boni mehr erhalten. In der Wirtschaft widerspreche es allen Regeln guter Unternehmensführung, wenn ein Aufsichtsorgan Boni kassiere, argumentierte er.

Mit anderen Reformplänen konnte er sich bislang nicht durchsetzen, insbesondere nicht mit der Forderung nach einer Amtszeitbeschränkung. Laut Scala ist dies die Anti-Korruptions-Regel schlechthin.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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