100 Jahre Schweizer Luftwaffe – eine Geschichte mit Turbulenzen

Die Schweizer Luftwaffe war schon immer eine teure Angelegenheit. Die Schweizer Armee hat seit über 100 Jahren insgesamt rund 40 Milliarden Franken in Kampfflugzeuge investiert.

F/A-18, Tiger, Mirage, Vampire, und Venom,

Bildlegende: F/A-18, Tiger, Mirage, Vampire und Venom: Keine Flugzeugbeschaffung ohne Nebengeräusche. Keystone

Die erste Fliegerstaffel der Schweiz bestand aus acht Flugzeugen, zehn Piloten und einem Reservemotor. Aber schon damals bei der Gründung am 31. Juli 1914 kämpfte die Schweizer Luftwaffe mit den gleichen Problemen wie heute – nämlich dem Geld. Sämtlich Flugzeuge unter dem Schwyzer Hauptmann Theodor Real gehörten nicht der Armee, sondern waren in Privatbesitz.

Für die fettesten Schlagzeilen sorgte die Kampfjetbeschaffung in den 1960er-Jahren. Statt der budgetierten 871 Millionen Franken kosteten die französischen Kampfjets knapp 1,5 Milliarden. Der Mirage-Skandal sorgte für die erste Parlamentarische Untersuchungskommission PUK. Sie kostete dem damaligen Bundesrat Paul Chaudet sein Amt.

Keine Flugzeugbeschaffung ohne Nebengeräusche

Nicht nur der EMD-Vorsteher musste seinen Posten räumen, auch der damalige Luftwaffenchef und der Generalstabschef mussten den Hut nehmen. Wenig ruhmreich ist die Geschichte um die Beschaffung in den 70er-Jahren. Zur Auswahl standen der Milan aus Frankreich und der US-Kampfjet Corsair. Die jahrelange Luftschlacht im Bundeshaus endete schliesslich in einem Debakel. Für die Armee gab es weder Corsair noch den Milan.

Die Geschichte der Schweizer Luftwaffe

    • Ein Schweizer Kreuz im Parlamentssaal.

      Bildlegende: Ein Schweizer Kreuz im Parlamentssaal. Keystone

      Parlament schmettert Kredit ab

      Den Anfang macht das Parlament schon 1893. Ein Kredit von 69‘500 Franken für die Anschaffung eines Militärballons wird abgelehnt. Zu teuer. Zudem sind dem Parlament die Winde in der Schweiz zu unberechenbar. Der Aufklärer im Fesselballon hätte 500 Meter über der Erde Truppenbewegungen per Telefon bekanntgegeben.

    • Ein Aufklärungballon im Einsatz.

      Bildlegende: Ein Aufklärungballon im Einsatz. Keystone

      Schweiz schafft Fesselballon an

      Im Jahr 1900 war es dann doch soweit. Die Schweiz lässt ihren ersten Militärballon in den Himmel steigen. Die Fesselballone werden noch bis Mitte des Ersten Weltkrieges militärisch eine wichtige Rolle spielen.

    • Spenden für das erste Militär-Flugzeug

      Es ist die Offiziersgesellschaft, die 1913 einen Spendenaufruf für Kampfflugzeuge lanciert. Mit Erfolg: Die Bevölkerung spendet 1,7 Millionen Franken. 1916 kauft das Militärdepartement 17 Flugzeuge. Es gibt kaum Benzin für Flüge.

      0:35 min, aus Tagesschau vom 10.9.2013

    • Eine Haefeli-Maschine nach dem Ersten Weltkrieg.

      Bildlegende: Eine Haefeli-Maschine nach dem Ersten Weltkrieg. zvg

      Das erste Schweizer Militärflugzeug

      1918 liefern die Thuner K+W-Werke der Armee das lange erwartete erste Schweizer Militärflugzeug: den Jagdeinsitzer Haefeli DH-4. Bis zum Zweiten Weltkrieg bleiben die Thuner Werke führend bei der Herstellung der Schweizer Armeeflugzeuge.

    • Eine deutsche Messerschmitt mit Schweizer Kreuz.

      Bildlegende: Eine deutsche Messerschmitt mit Schweizer Kreuz. Keystone

      13 Millionen Franken für Nazi-Maschinen

      Erst ab 1930 beginnt die Schweizer Luftwaffe, eine wichtige Rolle in der Armee zu spielen. Bundesrat und Parlament einigen sich auf einen Kredit von 13 Millionen Franken. Der Bund kauft damit 105 Flugzeuge – vor allem deutsche Messerschmitts.

    • Die Morane D-3801.

      Bildlegende: Die Morane D-3801 war in den Jahren 1938 bis 1948 der Stolz der Schweizer Flugwaffe. Keystone

      Mit 36 französischen Moranes gegen Hitler

      Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 besitzt die Schweiz 124 moderne Flugzeuge – 88 von den Nazis gekaufte Messerschmitts und 36 französische Moranes. Die Schweizer Piloten schiessen in den ersten Kriegsmonaten verwirrte deutsche Bomber ab, die die helvetischen Messerschmitts für eigene Flugzeuge halten.

