Starker Franken reisst Loch in Reisekasse

Ferien in der Schweiz sind für Gäste aus dem Euroraum über Nacht etwa 15 Prozent teurer geworden. Ein happiger Aufschlag auf sowieso schon hohe Preise. Besonders spüren das Touristen, die bereits hier sind: Sie haben nicht damit gerechnet, dass ihr Aufenthalt plötzlich massiv mehr kostet.

Touristin mit Pandabären-Mütze auf dem Titlis versucht, mit Turnschuhen auf Skiern zu stehen.

Bildlegende: Überraschung: Die Hotelrechnung, das Schnipo und die Tageskarte kosten – umgerechnet in Euro – plötzlich deutlich mehr. Keystone

Die letzten Sonnenstrahlen beleuchten die Berggipfel. Es ist später Nachmittag. Das Dorf selbst liegt bereits im Schatten. Es sind nur wenige Touristen unterwegs – in Engelberg ist Zwischensaison. Ein älteres Ehepaar überquert die Strasse. «Wir kommen aus Deutschland», erzählt der Mann mit schwarzer Mütze und roter Skijacke.

Ferienwohnung zum Glück schon bezahlt

Er habe gehört, dass die Schweizer Nationalbank den Eurokurs nicht mehr stütze: «Als Gast wird es teurer.» Trotzdem nimmt er es gelassen. Die Ferienwohnung habe er bereits im voraus bezahlt. Er und seine Frau kämen seit Jahren regelmässig nach Engelberg.

Mit den Preisen in der Schweiz hat sich der Rentner längst abgefunden: «In der Schweiz ist es ja sowieso ein wenig teurer als in Deutschland. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass wir 100 Prozent mehr bezahlen müssen.»

Nun ist der Euro noch weniger wert. Zum Beispiel fürs Essen muss das Ehepaar mehr bezahlen. Am Mund absparen käme für sie jedoch nicht in Frage: «Das war vielleicht vor 30 Jahren. Aber aus dem Alter sind wir raus», sagt die Frau lachend.

Eine Strasse weiter steht ein anderer deutscher Gast vor einem Hoteleingang. Er ist von der Neuigkeit überrumpelt: «Ich habe mir noch überhaupt keine Gedanken gemacht. Ich bin gerade erst angekommen und habe noch nichts getauscht.» Für seine Ferien müsse er nun wohl mehr Geld einrechnen, meint er nachdenklich.

Souvenirs im Einkauf in Euro günstiger

Sorgen macht der tiefe Eurokurs dem einheimischen Ladenbesitzer Werner Blatter. Er verkauft in Engelberg Souvenirs; Andenken aus Holz oder Uhren. Es werde wohl schwieriger, den Gästen aus der Eurozone etwas zu verkaufen, sagt er.

Seine Kuckucksuhren bezieht er aus dem Ausland. Ein Vorteil also, wenn der Kurs tief ist. «Das wird, wenn er noch mehr fällt, die Auswirkung haben, dass wir diese Produkte noch günstiger anbieten können», sagt Blatter voraus.

Die Preise anpassen? Wohl kaum, meint Roger Villiger, Chef vom Hotel Bellevue, einem Viersterne-Haus mit 150 Betten. Das könne man sich in der Hotelbranche nicht leisten. Seine Reaktion auf die Meldung vom Vortag war: «Oha lätz!»

Fokus auf Märkte ausserhalb der Eurozone

Nun es werde noch härter, Gäste aus Deutschland, Frankreich oder Italien nach Engelberg zu holen. Obwohl die Aussichten alles andere als rosig seien, Villiger mag nicht einfach klagen: «Es kann auch eine Chance sein, dass man sich vermehrt auf andere Märkte konzentriert. Sei es Skandinavien, wo wir eh schon stark sind hier in Engelberg, oder auch auf den Heimmarkt Schweiz.»

Wenn die Branche sich für diese Märkte stark mache, dort ihre Anstrengungen im Verkauf verstärke, dann könne die Zukunft durchaus rosig sein, so Villiger. Dem Hotelier wäre es aber ohnehin lieber, es gäbe endlich genügend Schnee. Dann kämen auch die Gäste. Vom tiefen Eurokurs lasse er sich im Moment nicht aus der Ruhe bringen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

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    Aus Rendez-vous vom 16.1.2015

    Seit der Aufgabe des Mindestkurses können Schweizer Unternehmen viel günstiger im Euroraum einkaufen. Doch geben sie die reduzierten Preise auch an die Konsumenten weiter? Die Politik ringt seit Jahren um Massnahmen gegen den berühmten «Preiszuschlag für die Schweiz» - bisher erfolglos.

    Dominik Meier