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International Triton kommt – das Sterben im Mittelmeer geht weiter

Europa scheint rat- und konzeptlos angesichts der Masse an Flüchtlingen, die einreisen wollen. Die neueste Massnahme: Der Kontinent verstärkt die Grenzkontrollen. Das Mittelmeer bleibt Todeszone für jene, die nach Europa fliehen wollen.

Die Medienmitteilung des UNHCR gleicht einem Hilferuf. Von Alarm und traurigem Rekord ist die Rede, von Verzweifelten und Toten. 90‘000 Menschen wollten allein im vergangenen Quartal per Boot nach Europa, vor allem Syrier und Eritreer, auch viele Nordafrikaner. Über 2000 von ihnen starben beim Versuch. Laut UNHCR ist das Risiko, sein Leben bei der Überfahrt zu verlieren, heute doppelt so gross wie im letzten Jahr.

Legende:
Flüchtlinge, die übers Mittelmeer nach Europa kamen Nach Ankünften in den einzelnen Ländern. (Für 2014 sind für die einzelnen Länder noch keine Zahlen erhältlich.) UNHCR

Und was tut Europa? Das neue Projekt heisst Triton. Die Operation beginnt am heutigen Tag, läuft unter der EU-Grenzschutzagentur Frontex und kostet drei Millionen Euro pro Monat. Mehr Schiffe, Flugzeuge und Experten sollen die Grenzen sichern. Aber nicht nur, wie Frontex betont, man wolle auch in Seenot geratene Migranten retten.

Zuschauen statt retten

Retten werden die Triton-Leute allerdings nur noch jene Flüchtlinge, die unmittelbar rund um die italienische Küste in Seenot geraten. Nicht wie die Operation Mare Nostrum von den Italienern, die ein Gebiet weit in den Mittelmeerraum abdeckt. 150‘000 Menschen haben die Italiener so seit letztem Oktober gerettet. Pro Monat gaben die Italiener dafür neun Millionen Euro aus.

Ein Nachfolger für Mare Nostrum ist Triton nicht, zu unterschiedlich ist das Konzept. Die Italiener zögerten lange, wie und ob es mit Mare Nostrum weitergehen sollte. Am Donnerstag gab Innenminister Angelino Alfano dann im Parlament bekannt, dass Mare Nostrum auslaufen werde.

Mare Nostrum hat auch Kritik geerntet: Da Italiens Schiffe auch vor der Küste Libyens Leben retteten, pferchten manche Schlepper zur Maximierung ihrer Profite die Migranten in Schiffe, die für eine Fahrt bis nach Europa gar nicht seetauglich waren. «Mare Nostrum war als Nothilfe gedacht und hat sich als Brücke nach Europa erwiesen», sagte der deutsche Innenminister Thomas de Maizière.

Zäune bauen statt legale Wege schaffen

Die Frontex-Leute von Triton sollen vor allem eines – die Grenzen sichern, die Routen über das Mittelmeerraum für Flüchtlinge unattraktiv machen.

Das UNHCR kritisiert das. Die EU sei zu untätig, gebe zu wenig Geld aus, um Menschenleben zu retten. Das Hochkommissariat für Flüchtlinge vermisst einen legalen, sicheren Zugang für die Migranten, die nach Europa wollen. Die Landrouten über Griechenland und Bulgarien sind mittlerweile zu, geschützt durch meterhohe Zäune. Die Menschen seien dazu gezwungen, den Seeweg zu benutzen, ihr Leben in die Hände von Schmugglern zu geben, schreibt das UNHCR.

Wegschauen statt Lösungen suchen

Das Mittelmeer ist damit eine weitere tödliche Hürde auf dem langen Weg nach Europa. So schaffen oft nur die Stärksten den langen strapaziösen Weg. Die Stärksten, das sind junge Männer. Frauen, Kinder und Alte, die Schwächeren, bleiben auf der Strecke.