    • Luftsieg gegen Nazi-Deutschland

      Göring reagiert und schickt zwei kleinere Geschwader zur Strafaktion in den Jura. Die Schweizer Luftwaffe schlägt sich prächtig: Insgesamt schiessen sie im 40-tägigen «Krieg» gegen Grossdeutschland elf Nazi-Bomber vom Himmel. Eigene Verluste: drei. Doch die Schweiz spielt mit dem Feuer und stellt die Kampfhandlungen rasch wieder ein.

      3:34 min vom 22.4.2014

    • N-20 gegen P-16

      Nach dem Weltkrieg beginnt der Kampf ums erste Schweizer Kampfflugzeug. Es ist die Schlacht zwischen den staatlichen Flugzeugwerken in Emmen (LU) und der Privatfirma FFA in Altenrhein (SG). Der N-20 (aus Emmen) scheitert an der Finanzierung. Der P-16 (aus Altenrhein) stürzt in den Bodensee ab und wird anschliessend vom Bundesrat zurückgezogen.

      4:20 min vom 22.4.2014

    • Goldene Luftwaffen-Ära in den 50ern

      In den 50er-Jahren, in der Blütezeit des Kalten Krieges, beschafft sich die Schweiz 75 Vampire-Düsenflugzeuge (GB), über 100 Venoms (GB) und schliesslich noch über 100 Hawker Hunter (GB)

      1:04 min vom 22.4.2014

    • Der Mirage-Skandal

      1964 kommt es zum ganz grossen Skandal. Nach langem Schweigen muss das Militärdepartement zugeben, dass die 100 bestellten französischen Mirages nicht 800 Millionen Franken, sondern fast das Doppelte kosten. Die Empörung in der Bevölkerung ist gross.

      5:07 min vom 22.4.2014

    • Porträt von Kurt Furgler.

      Bildlegende: Furgler setzt auf einen Kompromiss. Keystone

      Schweiz kauft nur 57 Mirages

      Die erste Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) in der Geschichte der Schweiz durchleuchtet die Mirage-Affäre. Die Verantwortlichen nehmen den Hut. PUK-Chef Kurt Furgler setzt auf einen Kompromiss: Die Schweiz kauft nur 57 Mirages. Die Schweizer Mirages werden ab 1966 eingesetzt und erweisen sich über Jahrzehnte als zuverlässig.

    • Ein Hunter Mk 58/58A

      Bildlegende: Ein Hunter Mk 58/58A Keystone

      Der Hunter wird zum «fliegenden Sarg»

      Der Mirage-Schock sitzt auch in den 70er-Jahren noch tief: Der Bundesrat will nur noch billige Jets kaufen und sammelt weitere uralte Hunter Flugzeuge. Der Erfolg jedoch ist bescheiden. Die Hunter werden zu so genannt «fliegenden Särgen». Bis zur Ausmusterung stürzen 25 Stück ohne Feindberührung ab.

    • Der erfolgreiche Tiger kommt

      Auch die Anschaffung von 72 Tiger-Flugzeugen ist ein zähes Ringen. Schliesslich genehmigt das Parlament im Jahr 1976 einen Kredit von 1,170 Milliarden Franken. 1981 werden noch 38 Maschinen dazu gekauft. Das Tiger-Kampfflugzeug steht seit mehr als dreissig Jahren im Dienst.

      0:36 min vom 22.4.2014

    • Massenproteste gegen F/A-18

      1992 stimmt das Parlament dem Kauf von 34 Kampfflugzeugen des Typs F/A-18 zu. Der GSoA gelingt spielend das Referendum. Immerhin sprechen sich 42,9 Prozent der Bevölkerung gegen die Anschaffung aus. Der Bund investiert schliesslich 3,5 Milliarden Franken in den F/A-18. Zwei Maschinen sind seither abgestürzt.

      3:09 min vom 22.4.2014

    • Ueli Maurers Kampf um den Gripen

      3,1 Milliarden Franken für den Gripen: Das ist dem Schweizer Stimmvolk am 18. Mai 2014 zu teuer. Das Buch «Helvetische Jäger» von Roman Schürmann zeigt, dass sich die Kosten für die Schweizer Luftwaffe mittlerweile inflationsbereinigt auf 40 Milliarden Franken belaufen.

      9:18 min, aus Rundschau vom 16.4.2014

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Das waadtländer Städtchen Payerne ist bereit und geschmückt fürs Fest.

    100 Jahre Luftwaffe: Ein Fest mit Nebengeräuschen

    Aus Rendez-vous vom 29.8.2014

    Die Schweizer Luftwaffe feiert ihren 100. Geburtstag mit einer Flugshow - der grössten, die die Schweiz je gesehen hat. Flugstaffeln aus aller Welt zeigen in Payerne ihr Können. Die Armee rechnet mit 400'000 Besuchern. Es ist allerdings ein Fest mit Nebengeräuschen. Ein Stimmungsbild aus Payerne.

    Patrick Mülhauser

  • Ein Astronaut an der AIR14

    Aus Schweiz aktuell vom 28.8.2014

    Ins Showprogramm der AIR14, der Flugschau zum 100jährigen Bestehen der Schweizer Luftwaffe, ist auch Claude Nicollier eingebunden. Der ehemalige Astronaut war Militärpilot, sass am Steuerknüppel legendärer Jagdflugzeuge und fliegt an der AIR14 mit einer Hunter-Staffel Erdkampf-Simulationen. Nicollier ist überzeugt: ohne die Pilotenausbildung der Schweizer Luftwaffe wäre er kaum je ins All geflogen.