Viele Mediziner unter Ebola-Opfern

Die Ausbreitung der Seuche wird noch Monate anhalten. Der Blick der Experten richtet sich jetzt verstärkt auf die Nachbarländer der besonders betroffenen Staaten Westafrikas. Denn selbst für geschulte Ärzte stellt das Virus eine grosse Herausforderung dar, erklärt der Chef der US-Seuchenbehörde.

Krankenschwester mit Gesichtsmaske.

Bildlegende: Eine Schwester der Ärzte ohne Grenzen bereitet sich auf ihren Einsatz in Monrovia (Liberia) vor. Keystone

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht auch die bislang weitgehend von Ebola verschonten Länder in Westafrika schlecht für Krankheitsfälle gerüstet.

Besonders Mali, Guinea-Bissau, Senegal und die Elfenbeinküste seien nicht gut vorbereitet, sagte die WHO-Direktorin für weltweite Notfälle, Isabelle Nuttall, in Genf. «Diese Länder müssen wirklich besser gerüstet sein», forderte sie. Die Staaten grenzen direkt an Guinea, Liberia und Sierra Leone an, wo Ebola derzeit am schlimmsten grassiert.

Video «Ebola: Alarm in Madrid, Chaos in Liberia» abspielen

Ebola: Alarm in Madrid, Chaos in Liberia

2:03 min, aus Tagesschau Nacht vom 16.10.2014

Öffentlichkeit beruhigen

Die WHO-Expertin stellte klar, dass die Krankheit auch in andere Länder eingeschleppt werden könne. Allerdings müsse man unterscheiden, ob es sich um einen einzelnen infizierten Reisenden handele oder ob es in dem Land dann auch zu Ansteckungen komme: «Ein Fall ist immer möglich, aber wir wollen keine Weiterverbreitung», sagte sie.

Mit Blick auf die Gesundheitssysteme und die medizinische Versorgung sieht Nuttall auch Länder wie Spanien und die USA trotz der jüngsten Ansteckungsfälle als insgesamt gut gerüstet. Die Gefahr, sich bei einem Menschen im Anfangsstadium der Krankheit mit Ebola zu infizieren, ist nach Aussage der WHO-Expertin relativ gering. «Wenn ein Patient zunächst nur unter leichten Symptomen wie Kopfschmerzen und Fieber leidet, ist die Ansteckungsgefahr eher niedrig. Je länger eine Person aber krank ist, desto ansteckender wird sie», betonte Nuttall. Vor den aktuellen Entwicklungen sei es ihr besonders wichtig, dies zu betonen, um die Öffentlichkeit etwas zu beruhigen.

Hunderte Tote unter medizinischem Personal

Die grösste Ansteckungsgefahr gehe von Schwerstkranken und Toten aus. Das erkläre auch die hohe Zahl von Ebola-Infektionen bei Ärzten und medizinischem Personal, sagte Nuttall. Ihren Angaben zufolge sind bislang fast 430 Menschen aus diesem Personenkreis mit der Krankheit infiziert, 236 von ihnen sind daran gestorben. Sie gehe jedoch davon aus, dass bei weitem nicht alle Fälle erfasst worden seien.

Es werde noch Monate dauern, bis die Ausbreitung von Ebola gestoppt sei, sagte Nuttall. Derzeit verdoppele sich die Zahl der Fälle alle vier Wochen, noch in dieser Woche würden die Zahl der bestätigten Infektionen über 9000 und die Zahl der Toten auf mehr als 4500 steigen.

Sorgen über US-Fälle

Dass aber selbst gut geschulte Mediziner der Ebola-Virus eine besondere Herausforderung darstelle, erklärte jetzt der Chef der US-Seuchenbehörde CDC, Tom Frieden. Die Epidemie sei nicht leicht zu kontrollieren, räumte Frieden bei einer Anhörung im Abgeordnetenhaus ein.

Die Sorgen über die Fälle im texanischen Dallas seien daher begründet. «Eines der Dinge, die ich fürchte, ist, dass es sich weiter in Afrika verbreiten könnte.» Dann wachse auch die Bedrohung für das US-Gesundheitssystem. «Wir sind immer offen für neue Ideen», sagte Frieden, der für sein Krisenmanagement kritisiert worden war.

Besorgnis bei Parlamentariern

Die Mitglieder der Ausschusses zeigten sich besorgt. Der Republikaner Tim Murphy sprach von der weltweit schlimmsten Ebola-Krise aller Zeiten. Fred Upton forderte wie mehrere seiner republikanischen Parteikollegen, Flüge aus den betroffenen Ländern zu verbieten. Die Demokratin Diana DeGette kritisierte, dass die Kliniken in den USA nicht ausreichend auf die Seuche vorbereitet seien.

Der Chef des texanischen Krankenhauses, in dem der erste Patient ausserhalb Afrikas behandelt worden war, entschuldigte sich während der Anhörung. Das Team habe bei der Behandlung von Thomas Eric Duncan Fehler gemacht, sagte Daniel Varga. «Es tut uns sehr leid.» Der Patient ist inzwischen gestorben.

100'000 statt 1 Mrd. Dollar

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte, in einen Fonds für Nothilfe an Ebola-Opfer seien bisher erst rund 100'000 Dollar einbezahlt worden. Zugesagt waren 20 Millionen Dollar, benötigt würden aber etwa eine Milliarde Dollar.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Ebola: Schwierige Hilfe

    Aus 10vor10 vom 16.10.2014

    Gerade diejenigen Personen, die sich in der Krisenregion um Ebola-Kranke kümmern, sind einem grossen Risiko ausgesetzt. «10vor10» fragt, wer unter diesen Umständen den Mut hat, als Helfer nach Afrika zu gehen und im Studio-Gespräch äussert sich der Pandemie-Verantwortliche des BAG zum Ansteckungs-Risiko in der Schweiz.

  • In der liberianischen Hauptstadt Monrovia. Ärzte und Pfleger sind zurzeit die grösste Risikogruppe in Liberia. Mehr als 150 von ihnen sind in den vergangenen Wochen gestorben.

    Ebola verursacht weltweit Angst und Misstrauen

    Aus Echo der Zeit vom 16.10.2014

    Ebola hat in Westafrika 4500 Menschen das Leben gekostet. Ebola zerstört auch den normalen Alltag von Millionen Menschen und bringt ein Land wie Liberia an den Rand seiner Möglichkeiten. Eine Reportage.Ebola setzt Regierungen weltweit unter Druck.

    US-Präsident Obama hat eine Gesundheits-Eingreiftruppe angekündigt, nachdem die Behörden auf die zweite Ansteckung einer Krankenschwester ziemlich dilettantisch reagiert hatten.

    Patrik Wülser und Beat Soltermann

  • Sierra Leones Hauptstadt Freetown, während einer Ausgangssperre, die wegen Ebola verhängt wurde. Nichts geht mehr, alles steht still.

    Ebola legt Westafrikas Wirtschaft lahm

    Aus Echo der Zeit vom 9.10.2014

    In den drei am schlimmsten von Ebola betroffenen Ländern sind bereits mehr als 3400 Menschen gestorben. Die Seuche hat längst auch die Wirtschaft erfasst; am stärksten in Liberia, Sierra Leone und Guinea.

    Die Sorge wächst, dass auch grössere Volkswirtschaften wie Nigeria infiziert werden könnten. Das hätte gravierende Folgen.

    Maren Peters