«Nach ein paar Jahren verliert die Sorte ihre Resistenz»

Gentechnisch veränderte Kartoffeln sollen resistent gegen die Kraut- und Knollenfäule sein. In der Schweiz werden sie künftig versuchsmässig angepflanzt. Kritiker fordern mehr Unterstützung für herkömmliche Zuchtmethoden.

SRF News: Wie funktionieren herkömmliche Methoden im Kampf gegen Pilzinfektionen?

Django Hegglin: Grundsätzlich werden jedes Jahr neue Kartoffelsorten mit guten Resistenzen gegen die Kraut- und Knollenfäule gezüchtet. Das Problem dieser Sorten ist aber, dass sie bei anderen Kriterien scheitern: Sie sind beispielsweise geschmacklich nicht sehr gut oder haben eine etwas andere Schalen- oder Fleischfarbe, als wir es uns von Kartoffeln gewohnt sind. Kommt hinzu, dass der Erreger der Kraut- und Knollenfäule, ein Pilz, sehr anpassungsfähig ist. Deshalb besteht die Gefahr, dass diese Sorten nach vier bis sieben Jahren im Anbau ihre Resistenz bereits wieder verlieren.

Das heisst, dass sich alle vier bis sieben Jahre neue Untersuchungen aufdrängen?

Ja und das ist ein grosses Problem. Denn die Markteinführung neuer Sorten ist sehr schwierig. Die Konsumenten, die Grossverteiler aber auch die Bauern im Anbau gewöhnen sich an die Sorten. Es ist daher praktisch unmöglich, alle fünf Jahre die Kartoffelsorte zu wechseln.

Gibt es in der Schweiz eine Kartoffelsorte, die besonders resistent ist?


Ackerbau-Experte Django Hegglin im Gespräch

4:33 min, aus SRF 4 News aktuell vom 22.04.2015

Wir testen seit zwei Jahren eine neue Sorte: Die gegen die Kraut- und Knollenfäule sehr resistente Kartoffel heisst Vitabella und ist bereits im Testverkauf. Vom Anbau her ist sie sehr geeignet. Es bleibt aber die Frage, ob die Konsumenten diese Sorte akzeptieren, denn sie hat eine etwas andere Form, als wir uns das hier in der Schweiz gewohnt sind. Leider ist die Form einer Kartoffel ein wichtiges Verkaufskriterium.

«  Sobald die Gentechnik wirklich Vorteile gegenüber der herkömmlichen Zucht bringt, wird sie es leichter haben, sich zu etablieren. »

Werden gentechnisch veränderte Kartoffelsorten eines Tages auch als Bio-Kartoffeln gelten?

Das ist ein Grundsatzentscheid, den man fällen muss. Im Moment will man in der Schweiz keine gentechnisch veränderten Pflanzen. Die Gentech-Zuchttechnik ist noch eher jung und wird sich in Zukunft sicher verbessern. Vielleicht kann man eines Tages sagen, dass es sich dabei um eine sichere Methode handelt, die uns wirklich Vorteile bringt. An dem Tag, an dem die Gentechnik wirklich Vorteile gegenüber der herkömmliche Zucht bringt, wird sie es leichter haben, sich zu etablieren.

Das Gespräch führte Rino Curti.

Zur Person

Zur Person

Django Hegglin ist seit 2014 Ackerbauberater am Forschungsinstitut für biologischen Landanbau (FiBL). Zuvor arbeitete er auf verschiedenen Bio-Gemüsebau-Höfen. Studiert hat er Agrarwissenschaften an der ETH in Zürich.