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Schweiz «Nach ein paar Jahren verliert die Sorte ihre Resistenz»

Gentechnisch veränderte Kartoffeln sollen resistent gegen die Kraut- und Knollenfäule sein. In der Schweiz werden sie künftig versuchsmässig angepflanzt. Kritiker fordern mehr Unterstützung für herkömmliche Zuchtmethoden.

SRF News: Wie funktionieren herkömmliche Methoden im Kampf gegen Pilzinfektionen?

Django Hegglin: Grundsätzlich werden jedes Jahr neue Kartoffelsorten mit guten Resistenzen gegen die Kraut- und Knollenfäule gezüchtet. Das Problem dieser Sorten ist aber, dass sie bei anderen Kriterien scheitern: Sie sind beispielsweise geschmacklich nicht sehr gut oder haben eine etwas andere Schalen- oder Fleischfarbe, als wir es uns von Kartoffeln gewohnt sind. Kommt hinzu, dass der Erreger der Kraut- und Knollenfäule, ein Pilz, sehr anpassungsfähig ist. Deshalb besteht die Gefahr, dass diese Sorten nach vier bis sieben Jahren im Anbau ihre Resistenz bereits wieder verlieren.

Das heisst, dass sich alle vier bis sieben Jahre neue Untersuchungen aufdrängen?

Ja und das ist ein grosses Problem. Denn die Markteinführung neuer Sorten ist sehr schwierig. Die Konsumenten, die Grossverteiler aber auch die Bauern im Anbau gewöhnen sich an die Sorten. Es ist daher praktisch unmöglich, alle fünf Jahre die Kartoffelsorte zu wechseln.

Gibt es in der Schweiz eine Kartoffelsorte, die besonders resistent ist?

Wir testen seit zwei Jahren eine neue Sorte: Die gegen die Kraut- und Knollenfäule sehr resistente Kartoffel heisst Vitabella und ist bereits im Testverkauf. Vom Anbau her ist sie sehr geeignet. Es bleibt aber die Frage, ob die Konsumenten diese Sorte akzeptieren, denn sie hat eine etwas andere Form, als wir uns das hier in der Schweiz gewohnt sind. Leider ist die Form einer Kartoffel ein wichtiges Verkaufskriterium.

Sobald die Gentechnik wirklich Vorteile gegenüber der herkömmlichen Zucht bringt, wird sie es leichter haben, sich zu etablieren.

Werden gentechnisch veränderte Kartoffelsorten eines Tages auch als Bio-Kartoffeln gelten?

Das ist ein Grundsatzentscheid, den man fällen muss. Im Moment will man in der Schweiz keine gentechnisch veränderten Pflanzen. Die Gentech-Zuchttechnik ist noch eher jung und wird sich in Zukunft sicher verbessern. Vielleicht kann man eines Tages sagen, dass es sich dabei um eine sichere Methode handelt, die uns wirklich Vorteile bringt. An dem Tag, an dem die Gentechnik wirklich Vorteile gegenüber der herkömmliche Zucht bringt, wird sie es leichter haben, sich zu etablieren.

Das Gespräch führte Rino Curti.

Zur Person

Zur Person

Django Hegglin ist seit 2014 Ackerbauberater am Forschungsinstitut für biologischen Landanbau (FiBL). Zuvor arbeitete er auf verschiedenen Bio-Gemüsebau-Höfen. Studiert hat er Agrarwissenschaften an der ETH in Zürich.

12 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi, winterthur
    Vielleicht sind wir mit der Gentechnik ein weiteres Mal in Bereiche vorgestoßen die so schwer zu kontrollieren sind wie die Kernspaltung. Es lässt sich wirklich alles einbauen, im positiven wie negativen und einmal mehr ist das "menschliche Bewusstsein" kaum reif dafür. Segen und Fluch sind sehr nahe beieinander. Das glühen der Glühwürmchen lässt sich locker in Regenwürmer einbauen. Faszinierend erschreckend. Welche Anbaumethoden wollen wir, welche Werte schützen wir?
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    1. Antwort von Andrea Müller, Zürich
      Hehe, es wird dich freuen zu erfahren, dass es glühende Katzen gibt.
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  • Kommentar von Jens Brügger, Schaffhausen
    Es gibt auch Resistenzgene, welche dauerhaft wirken. Siehe Weizen: Lr34. Um eine Ahnung von der Thematik zu bekommen, sollte man wissenschaftliche Publikationen lesen und nicht 20min oder SRF. Solange die internat. Konzerne (Syngenta, Monsanto,..) aber so weitermachen wie bisher, werde auch ich dagegen kämpfen. Es darf niemals soweit kommen, das alle Bauern jährlich neues Saatgut kaufen müssen...und unsere Nahrungspflanzen sozusagen einem Konzern gehören!! Darum: kritisch bleiben + informieren
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    1. Antwort von M. Roe, Gwatt
      Wissenschaftliche Publikationen werden von Handlangern der Konzerne geschrieben. Die Professoren erhalten dafür viel Geld. Wenn sich mal ein Professor dagegen äussert, wird ihm der "Garaus" gemacht indem man seinen Ruf total schädigt. Diejenigen, die noch ein einigermassen normales Leben leben wollen, sollen sich nicht überreden lassen. Wenn wir konsequent bei unserer Meinung bleiben, können wir alle "Geldmacht" widerstehen. Also, nicht aufgeben und Mut zeigen.
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    2. Antwort von Andrea Müller, Zürich
      Aha, der Wissenschaft kann man also anscheinend nicht trauen. Wem denn dann? Irgendeinem dahergelaufenen Internetkommentar? Weil Technologie = schlecht, ausser das Iphone, das ist ja schon ganz praktisch, aber die andere Technologie, die noch nicht da ist, die ist doof?
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    3. Antwort von M. Roe, Gwatt
      Müller: das kann man schon erkennen, ob ein Wissenschaftler eingekauft wurde. Z.B. wenn sein Name immer wieder in Zusammenhang mit Konzernen erscheint oder wenn dieser Wissenschaftler sich mit unzähligen Publikationen "brüstet". Ein guter und echter Wissenschaftler kann sich ohne die Gelder der Konzerne durchs Leben schlagen. Die Millionen und Lehrstühle die einem durch Konzerne angeboten werden, sind aber schon verlockend. Kommt eben drauf an, warum man Wissenschaftler wurde.
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  • Kommentar von O. Müller, Kloten
    Behaltet Euren Gen-Tech mist. Ich esse lieber gesund aus biologischem Anbau. Möglichst direkt vom Bauernhof. Übrigens bin ich die letzten 20 Jahre insgesamt gerade mal 5 Tage krank gewesen...
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