Syrien zwischen Hoffen und Bangen

Die IS-Terrormiliz bleibt in Syrien unter Druck. Sowohl Assads Regierungsarmee als auch syrische Rebellen lassen den Dschihadisten kaum Zeit, um neue Kräfte zu sammeln. Dennoch: Die Bereitschaft zu ernsthaften Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition lässt weiter auf sich warten.

Soldaten recken die Hände nach oben.

Bildlegende: Siegesgesten auf einer Bühne von Ruinen: Syrische Soldaten feiern einen Sieg über IS-Kämpfer. Keystone

Bis jetzt sprachen die Kriegsparteien in Genf nur getrennt und nur über Formalitäten. Die nächste Runde aber müsse konkrete Schritte zu einem politischen Prozess bringen, sagte Syrienvermittler Staffan de Mistura gestern. Wie, ist noch immer völlig unklar.

De Mistura will zuerst selber reisen, insbesondere nach Damaskus, Teheran und Moskau. Auf der Achse also, die das Regime Assad stützt. Damit will er die Bereitschaft zu ernsthaften Verhandlungen ausloten.

Wahlen in der nächsten Woche?

Gegen Mitte der nächsten Woche könnten die Syriengespräche in Genf dann weitergehen, allerdings einige Tage später als vorgesehen. So jedenfalls die Hoffnung des UNO-Vermittlers.

Das ambitiöse Ziel bleibt eine Übergangsregierung für Syrien. Staatschef Assad darf darin keine Rolle spielen, verlangt die Opposition. Die Regierungsseite weist das zurück. Sie will nächste Woche mitten im vom Krieg zerrütteten Land sogar Parlamentswahlen abhalten, um Assads Legitimität zu betonen.

Erfolgsmeldungen, Entführung

Das Regime sieht sich auch bestärkt durch die jüngsten Geländegewinne. Erfolge im Kampf gegen die Terrormiliz IS meldeten gestern allerdings auch Rebellen, sowohl im Süden in der Gegend von Deraa, als auch nördlich bei Rai, einem wichtigen Grenzübergang zur Türkei. Die IS-Terrormiliz ihrerseits soll mehr als 200 Arbeiter aus einer Zementfabrik nordöstlich von Damaskus entführt haben.

Besorgnisse beim UNO-Vermittler

Zwischen dem Regime und einer Reihe von nicht-dschihadistischen Rebellengruppen gilt in Syrien seit Ende Februar eine Waffenruhe. Allerdings werden zunehmend mehr Verletzungen der Waffenruhe gemeldet.

Besorgt ist der Syrienvermittler auch, was die humanitäre Hilfe für die Notleidenden in den abgeschnürten Gebieten betrifft. Gleich mehrfach seien letzte Woche Hilfskonvois blockiert worden. Schuld daran sei nicht nur, aber vor allem das Regime in Damaskus, hiess es in de Misturas Stab.

Von Syrien nach Libyen

Die Zahl der IS-Kämpfer in Libyen ist offenbar deutlich gewachsen. Die Terrormiliz habe zwischen 4000 und 6000 Kämpfer im Bürgerkriegsland, sagte der Oberbefehlshaber des US-Afrika-Kommandos (Africom). Er sprach von einer Verdoppelung. Libyen gilt als Rückzugsort für IS-Kämpfer aus Syrien und dem Irak, die den Luftangriffen entgehen wollen.