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Schweiz Löhne bundesnaher Firmen lassen Bundesrat alt aussehen

Der Chef der Swisscom verdient fast vier Mal so viel wie ein Bundesrat. Parlamentarier halten das für überrissen und wollen die Cheflöhne in den bundesnahen Betrieben begrenzen. Aber auch der Bundesrat will Druck machen.

Koffer voller Schweizer Banknoten
Legende: Der höchste Lohn eines bundesnahen Betriebs erhält Swisscom-CEO Urs Schäppi. Er verdient viermal mehr als ein Bundesrat. Keystone

Die Chefs von Swisscom, der Nationalbank und der SBB verdienen mindestens doppelt so viel wie ein Bundesrat. Auch nach dem Nein zur Service-public-Initiative bleiben die Vergütungen von bundesnahen Betrieben in Bern brisantes Thema.

Die Veröffentlichung des so genannten Kaderlohnreports, in dem die Löhne detailliert ausgewiesen werden, wurde vom Bundesrat kurz vor den Sommerferien vertagt: Erst sollen Vorschläge zur Steuerung der Gehälter vorliegen.

Nicht nur Chefs verdienen mehr

Legende: Video «Chef-Löhne bundesnaher Konzerne zu hoch?» abspielen. Laufzeit 4:51 Minuten.
Aus 10vor10 vom 23.08.2016.

Aber es sind nicht nur Swisscom-CEO Schäppi, SNB-Präsident Jordan und Co., welche saftige Vergütungen erhalten: Mindestens elf Kadermitarbeiter der bundesnahen Betriebe verdienen mit über einer Million Franken doppelt so viel wie ein Bundesrat. Dessen Vergütung liegt bei etwa 475‘000 Franken jährlich.

38 weitere Chefs und Geschäftsleitungsmitglieder haben Ende Jahr mehr im Portemonnaie als ein Mitglied der Landesregierung. Insgesamt haben 49 Personen mehr Lohn als ein Mitglied der Landesregierung.

Empörung von links bis rechts

«Das ist Diebstahl am Volksvermögen» enerviert sich Nationalrat Lukas Reimann von der SVP. Auch der SP-Nationalrat Matthias Aebischer bläst ins gleiche Horn: «Das Argument ist vielfach, dass man für 500‘000 Franken niemand finden würde, der eine Swisscom führt. Das würde ja heissen: Ein Bundesrat könnte einen solchen Grossbetrieb nicht führen. Das ist sicherlich falsch.» Er will die Löhne gesetzlich beschränken und fordert gemeinsam mit anderen Parlamentariern eine Höchstvergütung von 500‘000 Franken.

Ein nächstes Kapitel könnte schon bald geschrieben werden: An einer der ersten Sitzungen nach den Sommerferien will der Bundesrat den Kaderlohnbericht verabschieden. Und vielleicht finden sich darin sogar Massnahmen zur Steuerung: Das Eidgenössische Personalamt hat zumindest «vertiefte Abklärungen» eingeleitet, wie es von der Medienstelle heisst.

32 Kommentare

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  • Kommentar von W Streuli (Wernu)
    Es grenzt schon an Sarkasmus,mit welcher "Unverfrorenheit" gewisse CEO`s bundesnaher Betriebe da "fürstliche Zuwendungen"erhalten.Ich habe das Wort "Lohn" bewusst nicht erwähnt,weil darunter verstehe ich eine Gegenleistung der erbrachten Arbeit,aber so Gehälter entbehren jeglicher moralischen Grundlage.Ich sage da nur,"macht den Deckel zu",weil fähige CEO`s mit "Anstand"werden auch mit "weniger" sich zufrieden geben
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  • Kommentar von U.E. Romer (romeru)
    Man kann aus den gleichen News entnehmen, dass ein Spitzenmodell 44 Millionen Dollar im Jahr verdient. Viele finden das gerecht. Diese 44 Millionen werden von den Grossen verteilt und von den Kleinen abgezwackt. Ueber die tatsächliche Leistung kann man diskutieren. Wenn aber Chefs von über 50 000 Angestellten (Post, SBB, Swisscom etc.) eine marktübliche Entschädigung erhalten, dann wird ein grosses Geschrei gemacht.
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    1. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Bei einem Model können sie selbst wählen, ob sie die von dem Model promovierten Produkte oder die Klatschpresse kaufen möchten. Bei einem staatsnahen Betrieb können sie das nicht.
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  • Kommentar von Christoph Heierli (help)
    Anstatt Tag und Nacht über Wolf Abschuss und ähnliche Unwichtigkeiten zu diskutieren, täten unsere Politiker besser daran sich den wirklichen und wichtigen Aufgaben zu zu wenden. Der Stimmbürger seinerseits, sollte zukünftig nur nach diesen Kriterien seine Politiker wählen.
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    1. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Diese Meinung vertrete ich auch-es ist ein Jammer was da von der Politik geboten wird .
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