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Schweiz Schweiz akzeptiert nicht alle EU-Diplome

Frankreich und Deutschland kritisieren die Schweiz: Gewisse Berufsleute hätten kaum eine Chance auf eine Anstellung, weil ihre Berufsabschlüsse nicht anerkannt würden. Die Schweizer Behörden winken ab: Hierzulande gälten halt teilweise andere Anforderungen. Das Thema bleibt traktandiert.

Symbolbild: Ein Mann schraubt an einer elektrischen Installation.
Legende: Bei den Elektro-Installateuren kennt die Schweiz strengere Vorgaben als im Ausland. Imago

Der Lebenslauf des 47-jährigen Elektroinstallateurs kann sich sehen lassen: Die Liste seiner Schulen, Abschlüsse und Arbeitgeber ist lang. Sein Problem: Er ist gebürtiger Franzose. Und so beginnt 2011 der Ärger, als er in der Schweiz eine Stelle antritt und seinen französischen Berufsabschluss anerkennen lassen will.

Französische Botschaft eingeschaltet

Diese Geschichte erzählt er gerne, seinen Namen will er allerdings nicht preisgeben. Nennen wir ihn deshalb Monsieur Dupont. Die Behörden hätten sein Dossier absichtlich auf die lange Bank geschoben, sagt er. Seine Anfrage beantwortet das Amt für Berufsbildung erst nach drei Monaten – nur um ihm mitzuteilen, es sei nicht zuständig.

Zuständig ist stattdessen das eidgenössische Starkstrominspektorat. Mit ihm beginnt ein Briefwechsel, der sich über drei Jahre hinziehen wird. Immer wieder will das Inspektorat neue Nachweise und Dokumente von Dupont, verlangt für seine Abklärungen 1700 Franken. Im Jahr 2014 schliesslich hat er genug: Er schaltet die französische Botschaft ein und droht den Schweizer Behörden mit der Presse. Siehe da: Kurz darauf anerkennt das Starkstrominspektorat seinen Berufsabschluss.

Schweiz verrechnet happige Gebühren

Spätestens jetzt ist die französische Botschaft alarmiert. Viele bestens ausgebildete französische Elektriker, Pflegefachleute und andere Berufsgruppen könnten nicht in der Schweiz arbeiten, weil diese ihre Berufsabschlüsse nicht anerkenne, heisst es bei den Franzosen. Und in letzter Zeit seien die Hindernisse gar noch höher geworden: So habe die Schweiz neu die Gebühren verdoppelt. Sie verlange jetzt bis zu 3000 Franken für Abklärungen in Sachen Diplom – nur um den Abschluss dann trotzdem oft abzulehnen.

Für das häufige Nein gebe es keine sachlichen Gründe, findet Frankreich. Offenbar gehe es darum, den Schweizer Arbeitsmarkt abzuschotten; und das widerspreche der Personenfreizügigkeit. Zumal Schweizer problemlos in Frankreich arbeiten könnten. Mit ihrer Kritik sind die Franzosen nicht allein. Auch die deutsche Botschaft schreibt auf Anfrage, die Schweiz anerkenne gewisse deutsche Abschlüsse nicht und verlange hohe Gebühren. Zu Unrecht, findet auch sie.

Behörden weisen Vorwürfe zurück

Frédéric Berthoud im Staatssekretariat für Bildung wehrt sich: Im Allgemeinen laufe die Anerkennung von Diplomen gut. Immerhin: «Der Bereich Elektroinstallation ist vielleicht das einzige Beispiel, bei dem die Reglementierung in der Schweiz stärker ist als in Frankreich», gibt er zu. Rechtlich sei das kein Problem, denn jedes Land könne für gewisse Berufe eigene Regeln aufstellen. Und bei Elektroinstallationen gehe es nun einmal auch um die Gesundheit der Benutzer, deshalb sei die Schweiz hier strenger als die EU.

Das Starkstrominspektorat verhehlt nicht, dass es viele Gesuche ablehnt. Insbesondere für Franzosen sei es schwierig, in der Schweiz zu arbeiten. «Die meisten Ausbildungen in Frankreich basieren auf Theorie, in der Schweiz dagegen auf Praxis», begründet dies Peter Rey. Er ist Leiter des Rechtsdiensts im Starkstrominspektorat. Zudem sei die Ausbildung in Frankreich kürzer als in der Schweiz.

Und die hohen Gebühren? Die fielen an, weil die Abklärungen aufwendig seien, sagt Rey. Und weil sich das Inspektorat über Gebühren finanziere.

EU kann die Schweiz (noch) nicht verklagen

Diese Argumente besänftigen die EU indes nicht. Erst gerade hat sie der Schweiz einen Brief geschrieben, in dem sie die Schweizer Methoden als nicht EU-rechtskonform bezeichnet. Im Juni waren die Berufsabschlüsse auch Thema an einer gemeinsamen Sitzung Schweiz-EU. Allerdings ohne Ergebnis, wie Berthoud vom Staatssekretariat sagt. Es sei lediglich eine weitere Sitzung vereinbart worden, um das Thema vertieft zu diskutieren.

