Schweizer haben mehr auf die hohe Kante gelegt

In den Schweizer Haushaltsbudgets hat die Wirtschaftskrise kaum Spuren hinterlassen – im Gegenteil. Das geht aus den neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik hervor. Bei den tiefen Einkommensklassen ist die Kasse Ende Monat jedoch leer.

Eine Wäscheleine unter freiem Himmel, an der bunte Stofftaschentücher und weisse Unterhosen hängen.

Bildlegende: Für die Statistik wurden knapp 3000 Haushalte befragt, die im Schnitt aus 2,2 Personen bestehen. Keystone

Wenn Steuern, Sozialabgaben und Krankenkassenprämien bezahlt sind, bleiben einem Privathaushalt in der Schweiz 7130 Franken im Monat zur freien Verfügung. Das sind 670 Franken mehr als 2008, sagt die Erhebung. Doch das sei lediglich ein Durchschnittswert, betont Ueli Oetliker vom Bundesamt für Statistik (BFS). Um ihn einordnen zu können, müsse man auch die Einkommensverteilung kennen.

«Bei der Verteilung sieht man sofort, dass der Durchschnittswert nicht genau in der Mitte liegt», sagt Oetliker. «Es gibt also nicht genau 50 Prozent, die mehr verdienen, und 50 Prozent, die weniger verdienen. Im Fall des verfügbaren Einkommens sind es sogar 61 Prozent, die weniger verdienen.»

Eine klare Mehrheit der Haushalte hat also weniger Geld zur Verfügung, als es dem Durchschnitt entsprechen würde.

Ungleiche Sparmöglichkeiten

Für sie sind wohl auch die durchschnittlich 1300 Franken Erspartes am Schluss des Monats – 300 Franken mehr als 2008 – bloss ein Wunschtraum. «Die Zahlen zeigen, dass die Mehrheit etwas auf die Seite legen kann», sagt Oetliker. «Aber da die Verteilung hier sogar noch weniger symmetrisch ist als bei den Einkommen, gibt es vielleicht 10 bis 20 Prozent, die sehr viel mehr auf die Seite legen können. Bei einen grossen Teil ist der Sparbetrag tiefer.» Haushalte mit weniger als 5000 Franken Bruttoeinkommen können demnach gar nichts beiseite legen.

Den grössten Teil der sogenannt frei verfügbaren Mittel brauchen Schweizer Haushalte für Wohnen und Energie. Ein immer grösserer Anteil beansprucht der Verkehr. Für Nahrungsmittel hingegen geben sie nur noch gut 6 Prozent des frei verfügbaren Einkommens aus. Vor 70 Jahren waren es noch fünfmal so viel.