Kanton Zürich: Weniger Verbrechen, mehr Tötungsdelikte

Die Kriminalität im Kanton Zürich ist im letzten Jahr erneut stark zurückgegangen. Die Zahl der Delikte war im letzten Jahr so tief wie seit 35 Jahren nicht mehr. Doch gab es doppelt so viele Opfer von Tötungsdelikten wie im Vorjahr.

Ein Polizist verfrachtet einen Mann in Handschellen in ein Auto

Bildlegende: Verbrecher hielten die Polizei im Kanton Zürich im letzten Jahr weniger auf Trab. Keystone

Die Polizei im Kanton Zürich registrierte im letzten Jahr 120'400 Straftaten. Das sind 11,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Zurückgegangen ist vor allem die Zahl der Vermögensdelikte. Im Vergleich mit den 90er Jahren hat sich die Zahl der Einbrüche sogar halbiert.

Mehr Polizei – weniger Verbrechen?

Christiane Lentjes, die Kripo-Chefin der Kantonspolizei, erklärt die Entwicklung damit, dass sie mehr Leute im Einsatz habe: «Wir haben den Vollbestand erreicht und können mit mehr Personal gezielte Schwerpunktaktionen machen.» Einen Schwerpunkt setzt die Kriminalpolizei zum Beispiel bei der Jagd auf Einbrecher.

Trotz den seit Jahren rückläufigen Zahlen bei der Kriminalität, fühlen sich heute viele Leute weniger sicher. Lentjes vermutet, dass dies mit dem Medienkonsum zu tun haben könnte: «Deshalb gibt es eine Diskrepanz zwischen der täglichen Wahrnehmung und dem, was tatsächlich passieren könnte.»

Tötungsdelikte verdoppelt

Abgenommen hat auch die Zahl der Gewaltdelikte. Sie liegt um 11 Prozent unter dem Vorjahr. Dem steht entgegen, dass 2014 zehn Menschen Opfer eines Tötungsdeliktes wurden. Das sind doppelt so viele wie noch im Vorjahr. Dieses war laut Polizei allerdings ein Ausnahmejahr. «Wir gehen nicht davon aus, dass die Kriminalität gewalttätiger wurde», sagt Christiane Lentjes dazu.

Bei denTötungsdelikten würden ausserdem auch die erweiterten Suizide mitgezählt. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Männer, die ihre ganze Familie auslöschen, bevor sie sich selbst töten. «Dabei steht die kriminelle Energie oder Brutalität nicht im Vordergrund.»

Häusliche Gewalt: Mehr Einsätze, weniger Anzeigen

Speziell ist die Situation im Bereich der häuslichen Gewalt. Auch hier verzeichnet die KRISTA 2014 einen leichten Rückgang. Allerdings musste die Polizei im letzten Jahr noch einmal deutlich häufiger ausrücken als im Jahr zuvor. Bei viel mehr Einsätzen sahen die Opfer aber von einer Anzeige ab. Diese Zahl hat um rund 25 Prozent zugenommen. Eine mögliche Erklärung ist, dass viele der Opfer aus Kulturkreisen stammen, in denen Frauen nicht gleichberechtigt sind.

Der Vergleich mit der ganzen Schweiz

Auch in der übrigen Schweiz hat die Kriminalität im letzten Jahr abgenommen – wenn auch weniger als im Kanton Zürich. Und im Gegensatz zum Kanton Zürich, ist die Zahl der Tötungsdelikte gesamtschweizerisch gesunken. Noch nie verloren in der Schweiz so wenige Menschen ihr Leben durch ein Verbrechen wie im Jahr 2014.