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Höhere Prämien für Reiche: Risiko, dass auch der Mittelstand zur Kasse gebeten wird
Aus HeuteMorgen vom 14.02.2020.
abspielen. Laufzeit 02:32 Minuten.
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Kosten von Krankenkassen Höhere Prämien für Reiche sind politisch kaum durchsetzbar

  • Reiche sollen mehr für die Grundversicherung zahlen, lautet ein Vorschlag des bernischen SVP-Gesundheitsdirektors Pierre Alain Schnegg.
  • Für gut situierte Personen sei ein Anstieg der Kosten auf 600 bis 700 Franken pro Monat gut zu verkraften, erklärte er in der Zeitung «Der Bund».
  • Ein Experte warnt: Auch der Mittelstand müsste dann mehr bezahlen.

Mehrere 100 Franken mehr im Monat für die Krankenkasse zu bezahlen, das sei kein Problem für reiche Leute, meint Pierre Alain Schnegg: «Für jemanden, der ein gutes Einkommen hat, ist das sicher nicht absolut relevant, ob er jetzt 300 bis 400 Franken oder 600 bis 700 Franken zahlt für seine Krankenkasse.»

Pierre Alain Schnegg vor Mikrofon
Legende: Schneggs Idee: Menschen mit hohen Einkommen sollen mehr für ihre Prämien bezahlen. Keystone

Aber die ärmeren Haushalte würde das entlasten, sagt der Berner SVP-Regierungsrat. Sein Modell sieht vor, dass die Kantone nichts mehr an Spitalkosten zahlen, dieses Geld dafür für die Prämienverbilligung einsetzen. Die Krankenkassen müssten dann die ganzen Spitalkosten übernehmen, dafür würden sie die Prämien für die Reichen massiv erhöhen.

Kostendämpfende Wirkung ist fraglich

Das sei sicher machbar, meint Michael Jordi von der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK). Aber: «Unklar bleibt, wie durch ein Modell, in dem es nur noch einen Zahler gibt, die wichtigen Herausforderungen besser gelöst werden, nämlich wie damit Kosten gedämpft werden können.» Denn das sei das grosse Problem, sagt Jordi: Um tiefere Prämien gehe es ja bereits in der Entlastungsinitiative der SP.

Ein Versorgungssystem, in dem die Kantone nichts mehr zu sagen hätten, weil sie nicht mehr zahlen, sei politisch kaum durchsetzbar, so der Gesundheitsexperte weiter. Doch ist diese Idee einer Umverteilung zu den Reichen wirklich gerechter? Nein, sagt Gesundheitsökonom Simon Wieser von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Im Gegenteil: «Der Vorschlag würde dazu führen, dass die Prämien für diejenigen, die noch keine Prämienverbilligung bekommen, wahrscheinlich um 30 Prozent steigen würden», sagt Wieser. «Das würde bedeuten, dass die Prämienbelastung für den grössten Teil der Bevölkerung noch grösser wird.»

Der Vorschlag würde dazu führen, dass die Prämien, für diejenigen, die noch keine Prämienverbilligung bekommen, wahrscheinlich um 30 Prozent steigen würden.
Autor: Simon WieserGesundheitsökonom

Egal, ob jemand 80'000 oder mehrere Millionen Franken verdiene: Die Prämie würde für beide um gleich viel ansteigen, rechnet Wieser vor. Neben den Reichen müsste demnach auch ein grosser Teil des Mittelstands mehr bezahlen.

Wenn die Reichen wirklich mehr bezahlen sollen, hält der Gesundheitsökonom der ZHAW eine Steuererhöhung für sinnvoller und gerechter.

HeuteMorgen, 14.02.2020, 06:10 Uhr

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46 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    @Urs Aeschlimann: 80% der Gesundheitskosten gehen auf vermeidbare Wohlstandskrankheiten und Beschwerden, dies ist eine harte Tatsache! Prävention würde auf mittlerer und lange Sicht sehr wohl zu riesigen Einsparungen führen. Symptome bekämpfen wird hingegen unbezahlbar werden. Darüber gibt es ernsthafte Studien aber dies interessiert natürlich keine der Akteure in unserem System, welches notabene kein einziger Anreiz zum Sparen aufweist. Die Zeit läuft ohne Zweifel gegen unser System!
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  • Kommentar von Emmy Müller  (Emmy Müller)
    Endlich nicht mit 37,5 grad Körpertemperatur in den Notfall! Nicht ohne Überweisung des Hausarztes zum Spezialisten. Labor und Röntgenbilder speichern auf der KK - Karte, damit nicht alles 3 x gemacht wird...da könnte viel Geld gespart werden...bei vielen Patienten weiss ein Arzt nicht, was der andere verordnet hat und was schon an Diagnose gestellt wurde...z.B. gibt es Diabetiker, die glauben, dass ein anderer Spezialist helfen kann, dass man sich nicht einschränken muss....( habe
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  • Kommentar von Timo Gut  (Leukersonne)
    Alles was von Schnegg kommt ist eine Katastrophe! Ich bin und arbeite im Kanton Bern. Er zerstört schlichtweg alles, was im guten Sinne in den letzten 20 Jahren aufgebaut wurde. Nicht vertrauenswürdig!
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    1. Antwort von Susanne Saam  (Biennoise)
      Timo Gut- ich schliesse mich dem gerne an. Meine Vermutung: gemäss Vorschlag bekämen mehr Menschen Prämienverbilligungen, das gäbe mehr Menschen, denen man in der Folge Sozialleistungen kürzen könnte. Nein, ich bin keine Verschwörungstheoretikerin, kenne aber als Bernerin die politische Motivation von Herrn Schnegg nur allzugut.
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