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Bern Freiburg Wallis Affäre Giroud weitet sich aus

Der Walliser Weinhändler und drei weitere Personen sind am Mittwoch von der Genfer Staatsanwaltschaft festgenommen worden. Sie stehen unter Verdacht, auf Computer von Journalisten mit Hacker-Angriffen zugegriffen zu haben. Einer der Festgenommen ist ein Mitarbeiter des Nachrichtendienstes.

Legende: Video Weinhändler Giroud festgenommen abspielen. Laufzeit 4:03 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 12.06.2014.

Der Walliser Weinhändler Dominique Giroud und ein Mitarbeiter des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) sind am Mittwoch zusammen mit einem professionellen Computer-Hacker und einem Privatdetektiv festgenommen worden.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Genf hatte die Festnahme am Mittwoch nach mehrwöchigen Ermittlungen unter dem Verdacht der Daten-Piraterie angeordnet.

Generalstaatsanwalt Olivier Jornot sagte «Schweiz aktuell», dass Giroud offenbar eine Equipe von Spezialisten rekrutiert habe: Einen Computer-Hacker mit sehr guten Kenntnissen, einen Privatdetektiv und einen Mitarbeitert des Nachrichtendienstes. «Also eine Equipe für einen Piratenangriff auf Computer von zwei Journalisten.»

Laut Jornot war das Ziel des Hackerangriffs, undichte Stellen zu identifizieren, aus denen Informationen zu den laufenden Strafuntersuchungen gegen Dominique Giroud an die Medien gelangt waren.

Die vier festgenommenen Personen wurden im Laufe des Donnerstags vom Genfer Generalstaatsanwalt Olivier Jornot angehört.

Die Festnahme erfolgte durch die kantonalen Justizbehörden mit Unterstützung mehrerer Kantonspolizeien. Zusätzliche Informationen wollte die Staatsanwaltschaft nicht abgeben. Demnach ist nicht bekannt, wo die Festnahmen erfolgten.

Porträt von Dominique Giroud.
Legende: Dominique Giroud wurde überraschend festgenommen. Keystone

NDB-Mitarbeiter sofort freigestellt

Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) hatte Kenntnis von der laufenden Untersuchung gegen einen seiner Mitarbeiter durch die Genfer Strafverfolgungsbehörden, wie der NDB auf Anfrage mitteilte. Man habe unverzüglich das Departement VBS und die Aufsichtsorgane darüber informiert.

Felix Endrich, Sprecher des NDB, sagte «Schweiz aktuell»: «Der Mitarbeiter war nicht vom Nachrichtendienst beauftragt, irgend etwas in dieser Sache zu unternehmen.»

Für den Angestellten gelte die Unschuldsvermutung. Er wurde aber gemäss den Vorgaben des Bundespersonalgesetzes per sofort freigestellt.

Journalisten von RTS und «Le Temps» ausspioniert

Das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) und die Genfer Zeitung «Le Temps» bestätigten, dass ihre Redaktionen Ziel von Computer-Piraterie-Attacken gewesen seien. Die beiden Medienunternehmen erhoben deshalb Klage gegen Unbekannt.

Yves Steiner, Journalist von RTS, sagte «Schweiz aktuell», dass er vor dem Hacker-Angriff einen suspekten Telefonanruf erhalten habe von jemandem, der sich als Journalist der französischen Zeitung «Le Parisien» ausgab – den es aber gar nicht gibt. Der eigentliche Hacker-Angrif erfolgte dann per E-Mail mit einem versteckten Programm, das Daten von seinem Computer ins Ausland übermittelte.

Der Nachrichtenchef von RTS, Bernard Rappaz, erklärte, dass ein Computer der Redaktion Ziel eines Hacker-Angriffs gewesen sei. Er könne allerdings nicht sagen, ob dieser Piraterie-Versuch und die Affäre Giroud in einem Zusammenhang stünden.

Rappaz unterstrich trotz allem, dass es sich nicht um eine alltägliche Affäre handle. Seines Wissens sei es das erste Mal, dass Journalisten von RTS Ziel von derart ausgeklügelten Piraterie-Versuchen geworden seien.

Der Chefredaktor von «Le Temps» bezeichnete es als «extrem schlimm» dass es Personen gebe, die Journalisten auszuspionieren versuchten. Die Zeitung hatte im Oktober 2013 aufgedeckt, dass die Eidgenössische Steuerverwaltung wegen gravierender Steuerdelikte gegen den Walliser Weinhändler Dominique Giroud ermittelt.

Affäre Giroud seit Monaten in den Schlagzeilen

In der West- und der Deutschschweiz macht die Affäre um das Weinhaus Giroud seit Monaten Schlagzeilen. Der Weinhändler steht seit Herbst 2013 wegen Verdachts auf Steuerdelikte in Millionenhöhe im Fokus der Steuerverwaltung der Eidgenossenschaft und des Kantons Wallis.

Verschärft wird dieser Umstand, dass der Walliser Finanzdirektor Maurice Tornay (CVP) bis zu seiner Wahl in die Regierung 2009 ein Treuhandbüro führte, das auch den Weinhändler Giroud betreute. Tornay legte aber Ende Oktober 2013 ein Schreiben der Eidgenössischen Steuerverwaltung vor, wonach gegen ihn kein Verfahren im Zusammenhang mit Giroud laufe.

Ausserdem läuft gegen Giroud im Kanton Waadt ein Strafverfahren wegen Betrugs, Warenfälschung und Urkundenfälschung. Er wird beschuldigt, zwischen 2006 und 2009 Tausende Liter Wein unerlaubt gemischt zu haben.

Wegen der Berichterstattung des Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) über die Affäre Giroud kam es zuletzt auch noch zu einem publizistischen Rechtsstreit. Das Bezirksgericht Sitten hatte auf Antrag des Weinhauses Giroud Vins SA die Ausstrahlung zweier Berichte zunächst untersagt, dann aber Ende Mai wieder aufgehoben.

3 Kommentare

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  • Kommentar von rené studer, zürich, thailand
    Bei den Kleinen geht's FIX, bei CS geht NIX. Vieles scheint unklar, aber wenigstens wird gehandelt. Bei den Banken ist ALLES klar, das Schuldeingeständnis sollten Sommaruga und den Justizapparat zum Handeln motivieren, aber nur tiefe Bewusstlosigkeit. " too big to jail ", gilt bei den Grossen Banden und ihren Delikten. Für die kleinen hat's, immer Platz im Knast.
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  • Kommentar von Rolf Michel, 1723 Marly
    Es muss halt jeder selber entscheiden, inwiefern er der Üüsserschwiizermafia die Stange hält - am besten lässt man die Finger von diesem Sumpf (Blatter, Giroud,etc.) - guten Wein gibt es zur Genüge aus anderen Schläuchen - wie schon gesagt, im Wallis wird viel Wasser gepredigt und Wein getrunken.
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  • Kommentar von Meng Ernesto, 8004 Zürich
    Wiederhole mich, Giroud kriminelle Energie ist seit Jahren bekannt. CVP Präses Darbelley deckt diesen Weinpanscher seit Jahren, da er selber in wichtigen VR sitzt. Staatsrat Cina hat auch seine Macht ausgenützt und alles unter dem Tisch gehalten. Es ist traurig,dass solche Machenschaften möglich sind.Gepanschte Weine sind zwar nicht gefährlich,jedoch relativ grusig. Dass Giroud in der D-CH so stark vertreten und verkauft wird ist Pech. 99% der Weine sind jedoch sauber.Absatzproleme Fakt.
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