Teure Medikamente Sind Maximalpreise die Lösung?

  • Die hohen Medikamentenpreise in der Schweiz sind ein Dauerthema. Die Differenz zum Ausland wird immer grösser, wie der neueste Preisvergleich zeigt.
  • Für patentgeschützte Medikamente bezahlen Schweizer Konsumenten 14 Prozent mehr als im Ausland. Beim letzten Preisvergleich lag die Differenz noch bei 10 Prozent.
  • Bei den Generika ist der Unterschied besonders frappant: Schweizerinnen und Schweizer bezahlen 53 Prozent mehr als Konsumenten im Ausland.

Darum geht es: Der Preisvergleich wurde von Interpharma und der Santésuisse gemeinsam durchgeführt. Darüber, wie die Ergebnisse zu deuten sind, gehen die Ansichten der Pharmaindustrie und des Krankenkassenverbandes auseinander.

Optimistische Pharmaindustrie: Heiner Sandmeier von Interpharma sagt: «Die Preisunterschiede sind weitgehend auf die Währungsentwicklung zurückzuführen. Die Preise werden sinken, da der Bundesrat die regelmässige Preisüberprüfung wieder aufnimmt.» Wenn man darüber rede, dass Medikamente hier teurer seien, müsse man auch sehen, wie viel teurer andere Produkte in der Schweiz sind: «Wenn man die Preisunterschiede mit den Nahrungsmitteln und Konsumgütern vergleicht, sind sie nicht sehr gross, weil die Kaufkraft nicht berücksichtigt ist.»

Pessimistische Krankenversicherer: Ganz anders interpretieren die Krankenversicherungen die neuen Zahlen des Auslandpreisvergleichs. Zwar machen Medikamente nur rund 10 Prozent der Gesundheitskosten aus. Verena Nold von Santésuisse ist dennoch beunruhigt. «Es wird leider so weitergehen», prognostiziert sie. Sie sehe «kein Licht am Horizont, gerade bei den Generikapreisen». Santésuisse fordert deshalb, ein Festbetragsystem für Generika gesetzlich zu ermöglichen – analog zu anderen Ländern in Europa. Ein solches Festbetragssystem will auch Bundesrat Alain Berset einführen. Eine entsprechende Gesetzesänderung soll noch dieses Jahr in die Vernehmlassung gehen.

Vor- und Nachteile des Festbetragsystems: Festbetragssystem heisst, dass für Wirkstoffe ein Maximalpreis festgelegt wird. Will der Kunde ein teureres Produkt, muss er die Differenz selber bezahlen. «Es würde enorme Kosteneinsparungen einbringen», glaubt Santésuisse. «Wir haben errechnet, dass Einsparungen bis 800 Millionen möglich wären. Das wäre wirklich ein Schritt in die richtige Richtung.» Interpharma widerspricht: Den Preis zu deckeln würde ein Qualitätsverlust bedeuten. Das billigste Medikament sei nicht immer das geeignetste.