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Besserer Schutz auf der Flucht Schwierige Libyen-Gespräche in Bern

Legende: Video Was können die Gespräche in Bern bewirken? abspielen. Laufzeit 3:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 12.11.2017.
  • In Bern trifft sich heute Montag die «Kontaktgruppe zentrales Mittelmeer».
  • Minister afrikanischer und europäischer Staaten erörtern Massnahmen zum Schutz von Flüchtlingen und Migranten in Libyen und auf der Migrationsroute nach Libyen.
  • Die Kontaktgruppe dient dem Austausch zwischen Ländern, die von der Migration über die zentrale Mittelmeerroute betroffen sind.
  • In Tripolis selbst nimmt von diesen Gesprächen kaum jemand Notiz.

Bei den bisherigen zwei Treffen ging es primär um die Grenzverwaltung, insbesondere um die Stärkung der libyschen Küstenwache. Beim dritten Treffen, zu dem Asylministerin Simonetta Sommaruga eingeladen hat, steht nun der Schutz im Vordergrund. Das hat die Schweiz als Veranstalterin festgelegt. Zu den grossen Problemen gehören die Haftzentren in Libyen, wo Tausende unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten werden.

Die Schweiz will sich dafür einsetzen, dass die Situation in diesen Lagern verbessert wird. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und das IKRK sollen Zugang erhalten. Zur Diskussion steht auch, international geführte Zentren zu eröffnen, speziell für besonders verletzliche Flüchtlinge wie Kinder und ältere Menschen.

SRF-Korrespondent Philipp Zahn, der sich aktuell in Tripolis aufhält, sagt, hier nehme niemand Notiz von diesem Treffen. Er könne sich auch nicht vorstellen, dass die Regierungen neue Regelungen aus der Schweiz umsetzen würde. Die Eindrücke aus den Flüchtlingslagern seien schlimm. Dennoch könne man nur Bilder vermitteln, nicht wirklich etwas ändern, glaubt Zahn.

Sichere Migrationswege als Schutz vor Schmugglern

Die Bemühungen beschränken sich aber nicht auf Libyen: Das Ziel ist viel mehr, die gesamte Region einzubeziehen. In den Transitländern auf der Migrationsroute sollen Asylstrukturen aufgebaut werden, die internationale Standards erfüllen.

Weiteres Thema des Treffens ist die Bekämpfung von Menschenschmuggel. Die Staaten wollen die Polizeizusammenarbeit verbessern. Damit sich Flüchtlinge nicht Menschenschmugglern ausliefern, braucht es zudem sichere und reguläre Migrationswege. Auch darüber wollen die Minister sprechen.

Nicht im Vordergrund steht derzeit die Evakuierung von Flüchtlingen aus Libyen. Zwar sucht das UNHCR nach Wegen, um besonders verletzliche Personen herauszuholen, doch gestaltet sich das angesichts der Situation in Libyen als schwierig.

Linke drohen mit Protesten

Eine Möglichkeit wäre, anerkannte Flüchtlinge nach Niger zu bringen. Niger ist einverstanden, eine solche Zwischenstation anzubieten, wenn andere Staaten anerkannte Flüchtlinge von dort aus aufnehmen, wie Sommaruga in Interviews sagte. Sie kündigte gleichzeitig an, die Schweiz sei bereit, die Teilnahme an einem neuen Resettlement-Programm zu prüfen, also Flüchtlinge aufzunehmen.

Rechtsbürgerliche Politiker kritisierten dies. Sie befürchten, dass sich mehr Menschen auf den Weg nach Libyen machen könnten, wenn die Chance besteht, ohne gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.

Auf linker Seite stösst eine andere geplante Massnahme auf Skepsis: Migranten, die in Europa kaum Aussicht auf Asyl haben, sollen in Libyen zur Rückkehr ins Herkunftsland bewogen und dabei unterstützt werden. Entlang der Migrationsroute würden entsprechende Zentren geschaffen.

Linke Gruppierungen haben mit Blick auf das Treffen in Bern Protestaktionen angekündigt. Das eigentliche Ziel sei es, die Menschen von Europa fernzuhalten und die Probleme nach Afrika auszulagern, kritisieren sie. Dazu sagte Sommaruga, viele Migranten, die sich in Libyen aufhielten, möchten in ihr Herkunftsland zurückkehren.

Wir müssen mit den afrikanischen Staaten diskutieren, nicht über sie.
Autor: Simonetta SommarugaJustizministerin

Entscheide kann die «Kontaktgruppe zentrales Mittelmeer» nicht fällen, doch soll eine Erklärung auf Ministerebene verabschiedet werden. Die Gruppe gebe wichtige Impulse für Diskussionen in der EU und der UNO, sagte Sommaruga. Und sie biete ein Forum zur Diskussion mit den afrikanischen Ländern: «Wir müssen mit den afrikanischen Staaten diskutieren, nicht über sie.»

Bereits zwei Treffen im laufenden Jahr

Die Kontaktgruppe wurde auf Initiative des italienischen Innenministers ins Leben gerufen. Ein erstes Treffen fand im März in Rom statt, ein zweites im Juli in Tunis. Der Anlass in Bern beginnt am Abend mit einem offiziellen Essen, an dem Aussenminister Ignazio Cassis teilnehmen wird. Das Arbeitstreffen wird von Bundespräsidentin Doris Leuthard eröffnet.

Eingeladen sind Ägypten, Algerien, Deutschland, Frankreich, Italien, Libyen, Mali, Malta, Niger, Österreich, Slowenien, Tschad und Tunesien sowie der EU-Kommissar für Inneres und Migration, die estnische EU-Ratspräsidentschaft und der Europäische Auswärtige Dienst. Zudem sind die IOM, das UNHCR und erstmals auch das IKRK eingebunden.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von max baumann (phönix)
    Es wäre an der Zeit, dass die Verantwortlichen für die Misere in die Pflicht genommen würden. Unter Gaddafi funktionierte Libyen ... und heute ? Das gleiche im Irak : bevor die USA Kriege anzettelten funktionierte der Staat und nachher ? Plünderungen, Religionskämpfe, IS Gründung usw.
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  • Kommentar von Gisela Niedermann (Gisela Niedermann)
    Ägypten macht es vor, Flüchtlingsströme zu reduzieren: Denn falls Ägyptens Geburtenrate so hoch bleibt, droht dem Staat Bankrott, der Bevölkerung Hunger und Armut und der gesamten Region Instabilität. Kairo will mit einem neuen Programm gegensteuern. „Itnein Kifaja“ „Zwei sind genug“ lautet die Kampagne, die Ägyptens dringlichstes Problem löst. Denn das Land ist nicht nur bereits jetzt das bevölkerungsreichste der arabischen Welt, sondern nach dem kleinen Jemen das mit der höchsten Geburtenrate.
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  • Kommentar von Thomas Steiner (Tom Stone)
    Die UNterstützung würde da beginnen, wo man hilft, dass es keine Flüchtlinge braucht. Aber gleichzeitig Waffen verkaufen, eigene Interessen verfolgen und auch noch die Situation der Flüchtlinge verbessern geht halt nicht. Hier versucht man sich gegenseitig den Schuh zuzuschieben.
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