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Schweiz Schweizer Sportförderung sorgt auch in Rio für Zwist

Sportminister Parmelin schüttelt in Rio nicht nur Gewinnerhände, er sieht sich auch mit Forderungen nach Millionen für den Spitzensport konfrontiert. Swiss Olympic droht, die Schweiz verliere den Anschluss an die Spitze. Der Bund müsse sparen, entgegnet Parmelin.

Parmelin bei einer Rede
Legende: Parmelin widerspricht Sportfunktionären auch in Rio: Der Bund muss sparen. Keystone

Bundesrat Guy Parmelin besucht in Rio de Janeiro Wettkämpfe mit Schweizer Athleten und gratuliert Medaillengewinnern wie Fabian Cancellara. Er trifft aber auch Vertreter von Sportverbänden und -organisationen.

So sprach er am Freitagmorgen mit IOC-Präsident Thomas Bach unter anderem über Doping und die Sportinfrastruktur in Rio. Vor Ort sind auch Schweizer Funktionäre wie Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schild. Er fordert vom Bund seit Längerem zusätzliche 15 Millionen Franken für den Spitzensport.

Legende: Video Parmelin in Rio abspielen. Laufzeit 1:04 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 13.08.2016.

«Kein Handlungsspielraum»

Bisher vergeblich: Der Bundesrat hat im Mai mitgeteilt, er sehe für die Erhöhung der Beiträge für den Leistungssport vorderhand «keinen Handlungsspielraum». Schild lobbyiert nun in Rio auf höchster Ebene. «Ich habe schon Bundespräsident Schneider-Ammann klar gemacht, wofür wir die Gelder brauchen», sagte Schild.

Und auch mit Guy Parmelin hat er gesprochen. Der Bund müsse ein Zeichen setzen, dass er den Leistungssport unterstütze, «er hat den privatrechtlichen Sport vernachlässigt».

«Der Bund muss sparen»

Sportminister Parmelin lässt die Kritik der mangelnden Unterstützung nicht gelten. «Der Bund muss sparen», sagte er in Rio. Immerhin unterstütze er mit den Sportzentren in Magglingen (BE) und Tenero (TI) die Infrastruktur, er unterstütze die Verbände sowie die Jugend-Winterspiele 2020 in Lausanne und die Winteruniversiade 2021 in Luzern. «Es braucht immer gute Projekte, und das letzte Wort hat das Parlament, das ein Stabilisirungsprogramm beschlossen hat.»

Die Frage, ob der Sport im Parlament im Gegensatz zu den Bauern eine schlechte Lobby habe, beantwortet Parmelin mit einem deutlichen Nein: «Die parlamentarische Gruppe Sport ist eine der besseren Lobbyisten.» Die Gruppe, der rund die Hälfte der Parlamentsmitglieder aus praktisch allen Parteien angehört, setze sich fast immer durch, wenn es darum gehe, Kürzungen bei Jugend und Sport zu verhindern.

«Sonst kann die Schweiz nicht mithalten»

Swiss Olympic aber fordert seit der Vernehmlassung zur «Gesamtschau Sportförderung» mehr: 15 Millionen Franken sollen vornehmlich für Trainerförderung, Unterstützung nationaler und regionaler Leistungszentren sowie die Finanzierung olympischer Missionen eingesetzt werden. Das Geld sei nötig, «wenn die Schweiz im internationalen Vergleich künftig überhaupt noch mithalten will», hatte Schild im Frühjahr gesagt.

Kurz zuvor war bekannt geworden, dass die Kantone ihre Unterstützung für den Spitzensport in den nächsten drei Jahren erhöhen werden. Die Versammlung der 20 Genossenschafter der «Swisslos Interkantonale Landeslotterie» (alle Deutschschweizer Kantone und der Kanton Tessin) hatte beschlossen, den Beitrag an Swiss Olympic um rund 15 Millionen Franken zu erhöhen.

Befristeter Beitrag der Kantone

Der Betrag ist allerdings vorerst auf drei Jahre befristet. Für die Zeit danach ist die Erhöhung an die Bedingung geknüpft, dass der Bund bis spätestens in drei Jahren die andere Hälfte der von Swiss Olympic geforderten Mittel bereitstellt.

Schild hat nun Angst, dass daraus nichts wird. «Wenn der Bund nicht zahlt, steigen die Kantone aus», sagte er in Rio. Sportminister Parmelin stellt sich auf den Standpunkt, dass das Parlament entscheide. Deshalb will Schild nun auch «den Parlamentariern klarmachen, wofür es die Mittel braucht». Für Swiss Olympic ist klar: «Ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung wird die Sport-Schweiz den Anschluss an die internationale Spitze verlieren.»

Rio 2016 im SRF

Die aktuelle SRF-Berichterstattung von den Olympischen Wettbewerben finden Sie hier.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Halbeisen (ch)
    Falls der Bund die Sportler mit Geld unterstützt, so müssen Sänger in Gesanges-Vereinen, Schach-Clubs, Modelflugzeug-Bauer usw. pro Kopf genau soviel Geld erhalten, wie die Sportler. Alles andere wäre eine Diskriminierung der Nicht-Sportler. Und die Fussballer sollen keinen roten Rappen erhalten, weil die sind eigentlich nur noch Finanz-Jongleure und die Spieler krankhaft überbezahlt.
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  • Kommentar von Laurent Christen (kritisch bleiben)
    Wenn in einer Zeit, in der das rechtsbürgerliche Parlament fast überall den Rotstift ansetzt (Nur bei Armee und Landwirtschaft natürlich niemals), ein Sportfunktionär daherkommt und vom Bund mehr Geld will, dann ist das schon unglaublich dreist. Mit Verlaub, Olympiamedaillen und andere Spitzensport-Erfolge sind Nebensache. Wir kommen auch gut ohne sie aus. Ohne Bildung, Forschung, Gesundheitswesen, Sozialstaat, AHV-Renten usw. jedoch nicht. Das sind wirklich wichtige Dinge!
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  • Kommentar von Werner Gerber (Gerber Werner)
    da bin ich voll der gleichen meinung wie markus guler und swiss olympic. unser sport muss wesentlich mehr mit bundesgeld unterstützt werden. wenn die bauern nur schon husten fliessen wieder millionen. da kann und muss mal unbedingt gespart werden. wenn unsere spitzensportler international für furore sorgen wie jetzt in rio., und das weiterhin so sein soll braucht es dringend mehr geld. wenn bundesrat und parlament kein gehör haben, muss das volk entscheiden
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