Düstere Aussichten für die Schweizer Hotellerie

Der starke Franken beeinträchtigt die hiesige Hotellerie nachhaltig: Ein Basler Forschungsinstitut erwartet nicht nur für das laufende Jahr einen Rückgang der Geschäfte, sondern auch für 2016. Das Wallis hat angesichts der unerfreulichen Prognosen erste Massnahmen ergriffen.

Das Matterhorn umgeben von düsteren Wolken.

Bildlegende: Das Wallis fordert die sofortige Schaffung eines Tourismusfonds, um die Wirtschaft zu stützen Keystone

Die Aufwertung des Frankens trübt die Aussichten der Schweizer Hotellerie massiv ein. Bestehende Buchungen federn im laufenden Jahr den Wechselkursschock noch etwas ab. Im kommenden Jahr dürfte der Rückschlag aber deutlicher ausfallen.

Das Forschungsinstitut BAKBasel erwartet für 2015 einen Rückgang der Wertschöpfung in der Schweizer Hotellerie um 0,7 Prozent. Damit würden die zuletzt sichtbaren Erholungstendenzen der touristischen Nachfrage im Keim erstickt, heisst es in der am Donnerstag veröffentlichten Studie.

Der Wechselkursschock dürfte nach Ansicht des BAKBasel vor allem im kommenden Jahr Spuren hinterlassen. Das Institut rechnet damit, dass die Wertschöpfung 2016 um 1,7 Prozent zurückgehen wird.

Der Alpenraum leidet am stärksten

Die Mindestkurs-Aufhebung durch die Schweizer Nationalbank soll gemäss Einschätzungen des BAKBasel hauptsächlich den Ferientourismus treffen. Der Geschäftstourismus reagiere deutlich weniger sensibel auf Wechselkursänderungen, so die Erklärung. Schweizer Städte, in denen der Grossteil des Geschäftstourismus stattfindet, könnten entsprechend mit einem blauen Auge davonkommen.

Die Ferienregionen im Alpenraum stehen hingegen vor grossen Herausforderungen. Der starke Franken verteuerte die Ferien in der Schweiz vor allem für Gäste aus dem Euroraum. Umgekehrt wurden sie für Schweizer im Euroraum deutlich günstiger. Sowohl Schweizer als europäische Besucher dürften demnach als Gäste wegfallen.

Am besten stehen die Aussichten innerhalb des Alpenraums gemäss Einschätzungen des BAKBasel für die Zentralschweiz. Dort gebe es neben dem alpinen Tourismus auch Geschäftstourismus. Auch dürfte die Nachfrage 2015 durch eine Feier der 200-jährigen Geschichte der Region stimuliert werden.

Das Wallis fordert Tourismusfonds

Angesichts der düsteren Aussichten hat das Wallis bereits erste Massnahmen ergriffen. Die Tourismuskammer des Bergkantons hat denn auch am Mittwoch in einen Aktionsplan vorgestellt, mit dem die Walliser Wirtschaft angesichts der Frankenstärke gestützt werden soll.

Unter anderem sollen die Hürden für Baubewilligungen oder für die Einführung von Kurzarbeit abgebaut werden. Die Tourismuskammer fordert zudem die sofortige Schaffung eines Tourismusfonds.

Ein solcher Fonds für touristische Infrastrukturen war bereits bei der Verabschiedung des neuen Tourismusgesetzes im Mai 2014 eingesetzt worden. Die vorgesehenen 50 Millionen Franken genügen der Tourismuskammer nicht. Sie fordert mindestens 200 Millionen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Dem Tourismus fehlt Schweizer Personal

    Aus Tagesschau vom 23.4.2015

    In Luzern hat heute das World Tourism Forum begonnen. Touristiker aus der ganzen Welt diskutieren die Probleme ihrer Branche. Für die Schweizer Hotellerie ist neben dem starken Franken das Fehlen von qualifiziertem einheimischem Personal eines der Hauptprobleme.