Mehr HIV-Diagnosen in der Schweiz als im Europa-Durchschnitt

Die Zahl der HIV-Diagnosen in der Schweiz ist im vergangenen Jahr zwar wieder zurückgegangen. Doch nach wie vor liegt sie weit über dem vom Bund angestrebten Wert. Und auch europaweit liegt die Schweiz über dem Durchschnitt.

Legende:
Kantonale Verteilung der positiven HIV-Diagnosen pro 100'000 Einwohner
<1 Positive
1,1-4 Positive
4,1-7 Positive
7,1-10 Positive
10,1-13 Positive
13,1-16 Positive

575 HIV-Diagnosen gab es im vergangenen Jahr in der Schweiz – das ist ein Rückgang von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Frauenanteil betrug 26,9 Prozent. Zwar liegt die Zahl der Diagnosen deutlich über dem angestrebten Ziel, doch die Zahl der HIV-Diagnosen sinkt stetig.

Obwohl die Schwulen nur 3 Prozent der sexuell aktiven Männer ausmachen, betrug ihr Anteil an den HIV-Diagnosen 2013 rund 39 Prozent.

Viele Ansteckungen in Genf

Bei den HIV-Infektionen gibt es ausserdem grosse regionale Unterschiede: Während im Kanton Genf auf 100'000 Einwohner 15,5 Fälle kommen, sind es in den Ostschweizer Kantonen lediglich 3,5 Fälle. Der landesweite Durchschnitt liegt laut Bundesamt für Gesundheit bei 7,4 Fällen.

Viele Menschen mit HIV kommen aus der Südsahara Relative Anteile der Herkunftsregionen (in Prozent) der in der Schweiz diagnostizierten HIV-Infektionen

Kampf gegen Ausgrenzung

HIV-Infizierte werden immer noch ausgegrenzt. Die Organisatoren der Welt-Aids-Konferenz vom 20. Juli in Australien haben darum eine Online-Petition gestartet mit dem Titel: «Niemanden zurücklassen».

In mehr als 80 Ländern werden Menschen noch wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt. Gesetze hetzen zu Gewalt gegen Minderheiten auf und behindern Programme zur Vermeidung von HIV-Ansteckungen. Die Unterzeichner fordern ein Ende solcher Gesetze. Zur Konferenz in Melbourne werden mehr als 14'000 Forscher, Experten und Aktivisten erwartet.

Trendwende bis 2015 angepeilt

2015 ist ein Meilenstein in der Aids-Bekämpfung. Laut Millennium-Ziel soll die weltweite Ausbreitung von HIV/Aids bis dahin gestoppt und eine Trendwende eingeläutet sein. HIV-Ansteckungen durch Sexualkontakte und durch Mehrfachnutzung von Rauschgiftspritzen sollen – bezogen auf das Jahr 1990 – bis 2015 halbiert werden.

Die Ansteckung von Kindern soll ganz ausgemerzt sein, und 15 Millionen Menschen mit HIV sollen Zugang zu lebensrettenden antiretroviralen Medikamenten bekommen.

Die Suche nach einem Impfstoff

Noch immer hat die Pharmaindustrie keinen Impfstoff gegen HIV gefunden. Susan Zolla-Pazner von der New York University School of Medicine beschreibt in «Science», wie schwierig die Suche nach einem solchen Mittel ist. Ein baldiger Durchbruch scheint nicht in Sicht.

Zahlen zur Schweiz

  • In der Schweiz wurden seit Beginn der Erfassung über 33'942 positive HIV-Testresultate gemeldet.
  • In der Schweiz leben heute rund 25'000 Menschen mit HIV und Aids. Seit Beginn der Epidemie bis 2013 wurden über 9532 Aidsfälle gemeldet.
  • Über 7000 Menschen sind zwischen 1983 und 2013 an den Folgen von Aids gestorben.

HIV nach wie vor unheilbar

Weil HIV-Infizierte inzwischen eine annähernd gleich hohe Lebenserwartung haben wie gesunde Personen, hat das HI-Virus viel von seinem Schrecken verloren. Bis heute gibt es aber keinen Impfstoff und kein Medikament, das die Krankheit heilen kann.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Aids vorbeugen; mit einer Pille jeden Tag - für 900 Franken pro Monat.

    WHO empfiehlt Medikamente zur Aids-Prävention

    Aus Echo der Zeit vom 14.7.2014

    Die Pille davor: Schwule und Männer, die mit Männern Sex haben, sollen vorsorglich Medikamente schlucken, und dies zusätzlich zum Gebrauch von Kondomen. Dies rät die weltgesundheitsorganisaiton WHO. Die empfohlene Aids-Prävention löst in der Schweiz Kopfschütteln aus.

    Hanna Wick und Gaudenz Wacker