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Schweiz Mit der Hitze kehrt das Ozonproblem zurück

Die Ozonwerte in der Schweiz sind zwar bei weitem nicht mehr so hoch wie vor zehn oder zwanzig Jahren. Doch die Gefahr ist längst nicht gebannt: Seit Ende Juni werden die Grenzwerte praktisch täglich überschritten – in gewissen Gebieten gar massiv.

Immerhin etwas Gutes hatte der verregnete Sommer 2014: Die Grenzwerte für Ozon und Feinstaub wurden selten tangiert. Ganz anders sieht es heuer aus – die anhaltende Hitzeperiode belastet die Umwelt stark.

Gemäss der Schweizer Luftreinhalteverordnung dürfte der Ozon-Grenzwert von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft höchstens einmal pro Jahr überschritten werden. Davon ist man weit entfernt: Seit Ende Juni wird diese Grenze in gewissen Teilen der Schweiz praktisch täglich überschritten, Link öffnet in einem neuen Fenster – eine direkte Folge des Traumwetters. Denn die UV-Strahlen der Sonne bilden, in Verbindung mit chemischen Stoffen, Ozon, so die einfache Formel.

Maximalwerte in dieser Grössenordnung hatten wir zuletzt 2010
Autor: Hans-Rudolf MoserLufthygieneamt beider Basel

Traditionellerweise weist die Sonnenstube Tessin jeweils die höchsten Ozonkonzentrationen auf. So wurden am 3. Juli dieses Jahres in Lugano gar 272 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen.

Messstation in Lausanne
Legende: Messstation in Lausanne: Mit den hohen Temperaturen ist auch die Ozonkonzentration gestiegen. Keystone

Doch auch die Messstationen in Zürich und Basel zeigten Werte von 180 bis gegen 200 Mikrogramm an. «Maximalwerte in dieser Grössenordnung hatten wir zuletzt 2010», sagt Hans-Rudolf Moser vom Lufthygieneamt beider Basel. Dies sei allerdings noch kein Vergleich zum Hitzesommer 2003, als auch in Basel Ozon-Spitzenwerte bis zu 250 Mikrogramm pro Kubikmeter erreicht wurden.

«Nicht alarmierend, aber auch nicht gut genug»

Damit es künftig nicht mehr zu solchen Höchstzahlen kommt, haben Bund und Kantone in den vergangenen zwanzig Jahren gleich eine ganze Palette von Massnahmen eingeleitet, unter anderem die verschärften Abgasnormen für Motorfahrzeuge, die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene oder die Lenkungsabgabe auf flüchtige organische Verbindungen (VOC) bei Industrie und Gewerbe. «Dass dadurch die sogenannten Vorläuferstoffe halbiert werden konnten, ist ein Erfolg – am Ziel sind wir aber noch lange nicht», so Moser.

Vom erklärten Ziel, die Grenze von 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter konstant einzuhalten, spricht auch Richard Ballaman, Sektionschef Luftqualität der Abteilung Luftreinhaltung und Chemikalien beim Bundesamt für Umwelt BAFU. Die aktuellen Werte seien zwar «nicht alarmierend, aber auch nicht gut genug». Deshalb habe der Bundesrat im Rahmen seines Luftreinhaltekonzepts bestätigt, dass weitere Anstrengungen nötig seien.

«Ozon ist ein gesamteuropäisches Problem»

Wie nötig, zeigt der Bericht «Umwelt Schweiz 2015», den die Regierung Anfang Jahr veröffentlichte. Weil die Belastung mit Feinstaub, Ozon und Stickoxiden weiterhin zu hoch sei, würden jährlich 2000 bis 3000 Menschen vorzeitig sterben. Das verursache Gesundheitskosten im Umfang von gegen vier Milliarden Franken, so die Bilanz des Papiers.

Abhilfe schaffen sollen weitere technische Massnahmen bei Motorfahrzeugen, landwirtschaftlichen und industriellen Anlagen sowie bei Heizungen. Für Hans-Rudolf Moser steht indes aber auch fest: «Ozon ist kein nationales, sondern ein gesamteuropäisches Problem – und genau so sollte es auch angepackt werden.»