Im Moment kann die EU ohnehin nur ihren Unmut kundtun; oder höchstens Schweizern in der EU das Leben schwerer machen. Hingegen kann sie die Schweiz nicht verklagen. Das würde sich erst mit einem institutionellen Rahmenabkommen ändern. Einem Abkommen, über das die Schweiz und die EU derzeit verhandeln.

55 Kommentare

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  • Kommentar von P.Fetz, Zürich
    EU ist immer nur am kritisieren aber selber bringen sie nichts auf die Reihe ausser dass sich die Völker in Europa immer mehr hassen! Bravo EU, wie lange gibt es euch noch!
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  • Kommentar von Sebastian Demlgruber, Neustadt
    Selbstverständlicht geht es hier um Diskriminierung und CH-Arbeitsmarktabschottung, die klar gegen EU-Recht verstößt, dem sich die CH hier unterworfen hat. Die Vorgehensweise führt indes vor Augen, wie die EU ihre Firmen vor CH-Konkurrenz schützen kann, wenn die Bilateralen wegfallen sollten. Dann wird eben jeder CH-Camion mit CH-Exportgütern an der Einfahrt in die EU erst mal ausführlichen, teuren technischen Kontrollen unterzogen. Es geht ja um die Gesundheit und Sicherheit der EU-Autofahrer.
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    1. Antwort von M. Keller, Thurgau
      Nur hat die EU sich auch verpflichtet, IHREN Arbeitsmarkt ggü der Schweiz nicht abzuschotten... Nur komischerweise gelten für Schweizer noch immer 3.Staaten-Regelungen statt die PFZ, und schweizer Lehrabschlüsse sind in der EU auch nicht unbedingt anerkannt, vor allem in Deutschland gibts viele Probleme diesbezüglich... Bez. Transit-LKW: da wär ich vorsichtig Herr Demlgruber, auf 1'000 CH-LKW in der EU kommen 100'000 EU-LKW in der Schweiz... Sagt Ihnen "Gotthardtunnel" etwas?
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    2. Antwort von Margot Helmers, Bülach
      Die Schweiz hat sich nicht "unterworfen"!! Die Schweiz ist auch nicht EU Mitglied, nehmen Sie das zur Kenntnis! Die CH hat keinen freien EU Zugang, sondern lediglich einen erleichterten. Das ist in den Bilateralen Verträgen geregelt. Sie sollten mal Urlaub hier machen um die Stuation beurteilen zu können. Wir haben pro Kopf der Bevölkerung die höchste Zuwanderung in ganz Europa, wer da noch von Abschottung schwafelt lebt auf einem anderen Planeten, resp. in Neustadt.
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  • Kommentar von M. Keller, Thurgau
    Als einer, der sich mehrfach und wiederholt in den letzten 15 Jahren in Deutschland, Frankreich, GB und Österreich beworben hat, kann ich mit zuverlässiger Sicherheit sagen: jene Länder akzeptieren nur CH-Studienabschlüsse, aber mit Lehrabschluss (bsp. kaufm. Berufsmatura) siehts schon mager aus: IHK-Anerkennungsprüfung, notwendige Sonderbescheinigungen usw mit Glück kümmert sich der Betrieb darum... Ich sag zum Thema: Liebe EU-Länder - selber besser machen, oder ruhig bleiben...
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    1. Antwort von Hans Knecht, Torny
      50% der Schweizer Bevölkerung haben aber gerade einen Lehrabschluss und weitere ca. 25% haben nicht einmal das. Folglich werden 75%, die grosse Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer, von Stellenmarkt ausgeschlossen! Und da sollten Schweizerinnen und Schweizer ernsthaft noch für die PFZ sein?
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    2. Antwort von M. Keller, Thurgau
      H. Knecht: vor allem weil sich die EU so selten selber an die Verträge hällt; 3.Staaten-Regelung für Nichtstudierte, selektive Anerkennung (wenn überhaupt) der Abschlüsse - das alles sieht und spürt man als Schweizer! Denn man soll ja flexibel sein und in's Ausland gehen... Nur eben: ausgerechnet die grössten "über die CH-Motz-Staaten" halten sich am wenigsten an die Verträge.. Aber DAS wird nie thematisiert... Pikant: das Rahmenabkommen geht EU->CH, die CH hat KEINE Klagemöglichkeit gg. die EU
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    3. Antwort von Bruno Janthiang, Banglamung
      Die Herren Knecht und Keller, bei ihrem Thema würde mich doch sehr die Antwort dazu aus dem Bundesrat interessieren. Nur interessieren sich diese Leute nicht um uns, uns das Volk.
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