Die Energiewende kommt von unten

Stromkonzerne und Politik zaudern. Doch das Volk setzt bereits auf nachhaltige Energie. Hohentannen (TG) geht neue Wege und will sich selber versorgen. Kleine, dezentrale Energieerzeugungsanlagen statt Grosskraftwerke. Ist das der Weg zur Energiewende?

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Energiewende

8:12 min, aus Rundschau vom 5.6.2013

«Wir in Hohentannen gehen einen eigenen Energieweg», bringt Christof Rösch das Projekt «gemeindepower.ch» auf den Punkt. Der 46jährige Gemeindepräsident der Thurgauer Gemeinde hat zusammen mit dem restlichen Gemeinderat vor sechs Jahren den Anstoss gegeben.

Wertschöpfung der natürlichen regionalen Ressourcen

«Wie ein Virus» verbreite sich seitdem die Energiewende in der 600 Seelen-Gemeinde. Dabei ist das idyllische Dorf trotz Hochplateaulage keine Hochburg der Grünen.

Zwei Häuser, wovon eines Solaranlagen auf dem Dach hat.

Bildlegende: Hohentannen lebt die Energiewende: Ein Drittel des Strombedarfs kommt von Solaranlagen. thurgau tourismus

«Es geht uns um Wertschöpfung» betont Rösch gegenüber der «Rundschau». Das Holz für den Nahwärmeverbund komme aus den heimischen Wäldern. 38 Häuser sind bereits an das Netz angeschlossen. Insgesamt werden 75 Prozent aller Häuser mit Holz beheizt.

Und auch beim Strom strebt Hohentannen nach Selbständigkeit: Bereits 1 Million Kilowattstunden werden in der Gemeinde mit Photovoltaikanlagen erzeugt und ins eigene Netz eingespeist. Ein Drittel des Strombedarfs von Hohentannen wird so sichergestellt. Die restlichen zwei Drittel liefert das Elektrizitätswerk des Kantons – nur aus Wasserkraft.

Genügend erneuerbare Energie ab 2035

Die Energiewende ist machbar. Ohne konventionelle thermische Kraftwerke, allein mit erneuerbaren Energien. Dies sagt ETH-Professor Anton Gunzinger. Der Elektroingenieur ist mit Hochleistungscomputern berühmt geworden Er hat den Energiemix der Zukunft durchgerechnet.

«Unsere Simulationen zeigen, dass wir eigentlich genügend erneuerbare Energien produzieren können», so Gunzinger. Bereits 2035 könnten genügend neue erneuerbare Energien zur Verfügung stehen. Die Schweiz könnte im Strombereich autark sein,  ist Gunzinger überzeugt.

Widersprüchliche Szenarien

Ständerat Pankraz Freitag (FDP/GL) ist wie viele bürgerliche Politiker skeptisch, was das Potenzial erneuerbarer Energieträger betrifft: «Das wird so nicht reichen» sagt er. Es sei zu teuer und auch die Umsetzung sei schwierig.

Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE geht davon aus, dass im Jahre 2050 noch konventionelle thermische Kraftwerke notwendig sind. Im Gegensatz dazu hält die Schweizerische Energiestiftung SES die Energiewende schon 2035 für möglich. Und zwar nur mit Wasserkraft und neuen erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind, Biomasse und Geothermie.