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Schweiz «Axpo will sich die Sanierungskosten nicht ans Bein streichen»

Der mit 46 Betriebsjahren älteste kommerzielle Reaktor der Welt – Block 1 von Beznau – geht frühestens im Juli 2016 wieder ans Netz. Sind die Probleme grösser als gedacht? Und wie hoch sind die wirtschaftlichen Kosten für die Betreiberin Axpo? Inlandredaktor Christian von Burg mit Antworten.

Legende: Video Block 1 des AKW Beznau wird erst später wieder hochgefahren abspielen. Laufzeit 03:03 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 30.11.2015.

SRF News: Was weiss man – Stand heute – Gesichertes über die Unregelmässigkeiten im Reaktorblock 1?

Christian von Burg: Die Unregelmässigkeiten sind im Kernstück der Anlage, im Druckbehälter. Die Flecken, die sich im Ultraschall zeigen, gehen wahrscheinlich nicht auf den Betrieb der Anlage zurück. Sie waren schon bei der Herstellung dieses acht Meter hohen Stahlgefässes entstanden. Das zeigten die bisherigen Untersuchungen, sagen die Verantwortlichen der Axpo. Es handle sich um etwa 900 kleine Einschlüsse im Eisen, die sich im unteren Teil des Druckbehälters befinden. Es seien sehr wahrscheinlich keine Wasserstoffeinschlüsse, sondern harmlosere Oxyde. Das ist, wie man heraushören kann, noch nicht der definitive Befund, sondern die derzeit aktuelle Interpretation der Unregelmässigkeiten.

Einen ähnlichen Fall gab es diesen Sommer auch in Belgien. Auch dort wurden Materialfehler entdeckt, Risse, Blasen. Und auch dort wurde nach Sicherheitsüberprüfungen entschieden, den Betrieb wieder hochzufahren. Ist der Fall Beznau damit vergleichbar?

Ja und nein. Der Fall in Belgien hat die genaue Untersuchung in Beznau und auch den anderen Schweizer Kernkraftwerken erst nötig gemacht. Die belgischen Spezialisten machen derzeit, auch auf Wunsch der Nuklearsicherheitsbehörde Ensi, eine zweite Ultraschallmessung hier in der Schweiz. Trotzdem ist die Anlage in Beznau mit denen in Belgien nicht 1:1 zu vergleichen. Das bestätigte mir auch der Kernenergie-Experte von Greenpeace, Florian Kasser.

Für ihn stellt die Abnutzung des Druckgefässes – die sogenannte Versprödung – im Falle von Beznau eine enorme Herausforderung für die Betreiber dar. Sie sei sehr viel stärker als bei den Werken in Belgien, die fast 13 Jahre jünger seien. Mit dieser Einschätzung hat Kasser sicher recht. Allerdings muss man auch sagen, dass offenbar nur Block 1 der Anlage betroffen ist. Dieser ist etwas älter als Block 2 und wurde nicht unter den gleichen Umständen hergestellt.

Hat die Axpo heute auch das Szenario skizziert, dass der betroffenene Reaktor gar nie mehr in Betrieb genommen wird?

Davon war nicht die Rede. Die Verantwortlichen sagten zwar, dass sich die Investition nicht lohnen würde, den Reaktordruckbehälter auszuwechseln. Derzeit deute aber nichts darauf hin, dass dies nötig sein würde. Alle waren hier guter Hoffnung, dass das Ensi das weitere Vorgehen und die Art der Berechnungen gut heisst. Die Frage blieb nur, ob es bis Juli wirklich so weit ist.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat das Ganze für die Axpo?

Finanziell ist das natürlich sehr schlecht für sie. Die Untersuchungen und der Betriebsausfall kosten die Axpo nicht wie bisher gedacht 100 Millionen Franken, sondern bis zu doppelt so viel. Andreas Heiz, Mitglied der Axpo-Konzernleitung, beteuert zwar, dass sich der Betrieb der Anlage auch weiter lohne – so lange die Wirtschaftlichkeit und Sicherheit gegeben sei.

Allerdings hörte man heraus, dass sich das auch noch ändern kann. Denn die Axpo steht wie andere Stromkonzerne wirtschaftlich stark unter Druck. Mit Strom lässt sich im Moment kaum noch Geld verdienen. Axpo hat im Verlauf der letzten Jahre etwa 700 Millionen Franken in die Sanierung von Beznau I und II gesteckt. Und dieses Geld will sich die Axpo jetzt nicht einfach ans Bein streichen.

Das Gespräch führte Samuel Wyss.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
    Schon jetzt ist Atomstrom zu teuer, und in naher Zukunft wird dies nur noch extremer. Unsere Kernkraftwerke werden in den nächsten 10 Jahren sowieso abgeschaltet, weil sich Atomstrom generell nicht mehr lohnt. Da können die Lobbisten und ihr bürgerlicher Filz auch nichts daran ändern. Es wird Zeit für die Energien der Zukunft!
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  • Kommentar von elize naude (elize)
    man merkt das niemanden den finger verbrennen wollen... immer diese fadenscheinigen aussagen von "Die Flecken, die sich im Ultraschall zeigen, gehen wahrscheinlich nicht auf den Betrieb der Anlage zurück. Sie waren schon bei der Herstellung dieses acht Meter hohen Stahlgefässes entstanden..." vielleicht von anfang an ein problem die ignoriert worden... solange die rubel rollen... es kotzt mich an!!!
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  • Kommentar von A. Zuckermann (azu)
    100 Millionen! Schweizer Franken! Für ein Frack… Und das zahlen dann wir, weil es in den Strompreis eingerechnet wird. Und immer heisst es, die erneuerbaren Energien wären ach soooo Teuer, die Wirtschaft brauche billigen Stom, sonst verlieren wir Arbeitsplätze, bla bla… wer ein Beispiel für Wirtschafts/FDP-SVP-polit-Filz braucht, voila!
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