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Schweiz Bänkli oder Büez? – Konzepte für den Lebensabend

Wie soll unser Lebensabend künftig aussehen? Geruhsam nach einem arbeitsreichen Lebensabschnitt die Hände in den Schoss legen oder weiter im Beruf Leistung bringen? – Thema heute Abend im «Club». Und vorab hier mit Altstadträtin Monika Stocker und Avenir-Suisse-Vorsorgespezialist Jérôme Cosandey.

Soll die so genannte «Generation Gold» ihren Ruhestand in vollen Zügen geniessen oder sich weiter für die Gesellschaft einsetzen? Und wenn, in welcher Art? Institutionalisiert, freiwillig oder via ein flexibles Rentenalter?

Im «Club» diskutieren heute Experten und Rentner über die Altersguillotine, berufliche Verfallsdaten und darüber, wer am Ende die Rechnung bezahlt. Zu den zentralen Fragen der Sendung äussern sich vorab die beiden Gäste Monika Stocker und Jérôme Cosandey.

Müssen Rentner zurück an die Arbeit?

Monika Stocker: Von «müssen» kann keine Rede seine. Diese Generation hat bereits sehr viel geleistet und muss daher gar nichts. Zudem darf man nicht ausser Acht lassen, das nicht nur Lohnarbeit zählen soll, sondern auch sogenannte «Carearbeit». Die heutigen Pensionäre hüten Enkel, unterstützen ihre erwachsenen Kinder, Pflegen teilweise noch hochbetagte Eltern und sind in Gemeinden, Stiftungen und der Politik aktiv. Auch dieser enorme Arbeitseinsatz muss beachten und gewürdigt werden.

Jérôme Cosandey

Jérôme Cosandey

Jérôme Cosandey, Jahrgang 1970, ist Vorsorgespezialist beim Think-Tank Avenir Suisse.

Jerôme Cosandey: Grundsätzlich gibt es zwei wichtige Gründe, weshalb ältere Arbeitnehmer länger im Arbeitsprozess bleiben sollen. Einerseits können sie helfen, den akuten Fachkräftemangel abzufedern. Bis die nötigen Strukturen geschaffen sind, um Frauen zurück in den Arbeitsmarkt zu bringen, dauert es noch eine Weile. Die heutigen Rentner hingegen sind à jour, kennen die Kunden und internen Prozesse und wären sofort einsetzbar.

Andererseits kann die Gesellschaft von länger arbeitenden Mitarbeitern doppelt profitieren. Diese würden nämlich länger in die AHV einzahlen und später dann weniger lang ihre Rente beziehen. Hierzulande existiert ein seltsames Tabu. Die Schweiz hat zwar laut OECD-Studie die weltweit höchste Lebenserwartung und tut sich jedoch äusserst schwer mit der Erhöhung des Rentenalters. Mehr als die Hälfte der OECD-Staaten, mit weit weniger hohen Werten, haben hingegen ihr Pensionsalter bereits auf 67 angehoben.

Wie wäre längeres Arbeiten realisierbar?

Jerôme Cosandey: Es erscheint mir vor allem wichtig, eine Flexibilisierung des Arbeitspensums so einfach wie möglich zu machen. Bereits ein Drittel der Arbeitnehmer arbeitet nach dem gesetzlichen Rentenalter in kleineren Pensen weiter. Zudem muss der Produktionsdruck bei älteren Arbeitskräften reduziert werden – so bliebe genügend Raum für Enkelbetreuung, Freizeit und Pflege betagter Angehöriger.

Monika Stocker

Monika Stocker
Legende:Keystone

Monika Stocker, Jahrgang 1948, war bis 2008 grüne Stadträtin und Vorsteherin des Sozialdepartements der Stadt Zürich. Seit ihrer Pensionierung arbeitet die studierte Sozialwissenschafterin als Beraterin. Sie engagiert sich ehrenamtlich bei diversen Projekten und ist Mitglied des Think-Thanks «Grossmütterrevolution».

