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Schweiz Die Blackout-Gefahr ist gebannt

Im Dezember hatte Swissgrid vor einem möglichen Blackout gewarnt. Nun gibt der nationale Stromnetzbetreiber Entwarnung. Doch es bleibt die Frage: Wer ist für die Versorgungssicherheit verantwortlich? Seit der Teilliberalisierung des Strommarkts ist dies nicht mehr so klar.

Symbolbild: Strommasten im Licht der untergehenden Sonne bei bewölktem, nebligem Wetter.
Legende: Die Lage hat sich entspannt, es droht kein Blackout mehr, sagt Swissgrid. Keystone

Ende vergangenen Jahres hatte Swissgrid mitgeteilt, dass die Energiereserven in der Schweiz knapp seien. Nun gibt die Stromnetzgesellschaft «umfassende Entwarnung». Dank des milden Wetters und weil unter anderem die Netztransferkapazität an den Grenzen zu Frankreich, Deutschland und Österreich erhöht wurde, habe sich die Lage entspannt, heisst es von Swissgrid.

Transformatorenleistung aufgestockt

In der Tat seien Swissgrid und die anderen Player in der Strombranche im Dezember vom drohenden Problem mit dem Hochspannungsnetz überrascht worden, sagt SRF-Redaktor Christian von Burg. «Es war ein heilsamer Schock.»

Swissgrid sei zu Beginn des Winters nicht bewusst gewesen, wie gross der Mangel an Transformatoren zur Umwandlung des Stroms aus dem Ausland war. Inzwischen sei man daran, die Transformatoren-Leistung an der Grenze – der Hochspannungsstrom aus Deutschland muss von 380 auf 220 Kilovolt transformiert werden – auszubauen. Bis nächsten Winter sollte dieser Ausbau soweit sein, dass auch in prekären Situationen genügend Strom ins Schweizer Netz geleitet werden kann, so von Burg.

Es gibt Klärungsbedarf

Die Stromknappheit zu Beginn des letzten Winters haben jedoch auch die Schweizer Stausee-Betreiber mitzuverantworten: Sie konnten im Herbst ihren Strom zu guten Preisen nach Italien verkaufen, was dazu führte, dass sich die Stauseen so schnell leerten, wie nie zuvor. «Jetzt spielen sich die verschiedenen Player den schwarzen Peter gegenseitig zu», so von Burg. «Es stellt sich die grundsätzliche Frage, wer in einem solchen Fall die Verantwortung für die Versorgungssicherheit trägt.»

Laut von Burg zeigt sich, dass die Regelungen dazu zu wenig klar sind: «Die Stromfirmen, der Bund und die Aufsichtsbehörde Elcom müssen sich jetzt zusammensetzen», die Verantwortlichkeiten müssten klar geregelt werden.

Gewinn gesteigert

Swissgrid gab an der Medienkonferenz auch ihre Bilanz für das letzte Jahr bekannt: So konnte die Netzgesellschaft beim Gewinn ein weiteres Mal zulegen und den Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf gut 153 Millionen Franken steigern. Das sind 8,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Deutlich nahm auch das Unternehmensergebnis auf 88 Millionen Franken zu (plus 9 Prozent).

Der höhere EBIT und das gesteigerte Unternehmensergebnis sind laut Swissgrid «vor allem eine Folge der per 5. Januar 2015 übernommenen Netzanlagen, welche im Vergleich zum Vorjahr zu einer deutlichen Erhöhung des betriebsnotwendigen Vermögens führten».

Netz-Ausbaukosten werden steigen

Aufgrund des positiven Geschäftsverlaufes beantragt der Swissgrid-Verwaltungsrat eine höhere Gewinnausschüttung von neu rund 21,5 Millionen Franken (Vorjahr: 13 Millionen Franken).

Für die kommenden Jahre rechnet die Gesellschaft mit einem höheren Investitionsbedarf. Swissgrid plant, jährlich rund 180 Millionen Franken in die Modernisierung des Strom-Übertragungsnetzes zu investieren.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Alex Kramer (Kaspar)
    Das tönt doch einmal mehr nach Rosinenpickerei: Die Gewinne nimmt man mit und die bis dahin recht reibungslos vom Staat betriebene Versorgung und deren sehr hohe oder gar höchste Ausfallsicherheit steht plötzlich zur Debatte. Dies, nachdem man im Abstimmungskampf noch vollmundig behauptet hatte, dass man alles besser könne als der Staat. Mittlerweile haben wir ja genug dieser Müsterchen analog der KKW Rückbaufonds vorgesetzt bekommen um berechtigt sagen zu können: Es reicht! Oder eben nicht...
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