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Schweiz Schweizer Kirchenbasis kritisiert katholische Kirche

Jetzt hat es die katholische Kirche schwarz auf weiss: Was ihre Priester Sonntag für Sonntag predigen, das kommt bei der Basis nicht wirklich an – vor allem wenn es um Ehe, Sexualität und Verhütung geht. Um Antworten gebeten hatte kein geringerer als der Papst.

Legende: Video Was sich die Schweizer Katholiken von ihrer Kirche erhoffen abspielen. Laufzeit 4:25 Minuten.
Aus 10vor10 vom 04.02.2014.

Insgesamt 25'000 Schweizer Katholiken haben sich bei der sogenannten Pastoralumfrage beteiligt. Mit den Rückmeldungen der Basis will Rom den verlorengegangenen Kontakt zu den Gläubigen wiederherstellen.

Diese Ergebnisse der Umfrage wurden heute von der Bischofskonferenz vorgestellt. Die Idee zu dieser Umfrage kommt von ganz oben: Papst Franziskus selbst wollte wissen, wie Katholiken zu Themen wie Familie, Partnerschaft und Sexualmoral denken.

Kritik an kirchlicher Lehre

Der Wunsch nach einer christlichen Erziehung der Kinder bildet den höchsten Zustimmungswert der gesamten Umfrage (97 Prozent). Auch die kirchliche Eheschliessung ist den Befragten wichtig. 80 Prozent gaben an, die eigene Paarbeziehung religiös gestalten zu wollen.

Die grundsätzliche Offenheit für Religion und Glaube gehe nicht mit einer kritiklosen Zustimmung zur Lehre über die Familie, Ehe und Sexualität einher, heisst es von der Bischofskonferenz.

Einstimmiges Unverständnis herrscht vor allem in der Haltung der Kirche gegenüber Wiederverheirateten. Diese nicht zu den Sakramenten zuzulassen, wird als unchristlich und unbarmherzig empfunden. Die überwiegende Mehrheit (90 Prozent) teilt den Wunsch nach einer kirchlichen Anerkennung und Segnung dieser Partnerschaften.

Dauerthema Homoehen und Verhütung

Eine Mehrheit von rund 60 Prozent unterstützt den Wunsch nach einer kirchlichen Anerkennung und Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Anders als bei der Frage der geschiedenen Wiederverheirateten gibt es hier aber keinen Konsens, sondern eher eine Polarisierung. Der klaren Zustimmung zu diesem Thema steht eine ebenso entschiedene Minderheit gegenüber, die Homoehen ablehnt.

Die Antworten auf die Frage nach künstlichen oder natürlichen Verhütungsmethoden zeigen die Differenz zwischen Lehre und Praxis. Das lehramtliche Verbot der künstlichen Methoden der Schwangerschaftsverhütung steht fernab zur Auffassung der allermeisten Katholiken, die diese Art der Verhütung gutheissen.

Dringender Handlungsbedarf

Setze man diese kirchenkritischen Ergebnisse mit dem grundsätzlichen Wunsch zu einer kirchlich-religiös geprägten Partnerschaft, Ehe und Familie ins Verhältnis, zeige sich eine dringende Notwendigkeit, den Status der kirchlichen Lehre neu zu bewerten, heisst es von der Seite der Bischofskonferenz. Die Forderungen der Kirche, nach denen die Gläubigen unbedingten und kritiklosen Gehorsam leisten sollen, würden der Kirche schaden.

Misstrauen gegenüber Rom

«Nun schauen wir wieder gerne nach Rom», sagt Markus Heil gegenüber Radio SRF. Er ist Seelsorger in Balsthal und Sprecher der Schweizer Pfarreiinitiative, die sich für eine offenere und tolerantere Kirche engagiert. Dass die Gläubigen nach ihrer Meinung gefragt werden, sei ein spannender Schritt in eine hervorragende Richtung.

Aber: «In unserer Schweizer Kirche ist vom frischen Wind aber noch sehr wenig zu spüren. Die alten Verhaltensmuster der katholischen Kirche sind immer noch sehr dominant», meint Heil. Ausserdem ist der neue Stil der Kirche ungewohnt. «Wir trauen der Sache noch nicht.» Es gelte abzuwarten, was die Kirche schlussendlich mit den Ergebnissen der Umfrage macht.

Huonder in der Kritik

Eine breite Allianz von katholischen Verbänden fordert von der Bischofskonferenz die Absetzung von Bischof Vitus Huonder. Daneben sollten auch Schritte in Richtung einer glaubwürdigen, befreienden, ökumenischen und offenen Kirche in der Schweiz unternommen werden. Am 9. März ist in St. Gallen eine Grossdemonstration angekündigt.

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57 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bundey
    R.Munteler,6.2./12:24"Dann müssen Sie früher mal tiefgläubig gewesen sein,wenn Sie das so genau wissen."Nein,aber mein Umfeld,Familie,Schule,Internat.Schwer,als kritisches Kind in einer stockkath.Familie aufgewachsen zu sein,in der viel geschwiegen,gebetet,kaum geredet,autarke Meinung od.Ungehorsam mit phys+psych Gewalt honoriert(Hebr.12.6),Prüderie in jeder Hinsicht gelebt wurde.Und ja,Mutter Erde+all unsern Mitgeschöpfen in Fauna+Flora erginge es ohne diesen Evolutionsflop Mensch viel besser.
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  • Kommentar von M. Wyrsch, Luzern
    Juha Stump, Zürich, 05.02.2014, 10:51 Es freut mich, dass Sie sich in der Katholischen Kirche als Gast wohlfühlen! Ich finde eine kritische Basis (ich zähle mich dazu!) ist gar nicht so schlecht und tut dieser Kirche gut, solange die Kritik auf der Sachebene bleibt und konstruktiv ist. Ich kenne auch viele Priester und Pastoralassistenten, die sich mit den kritisch Denkenden solidarisieren und Verständnis zeigen.
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  • Kommentar von Albert Planta, Chur
    Glasnost und Perestroika im Vatikan? Wohl kaum. Die Gläubigen trinken Wein und die Kleriker predigen Wasser. Die Dogmen der röm. kath. Kirche haben für die meisten Gläubigen nicht mal als abstrakte Glaubenssätze Gültigkeit.
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