Kassen kämpfen für günstigere Krücken und Kompressionsstrümpfe

Verbandsmaterial, Brillen, Kompressionsstrümpfe, Blutzuckerteststreifen – diese und ähnliche medizinische Gegenstände sind in der Schweiz zum Teil viel teurer als in der EU. Die Krankenkassen wehren sich.

Die Beine von Franck Ribery mit Krücken.

Bildlegende: In Deutschland sind medizinische Hilfsmittel teilweise bis zu 50 Prozent günstiger zu beziehen. Keystone

Viele medizinische Hilfsmittel sind in der Schweiz teurer als im Ausland. Krankenkassen fordern deshalb, dass der Bund die Preise senkt. Doch dieser hat in den letzten Jahren das Gegenteil gemacht. In den vergangenen vier Jahren hat er die Preise für gewisse medizinische Gegenstände sogar leicht erhöht.

Ein Stein des Anstosses ist etwa eine Lichttherapie-Lampe: In der Schweiz kostet sie die Krankenkassen 720 Franken, in Deutschland bezahlt man für dasselbe Produkt umgerechnet nur 360 Franken, also halb so viel. Paul Rhyn, Sprecher des Krankenkassenverbands Santésuisse, sagt: «Wenn so grosse Unterschiede bestehen, sind das natürlich dann erhebliche Beträge, die da zur Diskussion stehen.»

Bund legt Höchstpreis fest

Die Krankenkassen fordern deshalb, der Bundesrat müsse die Preise für Kompressionsstrümpfe und Co. senken: «Uns schwebt vor, dass, ähnlich wie bei den Medikamenten, die Preise mit den Auslandpreisen verglichen werden, und so auch ein Druck entsteht, dass der günstigste Preis auf dem Markt vergütet wird.»

Heute gibt es diesen Druck nicht. Die Krankenkassen müssen Gegenstände wie Verbände bis zu einem bestimmten Höchstpreis bezahlen – und diesen Höchstpreis legt der Bund fest. Es sei deshalb logisch, dass fast alle Hersteller ihre Produkte zum Höchstpreis anböten, sagt Rhyn.

BAG: Seit 2011 Millionen eingespart

Anders sieht das Oliver Peters, Vize-Direktor des Bundesamts für Gesundheit. Er sagt, man habe die Preise bereits 2011 gesenkt und damit Millionen eingespart, viel mehr Luft nach unten gebe es nicht.

Allerdings: Seit 2011 hat das Bundesamt die Höchstpreise für gewisse medizinische Gegenstände bereits wieder um etwa zehn Prozentpunkte erhöht. Dazu Oliver Peters: «Bei den Blutzuckerteststreifen mussten wir nach Senkung um gesamthaft 40 Prozent dann wieder eine leichte Erhöhung vornehmen, damit nicht allzuviel drauf bezahlt werden muss von den Patienten.»

Krankenkassen können hoffen

Anders gesagt: Die Hersteller von Blutzuckerteststreifen wollten ihre Preise nicht senken. Als Folge mussten die Patienten jenen Betrag selbst bezahlen, der den behördlich festgelegten Höchstpreis überstieg – und um das zu verhindern, erhöhte der Bund die Preise wieder.

Trotzdem können die Krankenkassen weiter hoffen: Noch dieses Jahr will das Bundesamt für Gesundheit nämlich seine Preise für medizinische Gegenstände systematisch überprüfen und möglicherweise auch senken.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Die Pharmabranche möchte am Rechenrahmen hantieren, um die Preise wenigstens gleich zu halten.

    Medikamentenpreise: Pharmabranche vs. Krankenkassen

    Aus Echo der Zeit vom 28.1.2015

    Die Pharmakonzerne machen Milliardengewinne, aber in der Schweiz stagnieren die Umsätze mit Medikamenten. Ein Grund dafür sind die vom Bund verordneten Preissenkungen der letzten Jahre, die auf Vergleichen mit dem Ausland basieren.

    Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses fordert die Pharmaindustrie nun eine Korrektur. Krankenkassen sehen das anders.

    Eveline Kobler

  • Für mehr Transparenz im Kostendschungel

    Aus Tagesschau vom 26.9.2014

    Die Krankenkassen-Prämien steigen erneut. Künftig kann immerhin der Bund in der Prämien-Frage den Kassen besser auf die Finger schauen. National- und Ständerat haben das entsprechende Krankenversicherungs-Aufsichtsgesetz verabschiedet.

  • Krankenkassen stärker durch Bund kontrolliert

    Aus Tagesschau vom 9.9.2014

    Der Nationalrat hat sich für ein verschärftes Aufsichtsgesetz über die Krankenkassen ausgesprochen. Künftig soll der Bund mehr bei der Festsetzung der Prämien mitreden können.