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Hohe Kosten der Unispitäler Wird zu viel Geld aus der Bildung abgezapft?

Staatssekretär Mauro Dell'Ambrogio hat eine Debatte lanciert, für die Spitäler wie Kantone wenig Verständnis zeigen.

Legende: Audio Mehr Geld für Spitalausbildung abspielen. Laufzeit 3:19 Minuten.
3:19 min, aus Echo der Zeit vom 23.04.2018.

Der Bund unterstützt die Universitäten mit über 600 Millionen Franken pro Jahr. Etwa gleich viel Geld fliesst von den Universitäten an die Universitätsspitäler. Das ärgert Staatssekretär Mauro Dell'Ambrogio – nicht zum ersten Mal. «Von den Ressourcen, die wir für die Bildung brauchen, geht viel zu viel in die Ausbildung der Gesundheitsfachleute, insbesondere der Mediziner.»

Von den Ressourcen, die wir für die Bildung brauchen, geht viel zu viel in die Ausbildung der Gesundheitsfachleute, insbesondere der Mediziner.
Autor: Mauro Dell'AmbrogioStaatssekretär für Bildung und Forschung

Das Gesundheitswesen habe eine Sonderstellung, kritisiert Dell'Ambrogio. «In allen Branchen ist es selbstverständlich, dass einen Teil der Anstrengungen für den Nachwuchs selbst zu tragen. Nur bei der Gesundheit wird alles dem Bildungswesen in Rechnung gestellt.»

Spitäler weisen Vorwürfe zurück

Die Spitäler Schweiz und der Verband Schweizer Hochschulmedizin Unimedsuisse wehren sich gegen Dell'Ambrogios Aussagen. Sie seien irreführend, weil die Universitäten und die Unispitäler kantonal geregelt sind. Entsprechend tragen die Universitätskantone einen Grossteil der Kosten. Diesen Aspekt erwähne der Staatssekretär nicht.

Unter den Kantonen ist genau geregelt, wer wem wie viel bezahlt. «Die Finanzflüsse zwischen den Universitäten und den Universitätsspitälern sind jeweils in Verträgen geregelt, die die gegenseitigen Leistungen definieren. Es ist also nicht so, dass hier öffentliche Gelder einfach im Gesundheitswesen versickern», heisst es bei Unimedsuisse.

Dass die medizinischen Ausbildungen zu den teuersten gehören, ist seit Jahren bekannt. Deshalb sind auch die Studienplätze in der Medizin begrenzt. «Aber an den Universitätsspitälern werden nicht nur die zukünftigen Mediziner und Medizinerinnen ausgebildet. Hier kommt Innovation und aktuelle Forschung auch direkt ans Krankenbett», so Unimedsuisse.

Kantone sind irritiert

Bei der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren wehrt sich Zentralsekretär Michael Jordi, dagegen, dass verschieden Ausbildungsgänge und ihre Geldquellen gegeneinander ausgespielt werden.

«Man muss den Bildungsstandort Schweiz stärken, und zwar im universitären Bereich, bei Fachhochschulen und bei der Berufsbildung. Aber es ist meines Erachtens nicht angebracht Schwarzpeter zu spielen, um die Kosten für die Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten oder qualifiziertem Pflegepersonal zu beklagen.»

Einigkeit bei Kostentransparenz

Was es vor allem brauche, sei Transparenz bei den Kosten, sagt Jordi. Und daran wird bereits gearbeitet. Auch Bildungspolitiker Dell'Ambrogio ist sich sicher: Nur wenn die Kosten transparent seien, steige der Druck, auch bei der Gesundheit zu sparen.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Es gibt drei Wirtschaftszweige, die in höchstem Mass die Begehrlichkeiten der Marktwirtschaft, der freien+einzig wahren, wecken und ein Dorn im Auge sind: Gesundheit, Bildung, öffentlicher Verkehr. Denn achten wir auf die Nachrichten diesbezüglich, werden diese immer und durchgehend als kostengenerierende, selten als wesentliche mehrwerterzeugende Sektoren in unserer Volkswirtschaft betitelt. Denn alles was nicht finanzkapitalistisch ausgebeutet werden kann, erzeugt in solcher Logik nur Kosten.
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  • Kommentar von Sebastian Demlgruber (SeDem)
    Gesundheit ist das höchste Gut. Aber das hat Dell’Ambrogio offenbar nicht verstanden. Denn es wird nicht zuviel, sondern viel zu wenig in die Ausbildung von Medizinern investiert. Nur deshalb müssen Ärzte (und Krankenschwestern) aus dem Ausland importiert werden.
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    1. Antwort von René Balli (René Balli)
      In die Gesundheit investieren kann man nur mit Prävention, sprich, ausgeglichene Ernährung und genügend Bewegung, alles andere ist Reparatur und Symptombekämpfung. Ich weiss, es gibt auch Menschen, welche mit einem Defekt auf die Welt kommen aber 80% der Gesundheitskosten werden von vermeidbaren Wohlstandskrankheiten verursacht! Mehr Personal bedeutet mehr Kosten aber sicherlich nicht mehr Gesundheit. Wir sind heute nicht gesünder als in den 70er Jahren, die Kosten sind aber 10 Mal höher!
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  • Kommentar von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
    «Dass die medizinischen Ausbildungen zu den teuersten gehören, ist seit Jahren bekannt. Deshalb sind auch die Studienplätze in der Medizin begrenzt.» Aber die anderen sollen die Ausbildung bezahlen und die eigenen Kinder lässt man bezüglich Ausbildung schmählich im Stich! Die eigene Gesellschaft ist mit ihrem eigenen Nachwuchs nichtmal solidarisch! Oder anders ausgedrückt: Das sind diese viel besungen «Schweizer Werte»!
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