Zum Inhalt springen
Inhalt

Gewalttätige Fussballfans Hooligans bleiben Teil der Fussballwelt

Das Urteil des Bundesstrafgerichts gegen einen Hooligan soll eine abschreckende Wirkung haben, hoffen Politiker. Doch die Fangewalt dürfte ein Problem bleiben.

Legende: Audio Gewaltexzesse verlagern sich vom Stadion in die Stadt abspielen. Laufzeit 03:51 Minuten.
03:51 min, aus Rendez-vous vom 08.08.2017.

Für den Berner Polizeidirektor Hans-Jürg Käser ist klar: «Ich erhoffe mir ein deutliches Zeichen des Gerichts.» Der Präsident der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz hofft auf ein hartes Urteil der Bundesstrafrichter für den St. Galler Fussballfan. Dies hätte Signalwirkung für die Fussballszene, ist er überzeugt.

Hooligan-Datenbank hilft

Doch der Zürcher Hooliganexperte und pensionierte Polizist Dölf Brack glaubt nicht an eine abschreckende Wirkung: «Pyro gehört dazu – und wird zum Teil auch von den Clubs befürwortet», stellt er fest. Die Signalfackeln seien «eine schöne Sache». Deshalb lasse sich die militante Fanszene von dem Verbot wohl auch nicht gross beeindrucken.

Das weiss auch der oberste Polizeidirektor der Schweiz. Trotzdem sagt Hans-Jürg Käser, dass die strengeren Kontrollen in und um die Stadien langsam Früchte trügen. Dank dem sogenannten Hooligankonkordat, das nun seit zehn Jahren in Kraft ist, könnten schweizweit Hooligans in einer Datenbank erfasst und bei Gewalttaten mit Stadion- oder Rayonverboten belegt werden. Auch Käser muss allerdings zugeben, dass man das Pyro-Problem «nach wie vor nicht im Griff» habe.

Es könnte durchaus bald irgendwo in Zürich zu einem richtigen Eklat kommen.
Autor: Dölf BrackPensionierter Polizist und Hooliganexperte

Eskalierende Gewalt in Zürich

Resignierter tönt es bei den Zürcher Behörden. Dort stellt man zwar ebenfalls fest, dass die Gewalt in und um das Fussbalstadion Letzigrund derzeit nicht mehr weiter zunimmt. Allerdings verlagern sich die Gewaltexzesse der Fussballfans zunehmend in die Stadt. Dort überfallen sich die verfeindeten GC- und FCZ-Fans nämlich seit Wochen gezielt gegenseitig.

Es gebe keine Hemmschwelle mehr, lässt sich ein Staatsanwalt im «Tages Anzeiger» zitieren. Für Hooliganexperte Dölf Brack ist das nicht erstaunlich. Denn je stärker die Kontrollen um die Stadien seien, desto grösser sei die Gefahr, dass sich die Gewaltexzesse verlagerten. Ausserdem gebe es immer mehr und jüngere, auch gewaltbereite Fans. «Es könnte durchaus bald irgendwo zu einem richtigen Eklat kommen», befürchtet er.

Junge Männer prügelns ich auf Fussballfeld.
Legende: Prügelnde Fussballfans (hier in Österreich): Auch in der Schweiz bleiben Hooligans ein Problem. Keystone Archiv

Prügelnde Jugendliche – ein gesellschaftliches Problem

Der Präsident des Fanclubs Letzi des FC Zürich verurteilt diese gangartigen Überfälle aufs Schärfste. Erklären kann sich Markus Imbach diese Entwicklung aber nicht. Seinen Samstag damit zu verbringen, das Ende eines GC-Matches abzuwarten und den Fans aufzulauern, um sie dann zu verprügeln: «Das sind Dinge, die nicht normal sind», so der Letzi-Präsident.

Einig sind sich Käser, Brack und Imbach darin, dass es sich bei den Strassenkämpfen unter Fans auch um ein gesellschaftliches Problem handelt. Geschehe dies nicht unter dem Deckmantel des Fussballs, dann würden diese Jugendlichen ein anderes Umfeld finden, wo sie ihre Aggressionen ausleben würden.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von John Johnson (Kelten)
    Völliger Blödsinn, was dieser Herr Dölf Brack von sich gibt!! Würden die Klubverantwortlichen die Kriminellen auch anzeigen, und würde unsere Justiz unsere vorhandenen Gesetze auch korrekt umsetzen, würde diese Kriminalität auf unseren Fussballplätzen sofort aufhören. Ein Blick in die USA beweist: NHL absolut keine Hooligans, stets friedliche Sportanlässe; weil in den USA Hooligans mit drakonischen Bussen (nicht wie in Luzern CHF 700.-) und unbedingter Gefängnisstrafen gebüsst werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Nicola Harrison (Nicola Harrison)
    Bei div. Sportarten wie Fussball geht es nicht mehr um "Spiel & Freude" sondern um andere durch Bewusstseinsveränderten Substanzen (Alkohol, Nahrung etc.) auszulebende Aktionen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von rosi gantenbein (lara croft)
    Unsere Gesellschaft schafft sich eben solche und andere Rechtsfreiräume, die sich solche kleinen aber auch grössere Fische zu nutze machen. Es geschieht ja nichts, also haben wir mal etwas Spass und hauen drauf...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen