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Steigende Gesundheitskosten Wenn Kostenbewusstsein bestraft wird

Medizinische Hilfsgeräte wären im Ausland deutlich günstiger zu haben, werden aber von der Krankenkasse nicht entschädigt. Dieselben Geräte kosten in der Schweiz deutlich mehr. Ein ungenutztes Sparpotenzial, moniert der Krankenkassenverband Santésuisse.

Legende: Video Teure medizinische Hilfsmittel abspielen. Laufzeit 2:04 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.12.2017.

Wer medizinische Hilfsmittel wie Gehhilfen oder Blutzucker-Messgeräte vom Arzt verschrieben bekommt, erhält die Kosten über seine Krankenkasse zurück – sofern er sie in der Schweiz und nicht im Ausland kauft. Die Kassen müssen dafür aber sogenannte «Höchstvergütungen» bezahlen, für jedes Gerät amtlich festgelegt vom Bundesamt für Gesundheit.

Dass diese Höchstvergütungen im Vergleich zum Ausland viel zu hoch seien, moniert der Krankenkassenverband Santésuisse schon seit langem. Mit Preissenkungen könnte man die Prämienzahler um Millionenbeträge entlasten, heisst es.

Stefan Mens steht stellvertretend für diese Debatte. Er ist Musiker und leidet an Schlafapnoe. Seit er das Beatmungsgerät gekauft hat, das ihm vom Arzt verschrieben wurde, kann er wieder schlafen: «Gesundheitlich geht es mir dank diesem Gerät super. Aber es hat mich sehr gestört, dass dieses Gerät in der Schweiz über die Krankenkasse abgerechnet 1'000 Franken teurer war, im Vergleich zu Geräten, die ich in Deutschland gesehen habe. Es sind schliesslich unsere Prämiengelder, die wir hier bezahlen.»

Einsparpotenzial im zweistelligen Millionenbereich

Dabei könnte man nur schon bei den gefragtesten medizinischen Hilfsmitteln 34 Millionen Franken pro Jahr einsparen, meint Santésuisse-Direktorin Verena Nold: «Damit man dieses Sparziel erreicht, müsste das Bundesamt für Gesundheit die Preise für die wichtigsten Mittel und Gegenstände senken. Und zusätzlich müssten die Krankenversicherer Produkte, die im Ausland gekauft werden, bezahlen dürfen. Das ist heute leider nicht der Fall.»

Santésuisse fordert regelmässige Preisvergleiche mit dem Ausland und hat eigene Vergleiche mit Preisen in Deutschland angestellt. Für eine Packung mit 50 Blutzucker-Teststreifen bezahlen die Krankenkassen heute eine Höchstvergütung von 40 Franken. Dasselbe Produkt erhält man in Deutschland für umgerechnet 22.46 Franken – ein Preisaufschlag von 78 Prozent gegenüber dem Preis in Deutschland.

Das sind wirklich überhöhte Preise, die hier zu Lasten von uns allen obligatorisch Versicherten vergütet werden müssen.
Autor: Stefan MeierhansPreisüberwacher

Krücken für Erwachsene werden von der Kasse nur noch vergütet, wenn sie gekauft, nicht aber, wenn sie gemietet werden. Im Vergleich zu Deutschland kosten sie hier mehr als das Doppelte. Und bei Kompressions-Wadenstrümpfen beträgt der Aufschlag laut Santésuisse 44 Prozent gegenüber dem Preis in Deutschland.

Die Anpassung dieser Preise werde seit Jahren verschleppt, kritisiert Preisüberwacher Stefan Meierhans: «Das sind wirklich überhöhte Preise, die hier zu Lasten von uns allen obligatorisch Versicherten vergütet werden müssen. Bereits 2011 hatte ich dem damaligen Bundesrat Burkhalter empfohlen, das endlich anzugehen. Schrittweise kommen wir der Sache näher, aber leider viel zu langsam.»

Beim Bundesamt für Gesundheit entgegnet man: Bis Ende 2019 werde die Liste mit den Höchstvergütungen in Etappen revidiert. BAG-Kommunikationschef Gregor Lüthy: «Wir arbeiten an der Gesamtrevision dieser Liste. Wie oft und in welchem Rhythmus die Preise danach kontrolliert werden, können wir noch nicht sagen.»

Preisbeispiele

Produkt
Preis in Deutschland in CHF
Preis gemäss Vergütungsliste in CHF inkl. Mehrwertsteuer
Aufschlag in Prozent
Krücken
(Unterarmkrücke Basic)
10.18
24.85144
Lichttherapie-Lampe
(Philips Energyup White HF3419/02)
219.11348.0059
Schlafapnoe Therapiegerät
(ResMed S9 Escape Auto CPAP)
536.851491.50178
Kompressionswadenstrumpf
(Sigvaris Traditional KKL 4 AD)
60.0485.9043
Reagenzgträger für Blutzuckerbestimmungen
(Accu-Chek Aviva Blutzuckerteststreifen)
22.4639.7577

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Das viele in der Schweiz mehr verdienen als Mancher in Deutschland ist wohl so. Aber wie erklärt man dann warum z.B. ein Schlafapnoe-Therapiegerät in der Schweiz mehr als doppelt so teuer ist wie in Deutschland?
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Frage mich oft, was die Angestellten im Bundesamt für Gesundheit eigentlich tun? Nichts. Immer nur Ausreden. Seit Jahren wird diese Diskussion geführt von überteuerten Hilfsmitteln. In Bern wird kein Finger krumm gemacht um diese Situation zu bereinigen. Prämienzahler werden immer mehr belastet werden. Nun noch das Luxus-Resort auf dem Bürgenstock in der Grundversicherung. Man kann alles übertreiben. Schluss mit der Abzocke auf Kosten der Prämienzahler.
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    1. Antwort von Edi Steinlin (stoni)
      Stimmt genau, ob es um überteuerte Hilfsmittel oder um Medikamente geht, es geht nichts vorwärts oder fast nichts.
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  • Kommentar von Frank Henchler (Fränki)
    Was soll das ganze Gejammer hier ? Ihr verdient das 2 bis 3 fache, also habt ihr auch prozentual mehr Kaufkraft. Hinzu kommen die viel niedrigeren Steuern. Der Nationalismus vieler hört beim Preis auf. Diese Leute kann man nicht ernst nehmen. Doppelmoral wo man hinschaut.
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    1. Antwort von Hans Hegetschweiler (hansicomment)
      Das ist eine Mär. Die Kaufkraft des Schweizer Mittelstandes ist nicht so viel höher als die des deutschen Mittelstandes. Man kann nicht einfach Nettolöhne nominal vergleichen. Man muss Mieten, Krankenkasse, Zahnarztkosten etc. mit in den Vergleich einbeziehen und dann schauen, welcher Warenkorb mit dem verbleibenden Geld gekauft werden kann. Dann geht es den Deutschen gar nich viel schlechter als den Schweizern
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    2. Antwort von Frank Henchler (Fränki)
      Die Kaufkraft ist laut den Statisiken Minimum 2 bis 3 mal so hoch im Durchschnitt. Ich glaube ihre Darstellung entspricht nicht der Wahrheit. Jammern auf ganz hohem Niveau.
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