Sonja Hofstetter und das Erdbeben in Nepal

Am 25. April bebte die Erde in Nepal so stark wie seit 80 Jahren nicht mehr. Mindestens 9000 Menschen starben, Hunderttausende verloren ihr Obdach. Sonja Hofstetter, die damals schon seit mehr als zwei Jahren für Helvetas in Nepal arbeitete, wurde beim Mittagessen vom Beben überrascht.

Zerstörung in Sankhu am Stadtrand von Kathmandu. (Bild vom 5. Mai 2015)

Bildlegende: Zerstörung in Sankhu am Stadtrand von Kathmandu. (Bild vom 5. Mai 2015) Reuters/Archiv

Sonja Hofstetter arbeitete von Februar 2013 bis August 2015 für die Hilfsorganisation Helvetas in Nepal. Sie arbeitete dort für ein Projekt, das es jungen Nepalesen ohne Schulabschluss ermöglicht, in Ausbildungswerkstätten der Helvetas eine zertifizierte Berufsbildung zu absolvieren.

«In Nepal fallen viele junge Menschen aus verschiedenen Gründen aus dem Schulsystem heraus – meistens, weil sie zu arm sind», erklärt Hofstetter. Nur ein ganz kleiner Teil verlasse die Schule nach zehn Jahren mit einem Abschluss. «Es braucht deshalb für viele Menschen eine zweite Chance.»

Mit dem schweren Erdbeben am 25. April 2015 änderte sich für Hofstetter praktisch alles: In den ersten Tagen packte sie an, wo Hilfe gerade gebraucht wurde. «Eindrücklich war der Einsatz unserer lokalen Mitarbeiter», sagt Hofstetter rückblickend. «Sie standen alle kurze Zeit nach dem Erdbeben wieder im Büro. Und dann lief unsere Maschinerie an.»

Fünf Tage nach dem Erdbeben reiste Hofstetter mit dem inzwischen eingetroffenen Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) nach Gorkha – einen Ort, der nur wenige Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernt liegt. «Das SKH war froh um unser lokales Wissen», so Hofstetter.

Etwa vier Wochen nach dem Erdbeben kehrte Hofstetter dann zu ihrem eigentlichen Projekt zurück – allerdings hatte sich auch dort mit dem Beben einiges geändert. «Wir bieten unsere Berufstrainings nun für den Wiederaufbau an», erklärt sie. «Wir können also Baufachleute ausbilden, die helfen können, zerstörte Häuser wieder aufzubauen.»

Gut acht Monate nach dem Beben geht es für die Helfer allerdings nur schleppend voran. «Leider ist es so, dass die Regierung blockiert», sagt Hofstetter. Eine neu geschaffene Wiederaufbaubehörde sei zwar beschlossen, arbeite aber noch nicht. «Wir könnten sofort mit unseren Trainings beginnen. Aber uns fehlen die nötigen Bewilligungen», so Hofstetter. «Und ohne die darf kein einziges Haus gebaut werden.»

Hofstetter selbst ist seit August 2015 wieder in der Schweiz und arbeitet in der Zentrale von Helvetas in Zürich. Das Erdbeben hat seine Spuren bei ihr hinterlassen. «Etwas in mir drin hat sich verändert», sagt sie. «Wir Menschen fühlen uns weder in der Luft noch im Wasser sicher. Der Boden unter den Füssen hingegen ist eine Gewissheit. Diese geht in solch einem Moment verloren.»

Zur Person

Zur Person

Sonja Hofstetter hat für die Hilfsorganisation Helvetas zwei Jahre in Nepal gearbeitet. Im August 2015 kehrte sie zurück in die Schweiz und arbeitet seither in der Helvetas-Zentrale in Zürich als Beraterin im Bereich Grund- und Berufsbildung.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • 24 Millionen Franken für Wiederaufbau

    Aus Tagesschau vom 2.8.2015

    In Nepal wurden durch die Erdbeben letzten Frühling tausende Menschen getötet und Millionen obdachlos. Die Bereitschaft zu helfen war international sehr gross. Die Glückskette sammelte über 31 Millionen Franken. Damit konnten bereits 50'000 Menschen geholfen werden.

  • Nepal im Ausnahmezustand

    Aus Tagesschau vom 27.4.2015

    Auch zwei Tage nach dem starken Beben befindet sich Nepal im Ausnahmezustand. Die Zahl der Todesopfer ist mittlerweile auf über 4000 gestiegen. Einsatzkräfte bergen aber auch Überlebende aus den Trümmern. Die internationale Hilfe für Nepal ist angelaufen, doch sie kommt nur schleppend voran, denn der Flughafen ist überlastet

  • Erdbebenkatastrophe in Kathmandu

    Erdbebenkatastrophe in Nepal

    Aus Echo der Zeit vom 25.4.2015

    Ein schweres Erdbeben hat Nepal erschüttert, das Himalaya-Land zwischen China und Indien. 90 unendliche Sekunden lang dauerte das Beben mit einer Stärke von 7.9. Das Ausmass der Schäden ist unüberblickbar, die Todeszahl steigt stündlich.

    Daniel Voll und Simone Fatzer