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Bundesratswahlen 2015 Guy Parmelin: Vom Landwirt zum Bundesrat

Erst wurde er als Alibi-Kandidat aus der Romandie bezeichnet, als er aber auf dem SVP-Dreierticket landete, wurde Parmelin zum Aussenseiter mit Chancen. Nun folgt der Waadtländer tatsächlich auf Eveline Widmer-Schlumpf und wird zweiter SVP-Bundesrat – ein Kurzporträt.

Nach drei Legislaturen als Nationalrat ist Guy Parmelin der Sprung in die Exexutive geglückt – er wird neben Ueli Maurer zweiter SVP-Bundesrat. Dies auf Anhieb, nachdem er bei seinem ersten Versuch 2011 vorzeitig Parteikollege Jean-Fançois Rime den Vortritt geben musste.

Legende: Video «Frau Parmelin: Ihr Mann sei «ein kollegiales Arbeitstier»» abspielen. Laufzeit 1:42 Minuten.
Vom 09.12.2015.

Herkunft

Guy Parmelin stammt aus dem waadtländischen Weinbauerndorf Bursins oberhalb des Genfersees. Will heissen: nebst Didier Burkhalter (NE) und Alain Berset (FR) erhält die Romandie mit Parmelin einen dritten Bundesrat.

Noch heute lebt der 56-Jährige mit seiner Frau auf dem Familienhof. Zusammen mit seinem Vater und Bruder bewirtschaftet Parmelin in Bursins 30 Hektaren Getreide und fünf Hektaren Wein.

Ausbildung und Werdegang

Nach einer Maturität mit Schwerpunkt Latein und Englisch absolvierte Parmelin die Landwirtschaftsschule in Marcelin (VD). Von 1993 bis 1999 war der Waadtländer Gemeinderatspräsident von Bursins. 1994 wurde er Mitglied im Grossen Rat. Von 2000 bis 2004 war er zudem Präsident der SVP Waadt.

2003 gelang Parmelin der Einzug in den Nationalrat. Zuletzt war er Präsident der Gesundheitskommission. Bereits als Nationalrat investierte der Landwirt und Weinbauer deutlich mehr Zeit in die Politik als in den Familienhof.

Porträt von Guy Parmelin links, rechts sein Smartspider-Profil.
Legende: Der neue SVP-Bundesrat und seine politische Ausrichtung in der Smartspider-Ansicht. Smartvote

Politische Standpunkte

1992 befürwortete Parmelin noch den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum. Er steht zu seinem Gesinnungswandel und vertritt heute weitgehend die Blocher-Linie. So sass der Waadtländer beispielsweise im Komitee der Masseneinwanderungsinitiative. 2003 war der Landwirt zudem auf Geheiss der Partei bereit, Mitglied der Sozial- und Gesundheitskommission zu werden.

Andere Parlamentsabgeordnete attestierten ihm gute Dossierkenntnis, aber auch Kompetenz und Kompromissfähigkeit. In Gesellschaftsfragen, wie zur Abtreibung oder der Präimplantationsdiagnostik, vertritt er zudem eine andere Position als die Partei selbst.

Legende: Video «Politikwissenschaftler Adrian Vatter zum Format von Guy Parmelin» abspielen. Laufzeit 1:08 Minuten.
Vom 09.12.2015.

Ausblick

Parmelin wird bemüht sein, die SVP-Parteiinteressen stärker in die Exekutive zu tragen. Die Regierung erhält eine kritische Stimme, zumindest gegenüber der eingeschlagenen Asyl-, Migrations- und Europapolitik.

Die Zuschreibung einer Alibi-Rolle wird sich der Waadtländer wohl nicht so schnell wieder gefallen lassen müssen.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Beutler (Peter Beutler)
    Die SP wird von den Politkommentatoren total unterschätzt. Sie hat sich bei der Bundesratswahl pragmatisch verhalten. Die SP hat bei den NR-Wahlen 2015 keine Stimmen verloren, bei den SR-Wahlen sich sogar von 11 auf 12 Mandate gesteigert, der SVP demütigende Niederlagen verabreicht. Ohne die Stimmen der SP würde der neue BR Äschi heissen. Die hat selber im SVP-Ticket aktiv mitgemischt. Damit den ganz Rechten die Wahl vermasselt. Zur masslosen Enttäuschung einiger (selbsternannten) Meinungsmacher
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  • Kommentar von Thomas Pirovano (Thomas Pirovano)
    Ich bin zufrieden mit der Wahl von Guy Parmelin. Er war mein Favorit. Nun ist wieder das Waadtland im Bundesrat vertreten.
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (parteilos!!)
    Ich gratuliere Guy Parmelin zur Wahl als Bundesrat!
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