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Schweiz «Die Expo 64 war besser organisiert als die Expo 02»

Die Expo 1964 in Lausanne stiess im Vorfeld auf wenig Resonanz. Am Ende aber wurde sie zum «Gesamtkunstwerk» mit zwölf Millionen Besuchern. Zwei Zeitzeugen blicken zum 50-jährigen Jubiläum zurück.

Die Landesausstellung von 1964 in Lausanne zeigte eine Schweiz, die man so noch kaum kannte. Eine moderne, vom Fortschritt und von der Zukunft faszinierte Schweiz.

Die vor 50 Jahren eröffnete Ausstellung gilt als spektakulärste Expo der Schweizer Geschichte, als eigentliches Gesamtkunstwerk. Fast 12 Millionen Menschen bestaunten Jacques Piccards Touristen-U-Boot «Mésoscaphe», den 80 Meter hohen Aussichtsturm, neuartige Transportmittel wie die Monorail oder die «Heureka»-Maschine von Tinguely.

Legende: Video Architekt Rodolphe Lüscher: «Die Expo64 war ein Gesamtkunstwerk» abspielen. Laufzeit 04:32 Minuten.
Aus News-Clip vom 25.04.2014.

Längst sind die Pavillons am Genfersee verschwunden. Zeitzeugen erinnern sich dennoch gerne zurück. So zum Beispiel Architekt Rodolphe Lüscher. «Man stand nie an», erinnert er sich, «ausser im Restaurant, weil das Essen so gut war», fügt er schmunzelnd an. Das sei an der Expo 02 anders gewesen.

Die Komposition der einzelnen Pavillons war gemäss Lüscher 1964 besser organisiert: «Man konnte sich mit Hilfe des Schnelldurchgangs effizient einen Überblick des jeweiligen Pavillons verschaffen». Interessierte der Inhalt nicht tiefer, konnte man schnell weiter ziehen. Schlangen entstanden so keine. «An der Expo 02 habe ich fast keinen Pavillon besucht, weil ich keine Lust hatte zum Anstehen», sagt Lüscher.

Der Architekt war an der Expo 64 als Betreuer und Auskunftsperson für den Pavillon ‹Der Weg der Schweiz› verantwortlich. «Meine Aufgabe war unter anderem das Ein- und Ausschalten der ‹Heureka›-Maschine von Tinguely». Lüscher lernte Tinguely während der Expo persönlich kennen.

«Bereichernde Momente»

Es tat sich eine ganz neue Schweiz auf am extra für die Expo aufgeschütteten Ufer des Genfersees. Eine, die hungrig war nach Neuem, trunken von den Versprechungen der Zukunft. Lüscher spricht rückblickend von «bereichernden Momenten». Die Hauptrollen spielten die Technologie, die Kunst und die Architektur, die der Landesausstellung den Rahmen gaben. Letzter sichtbarer Zeuge davon ist Max Bills Pavillon, heute das Théatre de Vidy. Für Rodolphe Lüscher, damals als junger Architekt dabei, war es Freiheit pur.

An sein kurzes Treffen mit dem wohl grössten Schweizer Architekten und Künstler seiner Zeit hat er aber keine guten Erinnerungen. «Max Bill wirkte überheblich», so Lüscher, «aber als so grosser Künstler durfte er das auch ruhig sein.»

Legende: Video OK-Mitglied Demartines: «Deutschschweizer waren zuerst zögerlich» abspielen. Laufzeit 03:06 Minuten.
Aus News-Clip vom 25.04.2014.

Kampf gegen das Desinteresse

Im Vorfeld der Ausstellung war eine wichtige Aufgabe des Organisationskomitees, das Interesse der Schweizer Bevölkerung zu wecken. «Dies taten wir unter anderem mit einem ‹Umzug der Kantone› in Lausanne», sagt das damalige OK-Mitglied Jean-Jacques Demartines.

«Vor allem die Deutschschweizer kamen zuerst nur sehr zögerlich», erinnert sich Demartines weiter. Es sei kalt gewesen im April 1964, und es regnete dauernd. Zudem sei das Werbeplakat zwar schön, aber zu abstrakt gewesen.

Es thematisierte mit einem Kreuz die Schweiz am Scheideweg Richtung Zukunft. «Dann haben wir rasch ein anderes Plakat machen lassen mit den bunten Segeldächern im Hafen». Das habe die Leute mehr angesprochen und angelockt.

Von der Zukunft eingeholt

Die Expo 64 wollte zeigen, wie die Schweiz die Zukunft angeht. Von ernsthaft bis verspielt absurd, wie mit Tinguelys «Heureka».

Jean-Jacques Demartines sieht sich – heute von dieser Zukunft eingeholt – teilweise bestätigt. «Die Wohnungsnot, die demografischen Veränderungen, den rasenden wissenschaftlichen Fortschritt – das haben wir alles thematisiert. Natürlich hatten wir George Orwells ‹1984› längst gelesen. Aber den heutigen ‹Big Brother›, die sozialen Netze, wo jeder alles über jeden weiss, das hatten wir nicht vorausgesehen.»

Die Missgunst des Bundesrats

Der Bundesrat stand der Expo kritisch gegenüber. «Er wollte ganz genau wissen, ob das Land mit der Expo revolutioniert werde, oder brav und langweilig bleibt», so Demartines. Es sollte keine Kritik geäussert werden, wo die «Dinge im Grossen und Ganzen in Ordnung sind». «Der Erfolg zeigte aber, dass wir alles andere als banal waren». Mehr dazu hier.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von P-A Bertholet, 5004 Aarau
    Ich war auch dort! Zuerst mit Lastwagen, (Lieferungen) und zuletzt als Zuschauer! Es war richtig schön und sehr interessant!
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    ich habe die EXPO 64 noch sehr gut in schönster Erinnerung. Ich war drei Mal dort, einmal mit unserer Handelsschulklasse (Diplomabschluss im gleichen Jahr. Man erlebte an der EXPO die traditionelle Schweiz in Aufbruchstimmung, eine tolle gesunde Kombination. Die Schweiz von damals gab sich aufgeschlossen und zukunftsorientiert, schämte sich aber nicht ihrer einzigartigen Werte und kulturellen Traditionen, wie dies heute leider der Fall ist.
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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Damals war die Schweiz eben noch die Schweiz der Schweizer, die sich gerne schweizerische fühlten und sich dessen nicht schämten. Und was ist heute aus dieser, damals schon weltoffenen Schweiz geworden ? -
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    1. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Tja, wenn man die Antworten von Heute zu den Gulliverfragen vergleicht, erstaunt es nicht, dass die Prozentzahlen merklich gestiegen sind - wenn SRF halt linksinfizierte Leute gefragt hat. Tja, auch der Bundesrat hat sich zum Nachteil gewandelt - von der Landesregierung zu EU-Kuschelregierung. Nur hätte der damalige Bundesrat die Antworten nicht vernichten dürfen. In dieser Sache war er schon pingelig.
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    2. Antwort von Hans Brönnimann, St-Prex
      Ja, es war die Zeit in der in Wohnungsinseraten oft präzisiert wurde, dass Italiener unerwünscht seien. Ob sich dies die in der Zwischenzeit eingebürgerten Nachkommen, die sich heute häufig hinter die xenophoben Initiativen stellen, bewusst sind?
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