Ist es den Jungen gegenüber unfair, dass immer weniger von ihnen für immer mehr Senioren arbeiten müssen?

Monika Stocker: Unfair? Ganz und gar nicht! Wer das behauptet, macht einen groben Denkfehler. Alte sind nicht alt zur Welt gekommen. Auch sie durchliefen Ausbildungen, waren lange Berufstätig und haben Junge gefördert und finanziert. Sie haben für ihre alternden Eltern gesorgt und eine Generation unterstützt, die noch nicht im heutigen Mass von der AHV profitiert hat. Jede Generation ist irgendwann für die vorherige zuständig. So ist der Generationenvertrag in unserer Gesellschaft und das ist gut so!

Wie sieht die Renten-Situation in der Schweiz in 30 Jahren aus?

Monika Stocker: Sie sollte existenzsichernd sein.

Jerôme Cosandey: Bis dahin haben wir das Pensionsalter angehoben. Die gesamte Wirtschaft ist in 30 Jahren sicher deutlich flexibler – auch für die Jungen. Unsere heutige Altersguillotine ist bis dahin Schnee von Vorgestern!

SRF

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Knecht , Torny
    Die ältere Generation hatte schon einiges geleistet, nur mit der 2-Kind oder "unfallmässigen" 3-Kind-Familien in den 70ern hatten sie doch schon einiges an Luxus geniessen können und zugleich den Grundstein gelegt, dass es zuwenige Einzahler in die AHV und PK gibt. Da sägte man sich den Ast ab auf dem man sass. Und nun Staatsanleihen von Griechenland, Italien, Spanien usw. it einem grossen Zinssatz kaufen ist keine Lösung, da dies in den Ländern neue Problem generiert.
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  • Kommentar von Hans Knecht , Torny
    Herr Jerôme Cosandey übersieht meines Erachtens, dass für ältere Arbeitnehmer die Arbeitgeber einen wesentlich höheren Pensionskassenbeitrag leisten müssen. Alleine schon deswegen wäre es für ein "gewinnorientiertes" Unternehmen Menschen mit 50+ auf die Strasse zusetzen, zumal heute Qualität und folglich Berufserfahung leider nichts mehr zählen. Kommt noch hinzu, dass somanche Manager heute quasi Katalogmässig einen rund um perfekten (jungen) manipulierbaren Mitarbeiter wollen.
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  • Kommentar von Marlene Zelger , 6370 Stans
    Ich kenne eine ledige, pensionierte Frau, die nimmt Aufträge bis zur Bewusstlosigkeit an und findet fast keine Freizeit mehr für Ausflüge, Konzertbesuche etc. Frage ich sie mal, gemeinsam etwas zu unternehmen, höre ich immer den gleichen Satz: "Keine Zeit, habe einen Termin". Es scheint, dass sie den Verlust ihrer geliebten, ebenfalls ledigen Zwillingsschwester, mit der sie den dritten Lebensabschnitt hätte verbringen können, mit Arbeit kompensieren will.
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    1. Antwort von Patrik Schaub , Zunzgen
      Wie heisst doch des CH-Rentners Lieblingsspruch: "Ich bin pensioniert, ich habe keine Zeit". Na ja, ist ja schön, wenn man im Alter noch so engagiert und gefragt ist. Aber die Zeit, mal die Hände in den Schoss zu nehmen, darf trotzdem nicht fehlen ...
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    2. Antwort von M.Kaiser , Rebstein
      Solche Leute braucht unser Land -damit die verschwendeten Gelder der Machthaber wieder wett gemacht werden . Meine Mutter zeigte mir ab und an ihre zerfurchten Hände und sagte dabei , die haben die Arbeit gesehen - ja sagte ich, Mutter und dafür bekommst du nun eine magere Rente weil du 20 Jahre kostenlos der Familie gedient hast und dafür Fehljahre für eine volle AHV als Lohn bekommst, die nicht ausreicht dich menschenwürdig zu versorgen. Schämt euch ihr Volksvertreter mit den sauberen Händen !
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