Während die Experten darum bemüht sind, die Ozonbelastung langfristig zu minimieren, sorgt das Wetter zumindest kurzfristig für eine Erleichterung: So bringt am Donnerstag eine schwache Kaltfront auf der Alpennordseite dicke Wolken und etwas Abkühlung. «Die Ozonwerte dürften sich dann zumindest vorübergehend normalisieren», sagt SRF-Meteorologe Jürg Zogg.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Meier, Zürich
    Kleine Ozonanleitung für Dummies (d.h. Alle die dem Irrglauben aufsitzen, das Ozon hier im Artikel habe was mit Ozonschicht und Ozonloch zu tun): Ozon in der Stratosphäre (ab ca. 15km über der Erde) ist erwünscht da schützende Wirkung gegen UV-Strahlen. Ozon bei uns unten (wie im Artikel) reizt die Atemwege(für viele spürbar) und kann Krebs erregen. Es fliegt auch nicht einfach so in die Stratosphäre hoch und wird zu "gutem" Ozon. Daher ist es hier unerwünscht. Alles klar?
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    1. Antwort von A Zuckermann, Bern
      Viele wissen, oder bedenken nicht, das unser Lebensraum nach Open eigentlich nur 8000 Meter hoch ist. Eigetlich eine ganz dünne Schicht um die Erde. Was wir da alles reinpumpen, herum fliegen und herum blochen, huiuiui. Wir sollten alles tun und sorgetragen.
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    2. Antwort von B. Bühler, Biel
      @A. Zuckermann: Praktisch jede grafische Darstellung der Atmosphäre gibt ein komplett falsches Bild ab. Das Verhältnis Erde/Atmosphäre stimmt nie. Die Atmosphäre wird immer viel zu dick dargestellt. Ich glaube dieses falsche Bild hat sich über die Jahre eingebrannt und gibt uns das Gefühl, unendlich viel Luft zur Verfügung zu haben. Würde vielleicht etwas ändern in der Gefühlswelt, wenn man realisierte wie das wahre Verhältnis aussieht.
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    3. Antwort von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
      @B. Bühler, dem ist tatsächlich so. Habe eine kleine Rechnung angestellt, um es besser zu verdeutlichen. Die Erde hat einen mittleren Durchmesser von 12’735km. Die „Todeszone“, oberhalb welcher sich ein optimal akklimatisierter Mensch auch ohne körperliche Anstrengungen nicht mehr regenerieren kann, liegt bei etwa 7000m ü. Meer. Diese auf eine „Erdkugel“ von 1m Durchmesser umgerechnet, entspricht (kaum zu Glauben): 0.55mm! Die ISS umkreist die Erde proportional (400km) auf 3.14cm :-)
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  • Kommentar von P Zunger, Basel
    Was haben uns Klimawissenschafter vor 20 Jahren mit ihren "Modellen" vorhergesagt: "Ozonloch" werde selbst bei sofortigen radikalen Massnahmen bis 2030 massiv grösser und im besten Falle ab 2050 wieder auf "Vorloch" Niveau sinken. Auch da lagen ihre Simulationen massiv daneben, wie sich in letzten 10 Jahren gezeigt hat. Dass bei Hitzeperioden Ozongehalt in Luft steigt, liegt in Physik und Chemie der Athmosphäre, die galten aber schon vor 100 und 1000 Jahren, nur konnte man es nicht messen.
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    1. Antwort von W. Pip, Züri
      Momentchen: Die Problematik des Ozons in der Atmosphäre (Ozonloch) hat so gar nichts mit dem bodennahen Ozon zu tun. Man kann das nicht in Zusammenhang bringen. - Aber dass bei solch massiven Sonnentagen halt einfach viele Stickoxide in Bodennähe zur Ozon verwurstet werden, ist klar. Je mehr Diesel ohne Redox-Anlagen (Adblue), desto deutlicher das Problem.
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    2. Antwort von Peter Meier, Zürich
      Ich wette, Sie haben keinen Schimmer wie es Ozonloch-mässig im Moment aussieht, lieber bestaunen Sie sich selbst im Spiegel. Die weltweite, signifikante Senkung von FCKW-Ausstössen ist eines der wenigen erfolgreichen Beispiele globalen Umweltschutzes - und in diesem Falle der Ozonschicht. Abgeshen davon: Das Ozon von dem der Artikel handelt hat mit Ozonloch und Ozonschicht nichts am Hut, was Sie anscheinend nicht verstanden haben.
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  • Kommentar von Hagou Hans, Bienne
    ....aaaaaaaaaaaaaJA, das OZON! (fast haben's wir alle vergessen). Merci!!!!
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