Ist die Abschottung der richtige Weg? «Die Flüchtlingspolitik ist eine Bankrotterklärung Europas», sagt Stefan Frey von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe. Mit einem einheitlichen Konzept für Asylsuchende – einer fairen Verteilung auf die Länder etwa – wäre schon viel getan, so Frey. «Und langfristig müssen die Industriestaaten mithelfen, das Gefälle zwischen arm und reich zu verkleinern, und korrupte Regime zu sanktionieren, und nicht mehr mit ihnen zu geschäften.»

49 Kommentare

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  • Kommentar von H. Bernouli, Zürich
    "Seit dem 2. Weltkrieg hat die USA versucht, mehr als 50 Regierungen zu stürzen, von denen die meisten demokratisch gewählt waren, versucht, populäre oder nationalistische Bewegungen in 20 Ländern zu unterdrücken, sich grob in demokratische Wahlen in mindestens 30 Ländern eingemischt, Bomben auf das Volk von mehr als 30 Ländern geworfen, Anschläge auf mehr als 50 ausländische Führer versucht..."+Landraub&-zerstörung durch Konzerne, +Schuldenpolitik von IWF/Weltbank -> Folgen für die Welt?
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  • Kommentar von W.Ineichen, Luzern
    Bald müssen WIR vor der Flüchtlingswelle flüchten. Wer nimmt UNS auf? Diese vielen tausend Flüchtlinge sind fast alle Muslime. Die aller wenigsten werden je wieder in ihre Urprungsländer zurückkehren. Die schleichende Islamisierung des Abendlandes ist voll im Gange. Sie werden in den nächsten Jahrzehnten unter dem Titel “Religionsfreiheit“ eine mächtige islamisch/islamistische Parallelgesellschaft bilden. Das wird zu riesigen Konflikten führen. Gute Nacht Abendland, gute Nacht Schweiz.
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    1. Antwort von Nathalie Zimmermann, Effretikon
      Ja, so ein Zufall aber auch dass so viele Moslem flüchten. Ich weiss auch nicht woher das kommt das vor allem in Ländern gekriegt wird in denen viele Moslem sind, aber da kann bestimmt keine Absicht dahinterstecken.
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    2. Antwort von Albert Planta, Chur
      Kann schon sein, dass wir dereinst wegen den Flüchtlingen die Schweiz verlassen müssen. Den Leuten in Afrika leuchtet es einfach nicht ein, wieso sie auf der Schattenseite des Wohlstandes leben müssen.
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    3. Antwort von A.Käser, Zürich
      Herr Albert Planta,wo viel Licht ist,ist auch Schatten.Gilt nicht nur für Sonnenschein,nein auch für den Wohlstand.Wir leben in einer bipolaren Raum-Zeit-Dimension.Diese ist dazu da,dies erkennen zu lassen.Dennoch ist es nicht verboten unser"kreatives" Denken mit einzubeziehen um eine möglichst hohe Symbiose von Materie und Geist zu erreichen.
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  • Kommentar von W.Ineichen, Luzern
    In früheren Jahrhunderten gingen Staaten mit Soldaten auf Eroberungszüge. Eroberer sind heute viel schlauer. Sie schicken ihre Einwohner als Flüchtlinge auf Eroberungszüge. Diese werden anders als Soldaten nicht bekämpft, sondern freundlich aufgenommen und barmherzig betreut. Der Eroberungszug hat nichts gekostet, im Gegenteil. Die Eroberer leben auf Kosten der Eroberten und werden ihnen ihre Auffassung von Rechtsordnung und Religion aufzwingen. So läuft der moderne Kolonialismus.
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    1. Antwort von Nathalie Zimmermann, Effretikon
      Ja, dieser Krieg in Syrien, der kostet wirklich nichts. Ich meine die verbombte Infrastruktur und die unzähligen verlorenen Leben, die sind alle gratis.
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    2. Antwort von W.Ineichen, Luzern
      Nathalie Zimmermann: - Sie missverstehen meinen Kommentar völlig. Gemeint ist doch, die Eroberung Europas durch die Flüchtlinge hat nichts gekostet.
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