«Überlange Amtszeiten führen zu Filz und Korruption»

Nach dem Rücktritt von Sepp Blatter als Fifa-Präsident ist er nun der neue starke Mann im Weltfussballverband: Domenico Scala. Der interne Aufseher der Fifa soll die Neuwahl organisieren sowie Reformen innerhalb der Institution überwachen. Mit SRF spricht er exklusiv über seine Funktion.

Schriftzug der Fifa

Bildlegende: Wird die Fifa nun reformiert? Wenn ja, wie? Keystone/Archiv

SRF News: Was ist konkret Ihre Aufgabe? Welche Kompetenzen haben Sie?

Ich habe die Möglichkeit, Vorschläge einzubringen und Erwartungshaltungen zu definieren, aber letztlich liegt die Entscheidung beim Exekutivkomitee und beim Kongress. Ich habe keine Entscheidungsbefugnis.

In weiten Teilen der Öffentlichkeit gilt der Weltfussballverband als durch und durch korrupt. Die Ermittlungen des FBI haben diesen Eindruck noch bestärkt. Woran krankt denn der Verband Ihrer Meinung nach?

An einer falschen Verwendung des Begriffs Fifa. Die Fifa ist nach Schweizer Recht ein Verein. In der Öffentlichkeit wird sie als Synonym für alle Fussballverbände und Konföderationen benutzt. Diese sind aber rechtlich vollständig getrennt und selbstständig. Die Fifa hat auch keine Zugriffsrechte auf die Konföderationen oder die Länderverbände. Doch es gibt personelle Verflechtungen.

Genau das ist durch die Untersuchungen des FBI passiert: Die meisten tatsächlichen oder angeblichen Fehlverhalten sind in den USA von Funktionären in den USA begangen worden. Diese haben aber auch eine Funktion bei der Fifa.

Nun soll alles möglichst rasch besser werden: Mehr Transparenz, kleinere Gremien, eine bessere Durchleuchtung der Mitglieder. Welche Reform packen Sie als erstes an?

Für mich die mit Abstand wichtigste Massnahme ist die Amtszeitbeschränkung. Überlange Amtszeiten führen letztlich zu Filz, Abhängigkeiten und letztlich zur Korruption. Offenlegung der Entschädigung, Integritätsprüfung, damit man Leute, die man nicht in solchen Gremien haben sollte, auch nicht in solche Gremien gelangen können.

Es stellt sich auch die Frage, ob die Zusammensetzung und die Grösse des Komitees noch angemessen sind. Aus meiner Sicht ist das Komitee zu gross. Aber die Verkleinerung wird ein politisches Thema sein, das wird nicht so einfach.

Strukturen sind das eine. Was müsste sich denn personell ändern, damit Ihr Engagement Sinn macht?

Es braucht ein Führungsgremium, das von Leuten besetzt ist, die integer sind, in der Wahrheit und in der Wahrnehmung. Es hat natürlich mit Verhalten zu tun. Wir haben heute ein oberstes Gremium der Fifa, das eine schlechte Figur gemacht hat. Die Entscheidungen für die Vergabe der Weltmeisterschaften kann man als Aussenstehender nicht nachvollziehen, und das hilft nicht, um Glaubwürdigkeit aufzubauen.

Die Fussball-Weltmeisterschaften in Russland und Katar sind stark umstritten, nicht nur wegen möglicher Bestechungsskandale. Werden diese Austragungsorte nochmals überprüft?

Stand der Dinge ist, dass diese Überprüfung mit dem Garcia-Bericht der Ethikkommission bereits stattgefunden hat. Dieser Bericht wurde einem Schweizer Zivilrechtler und einem deutschen Sportrechtler zur Verfügung gestellt. Beide sind zum Schluss gekommen, dass der Wahlprozess nicht zu einer Neuvergabe führen muss. Deshalb wird diese Neuvergabe auch nicht gemacht.

Falls man durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft oder des FBI zu neuen Erkenntnissen kommen sollte, müssen die Ethikkommission und Compliance-Kommission diese neu bewerten. Letztlich liegt der Entscheid beim Exekutivkomitee.

Das Vertrauen in die Fifa ist erschüttert. Wie ist Glaubwürdigkeit rasch herzustellen? Ist da die Nähe zu Sepp Blatter für Sie nicht schädlich?

Ich sehe die Nähe nicht. Ich kannte Herrn Blatter bis vor drei Jahren nicht und ich bin durch Herrn Pieth, den Strafrechtsprofessoren, zur Fifa gekommen. Wenn eine Nähe besteht, dann eher zu Herrn Pieth als zu Herrn Blatter.

Müssen Sie nun das richtige Rezept für die Fifa liefern?

Ich muss die Balance zwischen dem Machbaren und dem Notwendigen finden. Man sollte nicht erwarten, dass in kurzer Zeit ein Idealzustand geschaffen werden kann. Es gibt ja auch politische Kräfte, die dagegen gearbeitet haben. Vielleicht lösen sich diese Blockaden mit dem Rücktritt des Präsidenten.

Das Gespräch führte Ursula Hürzeler.

Vom Manager zum Fifa-Aufräumer

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