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Schweiz «Das ist ein Tolggen im Reinheft»

Die Kantone streiten sich, ob Französisch in der Primarschule unterrichtet werden muss. Auf Bundesebene wurde der Drohfinger erhoben: Wenn sich die Kantone nicht bewegen, setze sie der Bund in Bewegung. Die Warnung ist bei den Erziehungsdirektoren angekommen.

Es gibt viel zu tun im Schulwesen. Seit Freitag könne man sagen, dass die Kantone ihre Zusammenarbeit verstärkt hätten, erklärt Christoph Eymann, Präsident der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) in der «Samstagsrundschau».

Wenn man aber die Benotung vor zehn Jahren hätte machen müssen, dann wäre er einverstanden: Das wäre ein schlechtes Zeugnis für die Erziehungsdirektoren. Man hatte sich damals im deutschsprachigen Raum nicht auf eine gemeinsame Fremdsprache einigen können. «Das ist sehr schade und das ist tatsächlich ein Tolggen im Reinheft», erklärt Eymann.

Auf der anderen Seite habe man im 2004 den Kompromiss gemacht, den man hinbekommen hat und dieser wird umgesetzt und in 23 Kantonen gelebt. So gesehen dürfe man auch jetzt den Erziehungsdirektoren ein gutes Zeugnis ausstellen. Und dann müsse man daran denken, dass wir alle in der Schule gewesen seien und deshalb alle gerne mitreden. Somit sei es nicht einfach mit 26 Kantonsregierungen und –parlamenten.

Die EDK wird 2015 Bilanz ziehen

Dennoch gibt es immer noch Kantone, die kein Frühfranzösisch in der Primarschule unterrichten. Dies entspreche aber dem Kompromiss von 2004 und der werde eingehalten, betont Eymann weiter. Das sei durchaus vertretbar und mit dem könne man leben, nämlich mit dem, dass im dritten und fünften Schuljahr der Primarschule zwei Fremdsprachen gelehrt werden – eine davon eine Landessprache.

Was macht man mit den Kantonen, die sich an dieses Abkommen nicht halten? Die Erziehungsdirektorenkonferenz habe den Auftrag erhalten, 2015 eine Bilanz vorzulegen. Dabei wolle die Konferenz wissen, wie die Kantone die Harmoniserungsziele erfüllt haben. Und dabei werden wir auch sehen, ob ein Kanton noch nicht damit angefangen hat, eine Fremdsprache in der Primarschule zu unterrichten. Und wenn dann die Auslegeordnung vorhanden sei, dann könne man die weiteren Schritte unternehmen.

Eymann und Berset in einem Türrahmen gehend.
Legende: Sie sind sich einig: EDK-Präsident Christoph Eymann (links) und Bundesrat Alain Berset. Keystone

Umsetzung der Vorgaben als Problem

Eymann zeigte sich auch froh, dass der Mahnfinger von Bundesrat Alain Berset an die Kantone ergangen ist. Dieses Damoklesschwert – nämlich dass der Bund bei Nichteinhalten der Harmonisierungsziele eingreifen werde - schwebe nun über den fehlbaren Kantonen, so Eymann weiter.

Eymann ortet vor allem das Problem in der Umsetzung der Vorgaben, welche der Bund gegeben hat. Nach der Abstimmung von 2006 zum HarmoS-Konkordat habe sich der Bund in die Belange der Kantone eingemischt. Dies dürfe er. Man wollte aber die Souveränität der Kantone nicht untergraben, forderte sie aber auf, sich wenigstens anzunähern. Und diese Umsetzung sei schwierig, erklärt Eymann weiter. Hier sei es verständlich, dass jeder Kanton seine Lösung als die Allgemeingültige favorisiere.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Guck, Zurich
    Die Schweiz hat eindeutig zuviel Leerlauf in den Kantonalen Erziehungs-Departementen und es wird zuviel unnnötiges Papier produziert. Für jede Landessprache ein zentrales Schuldepartement würde genügen und es wäre einfacher, für alle ein einheitliches System zu finden. Aber eben, der Selbsterhaltungstieb der Verwaltungen steht dem normalen Menschenverstand gegenüber.
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  • Kommentar von Paul Beaumont, Pfaeffikon
    Es ist wohl eher ein Problem fuer die Lehrer. Die Schueler bewaeltigen viel mehr als manche glauben. Aber sind die Lehrer ueberall in der Lage den Forderungen nachzukommen? Hier liegt der Hund begraben.
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    1. Antwort von Marlene Zelger, Pfaeffikon
      Ich weiss nicht, ob die heutigen Lehrer noch aus Idealismus und Freude am Beruf diesen ergreifen. Denn es ist heutzutage kein Schleck, mit so vielen Kulturen, Ethnien und Religionen im Klassenzimmer fertig zu werden. Deshalb lassen sich die Lehrer nicht gerne noch mehr anspannen. Einesteils begreiflich, anderseits aber schade, sollte das Französisch in der Primarschule nicht durchkommen.
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  • Kommentar von H. Straumann, Zürich
    Die Politiker sollten sich darauf beschränken, dass die Oberstufen-Abschlüsse der Kantone allgemein brauchbar und gültig sind, inkl. Landessprachen. Kantone und Gemeinden organisieren und bezahlen ihre lokalen Primarschulen, nicht der Bund oder die EDK. Die Praktiker wissen, dass zwei Früh-Fremdsprachen (mindestens) eine zuviel ist, aber sind sich nicht einig, welche. Na und? Solche Details sollen kantonal, also bürgernah entschieden werden, übertriebener Zentralismus macht nur Ärger.
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