Schwerer Stand für «AHVplus»-Initiative

Das Volksbegehren für eine Erhöhung der AHV-Renten überzeugt bereits zu Beginn des Abstimmungskampfes lediglich eine relative Mehrheit von 49 Prozent der Wähler. Das zeigt die erste SRG-Trendumfrage des gfs.bern. Viele Befragte bevorzugen die Gesamtreform «Altersvorsorge 2020» durch das Parlament.

Die AHV soll für alle aktuellen und zukünftigen Renten um 10 Prozent erhöht werden. Das fordert der Schweizerische Gewerkschaftsbund mit seiner Initiative «AHV plus: für eine starke AHV», über die am 25. September abgestimmt wird. Die AHV sei gegenüber den Löhnen deutlich in Rückstand geraten, argumentieren die Initianten. Ergänzungsleistungen dürften nicht zum Normalfall werden. Die bürgerlichen Parteien warnen vor Milliardenkosten und setzten auf die im Parlament hängige Gesamtreform der Altersvorsorge.

Hauchdünner Vorsprung für die Befürworter

Wäre anfangs August abgestimmt worden, hätte sich laut der ersten SRG-Trendumfrage eine relative Mehrheit von 49 Prozent für die Initiative ausgesprochen. 43 Prozent hätten ein Nein in die Urne gelegt. Unter Berücksichtigung der Stichprobenfehler von 2,9 Prozent liegen die beiden Lager potentiell praktisch gleichauf.

Dabei zeigt sich das klassische links-rechts-Schema: Die Sympathisanten von Grünen und Sozialdemokraten befürworten die Vorlage mit grosser Mehrheit, während die Ablehnung bei SVP- und insbesondere FDP-Wählern fast ebenso gross ist. Einzig an der CVP-Basis sowie bei den parteiungebundenen Wählern herrscht bisher grosse Uneinigkeit.

Jeder ist sich selbst der Nächste

Auch zwischen Jung und Alt zeigt sich ein deutlicher Graben. «Dieser ist ganz klar von Eigennutz geprägt», sagt Politikwissenschafterin Martina Mousson. «Wer unmittelbar profitiert, ist eher geneigt, zuzustimmen.» So findet die durchschnittliche Rentenerhöhung um 200 Franken für Alleinstehende und 350 Franken für Ehepaare unter den Pensionierten eine klare Mehrheit. Von den unter 40-Jährigen vermag das Anliegen lediglich einen Drittel zu überzeugen.

Welche Rolle die unmittelbare Betroffenheit spielt, zeigt sich auch in Bezug auf das Einkommen: In Haushalten mit Einkommen bis zu 9000 Franken hat die Initiative bisher eine Mehrheit, in Haushalten mit höheren Einkommen wird sie abgelehnt.

Konkurrenz durch die Rentenreform 2020

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«Beide Seiten haben wirksame Argumente»

0:38 min, vom 19.8.2016

Dass das Anliegen einer Rentenerhöhung bereits zu Beginn des Abstimmungskampfes verhältnismässig wenig Zustimmung erhält, hat auch mit dem Projekt Rentenreform 2020 zu tun. Dieses ist im Parlament hängig und soll die Altersvorsorge langfristig und unter Einbezug auch der zweiten Säule sichern.

Zwar stiessen die Initianten mit ihrer Argumentation, es sei Zeit für eine Erhöhung der AHV-Renten, grundsätzlich auf breite Zustimmung, sagt Mousson. Die SRG-Trendumfrage zeige aber auch, «dass eine grosse Mehrheit eine Gesamtlösung, wie sie die Rentenreform 2020 anstrebt, einer punktuellen Erhöhung der AHV-Renten vorzieht.»

Retten CVP-Wähler die Gewerkschafts-Initiative?

Bei der Abstimmung am 25. September dürfte es die «AHVplus»-Initiative angesichts des jetzt schon dünnen Ja-Vorsprungs schwer haben. Die Beurteilung einer aufgegriffenen Problematik werde im Verlaufe eines Abstimmungskampfes in der Regel zunehmend durch die Debatte über die Tauglichkeit der vorgeschlagenen Lösung verdrängt, sagt Mousson: «Wir rechnen mit ziemlich grosser Sicherheit damit, dass die Nein-Seite noch zulegen wird».

Ob die Initiative entgegen der zu erwartenden Entwicklung doch noch eine Chance hat, dürfte massgeblich von der noch gespaltenen CVP-Basis sowie den verhältnismässig vielen noch unentschlossenen parteiungebundenen Wählern abhängen. «Sie könnten das Zünglein an der Waage spielen», sagt Mousson. Auch Signale aus dem Parlament, bei der Rentenreform 2020 auf Rentenerhöhungen zu verzichten, könnten der Initiative nochmals Aufschwung verleihen.

Eckwerte der SRG-Umfrage

Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 2. und 12. August 2016 durchgeführt. Befragt wurden 1212 Personen. Mehr zur Methodik.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • SRG-Umfrage zur AHV-Initiative

    Aus Tagesschau vom 19.8.2016

    Am 25. September wird unter anderem über die AHV abgestimmt: Zur «AHV-plus-Initiative» der Gewerkschaften sagen in der ersten SRG-Umfrage 49 Prozent ja oder eher ja, 43 Prozent nein oder eher nein. Und 8 Prozent sind noch unentschlossen.

  • Die Gesundheitskommission fordert Rentenalter 67

    Aus Tagesschau vom 19.8.2016

    Die zuständige Nationalratskommission hat ihre Vorschläge zur AHV-Reform gemacht. Die sind, in Anbetracht der automatischen Erhöhung des Rentenalters, drastisch.

  • Am 25. September 2016 wird in der Schweiz über drei Vorlagen abgestimmt. Am Freitag wurde die erste Trend-Rechnung präsentiert.

    Viel Zustimmung für «Grüne Wirtschaft»

    Aus Echo der Zeit vom 19.8.2016

    Das Schweizer Stimmvolk entscheidet im September über eine ökologischere Wirtschaft, höhere AHV-Renten und das Nachrichtendienstgesetz. Die erste GfS-Umfrage zeigt ein deutliches Ja zur Initiative "Grüne Wirtschaft" und zum Nachrichtendienst-Gesetz.

    Bei der AHV-Vorlage zeigt sich ein uneinheitliches Bild.

    Andrea Jaggi

  • FOKUS: Rentenreform

    Aus 10vor10 vom 15.8.2016

    Umwandlungssatz runter, Frauen-Rentenalter rauf und höhere Mehrwertsteuer: Bundesrat Alain Berset hat seine Rentenreform-Pläne vorgestellt. Die Reaktionen könnten nicht unterschiedlicher sein. «10vor10» berichtet in seinem Fokus.

  • Gewerkschaftsbund fordert höhere Rente

    Aus Tagesschau vom 30.6.2016

    Der Schweizerische Gewerkschaftsbund fordert mit seiner Volksinitiative „AHVplus“ 10 Prozent mehr Rente für alle. Heute haben die Initianten ihre Argumente präsentiert. Abgestimmt wird am 25. September.

  • AHV-Plus ist chancenlos

    Aus Tagesschau vom 16.12.2015

    Die Initiative AHV-Plus will die Renten um 10 Prozent erhöhen. Doch der Bundesrat wie auch der Nationalrat halten das Volksbegehren für nicht finanzierbar. Sie geben eine Nein-Empfehlung heraus.