Naturkatastrophen 2014: mehr Tote als im Vorjahr

Hochwasser, Erdrutsche und Steinschläge haben im vergangenen Jahr in der Schweiz weniger hohen materiellen Schaden angerichtet. Die Zahl der Toten, welche die Ereignisse zur Folge hatten, ist aber angestiegen.

Ein Bild der Verwüstung nach dem Erdrutsch in Davesco-Soragno.

Bildlegende: Der Erdrutsch von Davesco-Soragno forderte zwei Todesopfer. Keystone

100 Millionen hat im vergangenen Jahr der Schaden betragen, den Hochwasser, Erdrutsche und Steinschläge in der Schweiz angerichtet haben. Das ist zwar deutlich weniger als im langjährigen Mittel. Dafür lag die Zahl der Todesopfer, die durch die Naturkatastrophen verursacht wurden, über dem Durchschnitt.

Laut Angaben der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) starben insgesamt sechs Menschen wegen Unwettern und fünf davon wegen Erdrutschen. Im 2014 liessen mindestens drei Menschen wegen Unwettern ihr Leben.

Zwei tödliche Erdrutsche im Tessin

Gleich zwei tödliche Erdrutsche ereigneten sich im November im Tessin. In der Gemeinde Curio wurden eine 31-jährige Frau und ihre kleine Tochter getötet, als ihr Rustico von Schlamm und umgestürzten Bäumen mitgerissen wurde. Rund zehn Tage später verschüttete ein Erdrutsch im nur 15 Kilometer entfernten Davesco-Soragno ein dreistöckiges Wohngebäude. Dabei starben zwei Menschen, vier wurden verletzt.

Ein weiteres Todesopfer forderte das Zugunglück in Tiefencastel vom vergangenen August, als ein Zug bei der Rhätischen Band aufgrund einer Hangmure – einem spontanen Erdrutsch wegen starken Niederschlags – entgleist war. Und in Thörishaus im Kanton Bern ertrank im Juli einem 82-jährige Frau in einem Bach, der Hochwasser führte.

Regen im Juli brachte Not und Zerstörung

Grundsätzlich waren im verregneten Juli hohe materielle Schäden zu beklagen: Über 80 Prozent aller Unwetterschäden entstanden in diesem Monat, wie das WSL mitteilte. Betroffen waren insbesondere das Rheintal und das Emmental.

In Altstätten SG trat am 28. Juli wegen Gewittern der Stadtbach über die Ufer und überschwemmte Häuser und Strassen. DIe entstandenen Schäden beliefen sich laut WSL auf etwa 10 bis 15 Millionen Franken.

Am selben Tag trat der Hornbach in der Gemeinde Sumiswald BE über die Ufer. Die Wassermassen und die mitgeschwemmten Baumstämme zerstörten Brücken und eine Sägerei, rissen Autos mit und machten Strassen und Schutzbauten kaputt, so das WSL.

Allein in Schangnau BE verursachten Gewitter Ende Juli Schäden in der Höhe von rund 16 Millionen Franken. Die Wassermassen der Emme wälzten sich zeitweise durch den Ortsteil Bumbach, überfluteten Häuser, beschädigten Maschinen und Autos und lösten Hangrutsche aus.

Menschen auf der Luftmatratze, wo der Lagio Maggiore über die Ufer getreten ist.

Bildlegende: Lagio Maggiore 2014: Nur wenige geniessen das Hochwasser. Keystone

Tessiner Seen traten über die Ufer

Etwas später als Bern und St. Gallen wurde auch der Kanton Tessin von Unwettern gebeutelt. Der Lago Maggiore und der Lago di Lugano traten Mitte Novbember über die Ufer. Gleich mehrere Gemienden meldeten Schäden.

Wiewohl einzelne Regionen von Hochwassern hart getroffen wurden, verursachten die Unwetter 2014 mit 100 Millionen nicht nur weniger Schäden als im langjährigen Schnitt, sondern auch deutlich weniger als im Vorjahr (125 Millionen Franken). Die meisten Schäden wurden durch Hochwasser verursacht. Diese allein schlagen mit 90 Millionen Franken zu Buche.

2005 als Rekordjahr

Die Unwetter 2014 verursachten mit rund 100 Millionen Franken weniger Schäden als im langjährigen Schnitt. Der teuerungsbereinigte Mittelwert von 1972 bis 2013 liegt bei rund 324 Millionen Franken. Dabei war das Jahr 2005 seit Beginn der Messung das teuerste. Die Hochwasser vom August richteten damals Schäden von über drei Milliarden Franken an.