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Schweiz Spitäler behandeln mehr misshandelte Kinder – drei Todesfälle

Rund 1300 Kinder sind im letzten Jahr mit Anzeichen einer Misshandlung in Schweizer Spitälern betreut worden. Experten erklären den 13-prozentigen Anstieg innert Jahresfrist vor allem mit der besseren Erfassung der Fälle. Jedes zweite Opfer war jünger als sechs. Drei verletzte Kleinkinder starben.

Legende: Video Registrierung von Kindsmisshandlung nimmt zu abspielen. Laufzeit 1:54 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.06.2014.

Insgesamt registrierten die Schweizer Kliniken im vergangenen Jahr 1292 Fälle von vermuteter oder sicherer Kindsmisshandlung, wie die Fachgruppe Kinderschutz der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie mitteilt. Dies sind 13 Prozent mehr Fälle als im Jahr zuvor.

Die Fachgruppe führt die Zunahme auf eine erhöhte Sensibilisierung der Fachpersonen sowie eine bessere Erfassung der Fälle zurück. An der Zählung beteiligten sich fast alle grossen und mittleren Kinderkliniken.

Die Spitäler schauten zusehends genauer hin, unterstreicht Ulrich Lips, Vizpepräsident der Fachgruppe. Er leitete bis vor einem Jahr die Kinderschutzgruppe am Zürcher Kinderspital. Er sieht das Resultat auch im Zusammenhang mit den vor fünf Jahren lancierten Programmen.

Sexueller Missbrauch in jeden fünften Fall

Etwas mehr als ein Viertel der Kinder wurde körperlich misshandelt. Je ein weiteres Viertel wurde psychisch misshandelt oder vernachlässigt. Bei etwas mehr als einem Fünftel der Fälle erlitten die Kinder sexuellen Missbrauch.

Lips stellt fest, dass körperliche Misshandlungen am einfachsten aufzudecken seien. In der Regel würden Verletzungsmuster gefunden, die zu dem von den Eltern geschilderten angeblichen Unfall nicht passten. Bei den seelischen und anderen Formen von Misshandlung suche man nach Verhaltensänderungen des Kindes, beispielsweise ein Leistungsknick in der Schule oder plötzliche Depressionen.

Häufig werden die Kinder auf mehr als eine Weise misshandelt, wie die Fachgruppe festhält. Fast die Hälfte der Opfer war jünger als sechs Jahre – am stärksten betroffen waren Kinder, die weniger als ein Jahr alt waren. Sexuellen Missbrauch erlitten überwiegend Mädchen (76 Prozent), beim Rest der Misshandlungsfälle war das Geschlechterverhältnis recht ausgeglichen.

Elternhaus und «sozialer Nahraum» als Tatorte

Meistens misshandelte ein Familienmitglied (78 Prozent) oder jemand aus dem Bekanntenkreis (14 Prozent) das Kind. Bei sexuellem Missbrauch ist der Anteil der Täter aus dem Familienkreis etwas weniger hoch. Sexueller Missbrauch wird zudem meistens von Männern verübt. Die Täterschaft im «sozialen Nahraum» lebe im Umfeld des Kindes und kenne dessen Lebensrhythmus, bemerkt Lips.

Über alle Misshandlungsfälle betrachtet beträgt der Anteil der weiblichen Täterschaft 28 Prozent – bei einer weiteren Gruppe von Fällen wird die Misshandlung von beiden Elternteilen verübt. Drei Kinder sind im vergangenen Jahr an den Folgen der Misshandlung gestorben – sie waren alle weniger als ein Jahr alt.

Zahlreiche Strafanzeigen

Im Verdachtsfall wird laut Lips je nach Schwere des Falles vorgegangen. Bei einer relativ geringfügigen Misshandlung wie einem Bluterguss und einsichtigen Eltern könnten Hilfestellungen etwa durch die Kinderärztin geleistet werden, sagt Lips. Natürlich immer mit einer gewissen Kontrolle, dass nichts Weiteres passiert. «Alles, was über die ganz leichten Verletzungen hinausgeht oder wenn die Einsicht der Eltern fehlt, wird den Behörden gemeldet», so Lips.

In jedem vierten Fall schaltete die Kinderschutzgruppe die Behörden ein. Bei gut sechs Prozent der Misshandlungen erfolgte eine Strafanzeige. In vielen Fällen hatte zudem bereits eine andere Stelle die Behörden oder die Justiz benachrichtigt.

Präventionsprogramm gefordert

Lips betont, dass den misshandelten Kindern primär einmal medizinisch geholfen werden muss. Alles andere sei eine Frage der Vorsorge, damit Kinder durch Erwachsene gar nicht mehr misshandelt werden können, sei es das psychisch, körperlich oder sexuell. Hier wäre laut Lips ein «ganz grosses Präventionsprogramm» nötig, damit die Anzahl dieser Fälle mit der Zeit langsam zurückgeht.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Lucas Kunz, Sallneck
    Wo bleibt der der berufsmässig inszenierte Empörungsauftritt der Mademoiselle Rickli von der SVP? Sonst ist sie doch bei solchen Themen immer vorne dran ...
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  • Kommentar von R. Beer, Bern
    Männer verbringen viel weniger Zeit mit Kindern und übernehmen vor allem kaum anstrengende Betreuungsaufgaben, wieso ist der Anteil der männlichen Täter trotzdem so extrem hoch? Wieso misshandeln erwachsene Männer körperlich und psychisch unterlegene Kinder?
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      R.B./Sado-Maso?Ehefrau und Rotlichtmilieu reichen offenbar immer noch nicht.Der "belastbare Mann" hat das"Bedürfnis" sich abreagieren zu können. Dafür arbeitet er ja und will für sein"sauer verdientes Geld" auch was haben.Die Welt hat nicht ein sexuelles Problem,die Welt ist ein sexuelles Problem.Wieso lebt der Mensch und vermehrt sich? Der einzige Grund wird wohl der sein,dass er dieses "Problem" bedienen kann.
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