Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz Die Jugend ist interessierter als man denkt

Die 17-Jährigen von heute sind interessiert, pragmatisch und: Sie haben ähnliche Meinungen wie ihre Eltern. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der eidgenössischen Kinder- und Jugendkommission.

Legende: Video Hauptproblem EU abspielen. Laufzeit 02:27 Minuten.
Aus Tagesschau vom 22.06.2015.

Die heutigen Jugendlichen sind keine Revoluzzer wie jene anno 1968 – sie haben ähnliche Haltungen wie ihre Eltern. Als Hauptproblem geben die meisten die Zuwanderung an. Auch sind sie gegen einen EU-Beitritt und bekennen sich zum Militär. Sie tendieren zur politischen Mitte. Die Hälfte der befragten Jugendlichen will die Wirtschaft nicht stark einschränken, sie hat Vertrauen in den Markt.

Dies zeigt eine Befragung, welche die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen EKKJ unter fast 2000 Jugendlichen im Alter von 17-Jahren.

Drei Viertel wollen im Herbst zur Wahl

Alexandra Molinaro von der EKKJ verteidigt diese Jungen, deren Ansichten auf den ersten Blick so langweilig tönen: «Sie können ihre Meinung klar und differenziert äussern», betont sie. Ausserdem seien die Jugendlichen interessiert und würden auch mitreden wollen.

Das habe man schon allein am grossen Interesse der Befragung gesehen. Viele hätten nicht nur ihre Kreuze gesetzt, sondern auch Kommentare hingeschrieben. Dass die Jungen mitreden wollten, zeige auch ihre Absicht, an den eidgenössischen Wahlen im Herbst teilzunehmen. So gaben drei Viertel von ihnen an, dass sie an diesen, für sie ersten Wahlen als mündige Stimmbürger an die Urne gehen wollten.

Mehr politische Bildung nötig?

Das ist für Michelle Beyeler überraschend. Sie ist Dozentin an der Berner Fachhochschule und Projektleiterin der Jugend-Befragung. «Das bedeutet, dass Politik bei der heutigen Jugend nicht derart am Rand steht, wie man immer gedacht hat», sagt sie.

Die Jungen möchten aber zu verschiedenen Themen mehr wissen. Sie kreuzten auf dem Fragebogen denn auch oft «ich weiss nicht» an. Auch bei Fragen , die sie betreffen, wie etwa der Militärdienst. Das Thema EU empfanden viele 17-Jährige als komplex.

Projektleiterin Beyeler sieht Handlungsbedarf: «Politische Bildung müsste man wohl etwas weniger stiefmütterlich behandeln», sagt sie. Gerade im Hinblick darauf, dass die Jugendlichen ja bald am politischen Entscheidungsprozess teilnehmen werden.

Unterschiede nach Geschlecht und Hintergrund

Die Befragung zeigt auch: «Die Jugend» gibt es nicht. So variieren die Meinungen zum Teil je nach Geschlecht, je nach Landesteil und je nach Staatsbürgerschaft. Jugendliche mit Migrationshintergrund zum Beispiel sehen ihre Zukunft weniger optimistisch als junge Schweizerinnen und Schweizer. Im Tessin haben 17-Jährige grössere Angst vor Arbeitslosigkeit als ihre gleichaltrigen Kollegen in der Deutschschweiz und in der Romandie.

Und über die Arbeitsteilung sind sich die jugendlichen Männer und Frauen nicht immer einig. In einer Familie mit einem Kleinkind solle die Mutter daheim bleiben, finden rund 30 Prozent der befragten jungen Männer.

Die Mehrheit der jungen Frauen sieht das anders. Nur gerade 15 Prozent von ihnen unterstützen dieses traditionelle Familienmodell. Stattdessen sollten sich beide Partner die Betreuung der Kinder teilen und jeweils reduziert arbeiten, finden sie. Die Geschlechterfrage wird also auch in Zukunft noch zu reden geben.

politbox

politbox

Wissen testen und vor Ort mitdiskutieren – genau das ist bei politbox möglich.

Quiz-App hier herunterladen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Fabian Müller, Zürich
    Interessant wäre es zu wissen, wo sich die Jungen politisch einordnen. Wie von anderen erwähnt gibt es da wohl grosse unterschiede zwischen Stadt und Land, sowie in den Bildungsschichten. Die Populistischen Kampagnen dürften speziell bei Personen mit höherer Bildung schlecht ankommen, da sie sich eine differenziertere Betrachtung wünschen dürften. Da das Bildungsniveau allgemein steigt, lässt das auf vermehrt offene, moderne aber auch kritische Wähler hoffen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von D.Thrum, Zürich
    Oder wie Kurt Imhof es damals schon so schön gesagt hat: 'Switzerland's young people are predictable and boring' (https://www.youtube.com/watch?v=UUVPYZd2pmo).
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von C. Schenk, Berne
    Wie schon öfters festgestellt wurde: Die.Schlimmste.Generation.Aller.Zeiten. Nicht nur, weil die Jugend von heute schon eine Trophäe bekommt, nur wenn sie aufkreuzt, oder weil sie jeden Toilettengang und jede Pizza mit der ganzen Welt teilen können. Sie wird derart mit Konsum überhäuft, dass sie nicht mehr selber denken kann. Tägliche News vom Elend der Welt lässt sie aus Gewohnheit völlig kalt. Schlimmer noch: Der Wertekonservatismus der Jugend ist besorgniserregend. Die SpongeBob-Generation.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Jetzt tun die den heutigen Jungen aber unrecht. Man sollte nicht all über einen Kamm schären. Und für das, was Sie ihnen hier ankreiden, sind dann nicht sie selber schuld, sondern die Vor-Generation, also ihre Eltern. Gutes Beispiel hier ja betreffend Revoluzzer 1968 hier aufgeführt. Die meisten Eltern von diesen, waren es eben auch.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen